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WEF: Forum im Kreuzfeuer

(Keystone)

Was ist das WEF? Der exklusive Privatclub globaler Wirtschaftsführer oder eine weltweit einzigartige Veranstaltung, um demokratisch über Vor- und Nachteile der wachsenden Globalisierung zu diskutieren? Das WEF polarisiert, seit es vor dreissig Jahren vom Genfer Wirtschaftsprofessor Klaus Schwab ins Leben gerufen wurde.

Im Januar 1971 fand die erste Veranstaltung des World Ecomomic Forum, kurz WEF, statt. Klaus Schwab, damals 32 Jahre alt, lud führende europäische Manager nach Davos ein. Sie sollten über eine gemeinsame Strategie nachdenken, wie mit den grossen Veränderungen in der Weltwirtschaft umgegangen werden müsste. Das Treffen war ein Erfolg. Wenig später wurde aus dem "Davoser Management Forum" mit rund 400 Teilnehmern die gemeinnützige Stiftung mit dem Namen WEF.

Das Finanzvolumen, das die Stiftung gegenwärtig umsetzt, beträgt mehr als 42 Mio. Franken. Die Stiftung zählt über 1'000 internationale Unternehmen. Neue Mitglieder müssen eine Umsatzgrösse von mindestens einer Milliarde Dollar vorweisen können.

Das WEF ist von Jahr zu Jahr politischer geworden und hat sich schliesslich zum globalen Treffen von Politik und Wirtschaft entwickelt. Jährlich werden 2'000 bis 3'000 Teilnehmer und Teilnehmerinnen erwartet - darunter Staats- und Regierungschefs sowie führende Wirtschaftsleute.

Ziel des WEF ist es, eine "bessere" Welt zu schaffen. Die sich rasant ausbreitende Globalisierung, die rasch wachsende Informations- bzw. Biotechnologie und die zunehmend weltweit tätigen Unternehmen haben neue Möglichkeiten geschaffen, aber auch viele Probleme, die nur noch auf globaler Ebene behandelt werden können. Das WEF bietet eine Plattform, um diese Probleme zu erörtern.

Der Erfolg des WEF basiert auf einem hervorragenden Netzwerk sowie auf dessen Geschlossenheit; die Öffentlichkeit ist zu den Veranstaltungen und Vorträgen nicht eingeladen, so dass hochrangige Politiker und Wirtschaftsführer den informellen Austausch pflegen können. Das WEF versteht sich explizit als Diskussionsforum, Entscheidungen werden keine gefällt.

Trotz des wirtschaftlichen Charakters des WEF sind es vor allem politische Höhepunkte, die den Ruhm des Forums ausmachen. Der ehemalige deutsche Aussenminister Hans-Dietrich Genscher hielt in Davos jene historische Rede, in der er zur Zusammenarbeit mit dem damals neuen sowjetischen Parteichef Michael Gorbatschow aufrief. Er markierte damit das Ende des Kalten Krieges. Nelson Mandela und Frederik de Klerk traten im bündnerischen Kurort zum ersten Mal gemeinsam auf. Die verfeindeten Ministerpräsidenten Griechenlands und der Türkei reichten sich 1988 die Hände und Shimon Peres einigte sich mit Yassir Arafat über eine Teilautonomie Palästinas. Der "Geist von Davos" räumt - so scheint es - alle Hindernisse aus dem Weg.

Dennoch ist die Zukunft des Forums ungewiss. Der Höhepunkt scheint letztes Jahr mit dem Besuch Bill Clintons erreicht zu sein; es war der erste Besuch eines amtierenden amerikanischen Präsidenten. Die Welt ist nicht besser geworden, die Globalisierung nicht kontrollierbarer. Die WEF-Gegner werden immer zahlreicher und lauter. So kritisieren Nicht-Regierungsorganisationen sowie Entwicklungs- und Umweltschutzorganisationen die einseitige Machtballung am WEF. Die Anti-WEF-Demonstrationen werden stets gewaltätiger; noch nie war das Sicherheitsdispositiv so umfassend wie dieses Jahr und die Furcht vor einem "Seattle II" realistischer.

Carole Gürtler

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