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Vulkanasche: Auch Schweiz schliesst ihren Luftraum

Kilometerhoher Ascheauswurf des Vulkans beim Eyjafjalla-Gletscher auf Island.

(AFP)

Das Chaos im Luftverkehr weitet sich aus. Nun musste auch die Schweiz ihern Luftraum schliessen. An immer mehr europäischen Flughäfen lief wegen der Vulkanasche aus Island nichts mehr. Am Freitag fielen 60% aller Flüge in Europa aus.

Der Schweizer Luftraum wird wegen der Lavaasche-Wolke aus Island ab Mitternacht gesperrt, wenn die Wolke in der Schweiz erwartet wird.

Das Flugverbot gilt vorläufig bis am Samstag um 9 Uhr, wie das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) mitteilte.

Ausgenommen vom Flugverbot sind ausschliesslich Such-
und Rettungsflüge.

Die Wolke werde mindestens noch für die nächsten 24 Stunden den Flugverkehr lähmen, teilte die Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel mit.

Betroffen vom Vulkanausbruch auf Island waren am Freitag auch die Schweizer Flughäfen: Allein die Fluggesellschaft Swiss strich am Freitagmorgen 120 von rund 400 Flügen von und nach Zürich, Genf und Basel.

Auf dem Flughafen Zürich waren am Freitagmorgen bereits 158 Flüge annulliert, wie Sprecherin Sonja Zöchling sagte. Diese Zahl werde sich während des Tages voraussichtlich noch erhöhen. Betroffen sind wie am Vortag alle Destinationen nördlich einer Linie von Paris bis Frankfurt.

Passagieren, die für Freitag einen Flug geplant hatten, wurde empfohlen, sich mit ihrer Airline in Verbindung setzen und nicht zum Flughafen fahren. Diesen Rat schienen viele Passagiere zu beherzigen. Am Flughafen Zürich gab es am Morgen fast keine gestrandeten Fluggäste.

Reisende, deren Flug am Freitag annulliert wurde, erhalten von der Swiss gratis eine andere Reservation bis am 31. Mai, wie der Sprecher der Airline, Jean-Claude Donzel, ausführte. Wer seinen Flug nur annullieren will, erhält das Geld zurück gemäss den Konditionen auf dem Ticket.

Auch auf dem Flughafen Genf wurden alle Flüge nach Grossbritannien, aber auch nach Paris, Amsterdam, Frankfurt und Brüssel annulliert. Auch auf dem Euro Airport Basel wurden Flüge gestrichen.

In zahlreichen Ländern versuchen gestrandete Flugpassagiere nun, auf die Bahn umzusteigen. Die Schweizerischen Bundesbahnen verzeichnen seit Donnerstag verstärkt Reservationen nach Paris, London und Deutschland.

Fliegen unmöglich

Lavaasche ist gefährlich für Düsentriebwerke und die Aussenhaut der Flugzeuge. Sie beeinträchtigt ausserdem die Sicht. Deshalb mussten rund ein Viertel der etwa 28'000 Verbindungen in Europa abgesagt werden, wie die Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel mitteilte.

"Es ist das erste Mal in der europäischen Luftfahrtgeschichte, dass wir mit einem solchen Phänomen umgehen müssen", sagte einer der Leiter der Behörde, Brian Flynn.

Nichts geht mehr

In Deutschland wurde am Freitagmorgen der gesamte Flugverkehr auf dem grössten Flughafen in Frankfurt unterbrochen. Die Flughäfen in Berlin, Hamburg, Hannover, Düsseldorf, Köln-Bonn und Münster- Osnabrück waren ebenfalls bis auf weiteres geschlossen.

Auch in Grossbritannien, Frankreich, Belgien und den Niederlanden sassen Tausende an den Flughäfen fest – nachdem sie teils bereits eine Nacht auf Feldbetten in den Wartehallen zugebracht hatten.

