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Vorabklärung gegen Erb AG eingeleitet

Wo alles anfing: Der Firmensitz der Erb AG in Winterthur.

(swissinfo.ch)

Die Ermittlungen des Zürcher Staatsanwaltes Christian Weber betreffen mögliche Delikte wie Urkunden- oder Bilanzfälschung sowie Kreditgewährung unter falschen Angaben.

Über den Verbleib von 400 Mio. Franken konnte Firmenerbe Christian Erb keine Angaben machen.

Die für Wirtschaftsdelikte zuständige Bezirksanwaltschaft (Staatsanwaltschaft) III für den Kanton Zürich (BAK III) werde prüfen, ob sich Verdachtsmomente erhärten lassen, sagte deren Leiter Christian Weber am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Er eröffnete das Vorabklärungsverfahren auf Grund seiner bisherigen Kenntnisse des Falles.

Er habe Erb-Konzernchef und -Sanierer Hans Ziegler kontaktiert und Unterlagen angefordert, um sie auf strafrelevante Fakten zu untersuchen. Bei den möglichen Strafhandlungen wie Urkunden- oder Bilanzfälschung sowie Kreditgewährung unter falschen Angaben handelt es sich um Offizialdelikte. Für Untersuchungen bedarf es demnach keiner Anzeige.

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Stefan Holenstein, der Generalsekretär der Erb-Gruppe, wollte sich auf Anfrage vorerst nicht dazu äussern. Er erinnerte daran, dass für die im Autohandel tätige Herfina AG und die im Kaffeehandel aktive Unifina Holding die provisorische Nachlassstundung bereits Ende letzter Woche gewährt worden sei.

Für die Baufirmen-Holding Uniwood werde die Bewilligung diese Woche erwartet. Zu Sachwaltern bestellt wurden die Anwaltskanzlei Wenger Plattner in Küsnacht (ZH) sowie die Rechtsanwälte Hans Ulrich Hardmeier und Michael Werder. Die Uniinvest Holding geht konkurs.

Kredite mit falschen Zahlen erhalten?

Der Sanierer Hans Ziegler sagte vergangenen Freitag, es seien Bankkredite zweckentfremdet worden. Statt ins operative Geschäft, flossen die Gelder in Milliardenhöhe in die marode Kölner Immobilienfirma CBB. In der Sonntagspresse hatte Ziegler den Verdacht wiederholt, die Banken seien getäuscht worden.

Keine Spur von 400 Mio.

Bei der Untersuchung der BAK III dürfte es auch um die Frage gehen, wohin rund 400 Millionen Franken verschwunden sind. Diese waren als Teil von insgesamt 2,5 Milliarden Franken an Mitteln aus der Schweiz in stark defizitäre Beteiligungen wie CBB sowie die Londoner Finanzgesellschaft EBC Asset Management gesteckt worden.

Christian Erb, Sohn des im Juli verstorbenen Firmengründers Hugo Erb, wies in einem Interview des SF-DRS-Informationsmagazins "10vor10" den Vorwurf zurück, er und sein Bruder Rolf hätten Geld unterschlagen. Er selber könne sich die Differenz von 400 Millionen Franken nicht erklären.

Nach dem Tod des Vaters hätten sich sein Bruder und er nochmals für Riesenbeträge verschuldet, indem sie dafür gebürgt hätten. Dieser Betrag für die Bürgschaft sei fast so hoch wie die fraglichen 400 Millionen Franken, sagte er, ohne eine genaue Zahl zu nennen.

EBC widerspricht

Ziegler hatte die EBC London als "schwarzes Loch" bezeichnet. In einer Mitteilung vom Montagabend wehrte sich die Finanzgesellschaft, an der die Erb-Gruppe 49% hält, gegen die Darstellung Zieglers. Diese seien "unverständlich und irreführend". Die EBC London könne jeden einzelnen Betrag belegen, der im Auftrag der Erb-Gruppe über die Gesellschaft gelaufen sei, hiess es.

Seit 1994 seien insgesamt 914 Millionen Franken von der Erb-Gruppe überwiesen worden, die gemäss Aufträgen zum Teil an die CBB weitergeleitet worden seien. Über die EBC-Tochter in Jersey hiess es, über sie seien keine nennenswerten Zahlungen im Zusammenhang mit der Erb-Gruppe geflossen.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Schulden: 2,5 Mrd. Franken
Gläubiger-Banken: 82, darunter Credit Suisse, UBS, 6 Kantonalbanken, Hypovereinsbank, WestLB, Commerzbank
Grösste Schweizer Firmenpleite seit Swissair
Der Verbleib von 400 Mio. Franken ist unklar

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In Kürze

Die Winterthurer Erb-Gruppe umfasst 85 Unternehmen und beschäftigt weltweit 4900 Angestellte, 2500 davon in der Schweiz.

Die Herfina AG (Autohandel) und Unifina Holding (Kaffeehandel) sind im provisorischen Nachlass. Für die Uniwood-Holding (Baufirmen) gibt es einen entsprechenden Antrag.

Die Uniinvest, die Finanz-Holding der Erb-Gruppe, ist konkurs.

Im Jahr 2002 lag der Umsatz der Gruppe bei 4,46 Mrd. Franken. Heute ist die Gruppe mit 2,5 Mrd. Franken verschuldet. Insgesamt 82 Banken aus der Schweiz und Deutschland gaben der Gruppe Kredite.

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