Von Verbänden, Sternen und Mützen

"Krieg der Sterne" - Kochmützen statt Sterne für Kleinhotels swissinfo.ch

Kleine Hotels konnten sich bisher die Klassifizierung mit den Sternen vom Hotel-Verband nicht leisten. Jetzt will dieser Kleinbetrieben Kochmützen verleihen.

Dieser Inhalt wurde am 10. März 2005 - 16:29 publiziert

Seit längerem tobt in der Schweiz der "Krieg der Hotel-Sterne". Den Gästen ist mit dem Verbands-Streit nicht gedient.

Eigentlich ist alles ganz einfach: Hotels können bis zu fünf Sterne haben. Je mehr Sterne, desto mehr Komfort und desto teurer. Vergeben werden die Sterne seit 1979 vom Verband der Schweizer Hoteliers, hotelleriesuisse. "Die Sterne sind auf der ganzen Welt bekannt", sagt hotelleriesuisse-Sprecherin Isabel Garcia.

Bis vor einem Jahr musste, wer Sterne wollte, Mitglied beim Hotelverband sein. "Insgesamt kann für ein grosses Hotel eine Mitgliedschaft in unserem Verband einige Tausend Franken kosten."

Teurer Griff zu den Sternen

Das war und ist für viele kleine Betriebe, beispielsweise Restaurants mit wenigen angegliederten Zimmern, zu viel Geld. Sie sind auch nicht im Hotel-Verband organisiert, sondern beim Wirte-Verband Gastrosuisse.

Im vergangenen Herbst hatte Gastrosuisse kurzerhand ein eigenes Klassifizierungssystem angekündigt und wollte seinen Mitgliedern ebenfalls Sterne verteilen.

Krieg der Sterne im Bergland

Als "Krieg der Sterne" machte der Konflikt darauf hin in den Schweizer Medien Schlagzeilen. Lange konnte das nicht gut gehen. Franz Steinegger, Präsident des Schweizerischen Tourismusverbandes, rief nach einem einheitlichen System. "Den Gast interessiert es nicht, wenn die beiden Verbände zusammen Krieg führen. Es braucht eine klare Aussage, welchen Qualitätsstandard man von den Sternen erwarten kann."

Sterne als Kernkompetenz

Für Branchenkenner war klar: Der Hotel-Verband sah seine Kernkompetenz, die Vergabe der Sterne, bedroht und musste reagieren. Er tat dies mit einem Angebot, das auch als Friedensangebot an Gastrosuisse gelesen werden kann: Der Verband lanciert neu die massgeschneiderte Kategorie "Gastrotel" für Kleinhotels respektive Gasthäuser mit Übernachtungs-Möglichkeit mit weniger als 15 Zimmern.

Im Gegensatz zu den Hotels steht hier die Bewertung der Küche im Vordergrund. Und statt den bekannten Sternen gibt es Kochmützen. "Bis Ende April erhalten alle 1900 Kleinhotels in der Schweiz eine Offerte, sich als Gastrotel zu klassifizieren", sagte Riet Frey von hotelleriesuisse. Die Kochmützen gibt es zum Schnäppchenpreis von 375 Franken für drei Jahre.

Kochmützen ohne Nutzen

Wenig erfreut über die neuen Kochmützen ist man bei der Marketing-Institution Schweiz Tourismus. "Der Gast müsste im Zentrum stehen, serviert wird ihm aber nur ein Sternen-Salat", kritisiert Sprecherin Daniela Bär. "Das ist definitiv nicht mehr überschaubar."

"Wir haben etwas bewegt", freut sich hingegen Florian Hew, Direktor von Gastrosuisse, "Unsere Idee einer Klassifikation für Kleinbetriebe entspricht offenbar einem Bedürfnis. Das wurde bestätigt."

Das eigene System ist damit aber noch nicht vom Tisch, wie Hew erklärt: "Unsere Projektarbeiten schreiten fort. Wir werden das neue Modell nun in Ruhe prüfen. Es wird sich weisen, ob die Zielsetzungen übereinstimmen." Die Verantwortlichen von Gastrosuisse betonen weiter hartnäckig, dass ihre Idee mit den eigenen Sternen noch nicht gestorben sei.

Gäste statt Verbände sollen bewerten

Ganz andere Wege geht Schweiz Tourismus, wo ein neues Projekt vorbereitet wird: Die Gäste sollen nach ihrem Aufenthalt ein Hotel im Internet bewerten. "Die Sterne bewerten die Hardware eines Hotels", sagt Sprecherin Bär, "neu würden Soft-Faktoren wie Freundlichkeit einfliessen." Sie verweist auf eine deutsche Site, wo Hotelgäste teils dezidiert ihrer Meinung kund tun.

"Solche Bewertungen sind eine wichtige Ergänzung zu den Sternen", erklärt Bär. "So kann der Gast das Hotel wie ein Käufer bei Ebay den Verkäufer beurteilen."

swissinfo, Philippe Kropf

In Kürze

Der Hotelverband vergibt in der Schweiz seit 1979 bis zu fünf Sterne an Hotels.

Diese Klassifizierung wurde vom Wirte-Verband im vergangenen Herbst in Frage gestellt: Er wollte auch Sterne vergeben.

Insbesondere Gastro-Betriebe mit angegliederten Zimmern konnten keine Klassifizierung beim Hotel-Verband beantragen.

Der Hotel-Verband unterbreitete diesen Betrieben jetzt ein Angebot für eine neue Klassifizierung, das "Gastrotel", mit Kochmützen statt Sternen.

Der Streit zwischen den Verbänden machte als "Krieg der Sterne" Schlagzeilen in der Schweizer Presse.

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