Polen schloss seinen Luftraum am Morgen ebenfalls weitgehend, nur die Flughäfen Krakau und Rzeszow im Süden des Landes blieben noch offen. Der Flugverkehr über Grossbritannien bleibt bis mindestens 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit am Samstagmorgen stillgelegt.

Auch Nachbar Österreich macht dicht

Die riesige Aschewolke bringt ab Freitagnachmittag auch den Flugbetrieb in Österreich zum Erliegen. Laut der Luftfahrtbehörde Austro Control werden die Flughäfen nach und nach geschlossen. Zuerst betroffen sind Salzburg, Linz und Wien.

Der norwegische Flughafenbetreiber Avinor kündigte unterdessen an, dass der Flugbetrieb im Norden des Landes um 9 Uhr wieder aufgenommen wurde. Auch Schweden will seinen Luftraum am Freitag teilweise wieder öffnen.

Reiseprobleme hatte auch so mancher Spitzenpolitiker. Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg landete am Freitag nach einem Besuch in den USA in Madrid statt in Oslo. Die Entfernung zwischen den Hauptstädten Spaniens und Norwegens beträgt 3000 Kilometer.

Von den normalerweise 300 Transatlantikflügen, die vormittags in Europa landen, kommt am Freitag laut Eurocontrol nur etwa ein Drittel an. Insgesamt zählt Europa täglich 600 Flüge von und nach Amerika.

Luftverkehr in Island nicht betroffen

Nicht beeinträchtigt war der Luftverkehr am Donnerstag auf Island selbst, der Wind blies die Asche von der Insel weg.

Jedoch mussten die isländischen Behörden bis zu 800 Menschen in Sicherheit bringen, nachdem die Lava Teile des Gletschers zum Abschmelzen gebracht hatte. Fast alle konnten in der Nacht zum Freitag wieder in ihre Häuser im südlichen Island zurückkehren.

Am Donnerstag stiess der Vulkan mit unverminderter Stärke eine Säule aus Rauch und Asche in den Himmel auf. Sie erreichte eine Höhe von elf Kilometern. Der Wind trieb sie wie am Vortag in östlicher Richtung auf den europäischen Kontinent zu.

Über die mögliche Dauer der Probleme sagte die Sprecherin der isländischen Luftfahrtbehörde, Hjördis Gudmundsdóttir, in Reykjavik: "Das wissen nur die Wettergötter. Es kann ein paar Tage dauern, aber auch ein paar Jahre."

swissinfo.ch und Agenturen

Asche kommt in die Schweiz

Die Asche des isländischen Vulkans könnte die Schweiz
in der Nacht auf Samstag erreichen.

Nach Modellrechnungen von
Meteo Schweiz zieht die riesige Wolke über die Benelux-Staaten und
Mitteldeutschland und erreicht gegen Mitternacht den Jura.

Bis dahin dürfte die Asche in der Luft aber schon sehr stark verdünnt und in Wolken gebunden sein.

Ob die Vulkanasche den Flugverkehr im Schweizer Luftraum beeinträchtigen wird, konnte Meteorologe Felix Schacher nicht sagen.

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Vulkanausbruch

Der Vulkan ohne Namen liegt unter dem Eyjafjalla-
Gletscher in Island.

Er war am Mittwoch ausgebrochen und stösst seit zwei Tagen eine riesige Wolke aus Rauch und Asche in die Atmosphäre.

Diese wurde zeitweise bis 11 Kilometer hoch.

Die Gefahr akuter Überschwemmungen durch geschmolzenes Gletschereis sei vorerst gebannt, hiess es am Freitag.

Experten gehen davon aus, dass sich die Aktivität des liegenden Vulkans in den kommenden Tagen abschwächen werden.

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Eurocontrol

Als Oberaufseher für den gesamten europäischen Himmel ist Eurocontrol für die effiziente Koordinierung und Sicherheit im Flugverkehr zuständig.

Gegründet wurde die Behörde 1960 von 6 europäischen Staaten.

Heute gehören Eurocontrol, dessen Hauptsitz in Brüssel ist, 38 Mitglieder an.

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