Veruntreutes Geld aus Brasilien auf Schweizer Konto

Die Schweizer Justiz beschäftigt sich mit einem Fall von Korruption in Brasilien. swissinfo.ch

Ein Korruptions-Skandal wirft in Brasilien hohe Wellen und zieht Kreise bis in die Schweiz. Millionen von veruntreuten US-Dollar wurden auf einem Genfer Bankkonto gefunden. Die Schweiz hat einem brasilianischen Rechtshilfegesuch stattgegeben.

Dieser Inhalt wurde am 19. Juli 2000 - 10:41 publiziert

Das Eidgenössische Justizdepartement (EJPD) bestätigte gegenüber swissinfo, dass Brasilien bereits im Januar ein Rechtshilfegesuch an die Schweiz gerichtet hat. Nach abgeschlossenen Überprüfungen wurde das Dossier nun dem Genfer Staatsanwalt übergeben.

Das EJPD bestätigte ebenfalls brasilianische Presseberichte, wonach es sich um ein Konto der Bank Santander in Genf handelt. Auf dem Konto befänden sich ungefähr 6,8 Mio. US Dollars.

Hauptfigur in der Affäre ist Nicolau dos Santos Neto, der ehemalige Präsident des Arbeitsgerichtes von Sao Paolo. Beim Bau eines neuen Gerichtsgebäudes verschwanden mehr als zwei Drittel der budgetierten 80 Mio. US Dollar. Ans Tageslicht kam der Fall wegen einer Kampfscheidung in der Familie des ehemaligen Richters.

Der Skandal führte in Brasilien zur Einsetzung einer Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) und zu Untersuchungen der Bundespolizei.

Das veruntreute Geld wurde mit Hilfe von Briefkastenfirmen abgezweigt und zum Teil in der Schweiz deponiert. Neben den 6,8 Mio. US Dollar in der Schweiz fanden Ermittler über 37 Mio. Dollar auf Bankkonten in Paraguay und Panama. Möglicherweise existieren noch weitere Konten. Der verdächtige Richter ist untergetaucht und zur Fahndung ausgeschrieben.

In der brasilianischen Presse wirbelt diese Geschichte viel Staub auf und kostete bereits einen dem beschuldigten Richter nahestehenden Senator das Mandat. Auch ein ehemaliger Staatssekretär, seit langem persönlicher Freund des amtierenden Präsidenten Cardoso, sei in den Skandal verwickelt.

Im Moment ist man in Brasilien bemüht, mögliche Verbindungen des Präsidenten mit dem Skandal herunterzuspielen. Am Dienstag verkündete das Staatsoberhaupt, es handle sich nicht um eine politische Affäre.

Claudinê Gonçalves

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