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Wenn Kosmetik zur Entwicklungshilfe wird

Die grosse Chance: In Ouagadougou eine Lehre machen. Christa Wüthrich

Mit Hilfe einer Schweizer Expertin werden in Ouagadougou junge Frauen zu Maskenbildnerinnen ausgebildet. Berücksichtigt werden dabei Mädchen aus den ärmsten Familien. Die Berufslehre ermöglicht ihnen den Schritt in ein eigenständiges Erwerbsleben.

Dieser Inhalt wurde am 05. Oktober 2010 - 13:45 publiziert
Christa Wüthrich, Ouagadougou, Burkina Faso, swissinfo.ch

Ouagadougou gilt als eine der Film-Metropolen des afrikanischen Kontinents. Hier werden Filme produziert und alle zwei Jahre findet in der Hauptstadt das internationale Filmfestival FESPACO statt.

Doch bis anhin wurden die Maskenbildnerinnen für die Filmproduktionen aus dem Ausland eingeflogen. In Burkina Faso selbst gab es keine ausgebildeten Makeup-Profis. Diese Marktlücke zu schließen, setzte sich Safi Ouattara Diallo, Besitzerin der Schneiderinnenschule NAS-Mode in Ouagadougou zum Ziel.

"Mode und Kosmetik ergänzen sich ideal. Ich wollte meine Schneiderschule um den Bereich Kosmetik und Maskenbild erweitern. Im ganzen Land gab es aber niemanden, der Maskenbildnerinnen hätte ausbilden können“.

Die 40 jährige Burkinabé bat Swisscontact um Hilfe. Die Entwicklungsorganisation der Schweizer Wirtschaft vermittelt weltweit Berufsexperten, die Ausbildungen in Osteuropa und Entwicklungs-Ländern unterstützen und optimieren.

Schweizer Expertin für Burkina Faso

Im Herbst 2008 reiste Bea Petri, Maskenbildnerin aus Zürich, im Auftrag von Swisscontact für einen vierwöchigen Einsatz erstmals nach Ouagadougou - mit einem Koffer voller Material und ohne Vorahnung, was sie erwartet.

"An Grundwissen war bei den Schülerinnen kaum etwas vorhanden. Im Vordergrund stand darum nicht die Ausbildung zur Maskenbildnerin, sondern nur einfache Kosmetikanwendungen: Gesichtspflege, Makeup, Maniküre,“ erinnert sich die 55-jährige Schweizerin.

Doch in den vier Wochen entwickelte sich nicht nur eine enorme Lernbereitschaft bei den Schülerinnen, sondern auch eine tiefe Freundschaft zwischen Bea Petri und Safi Ouattara Diallo. Um ein gemeinsames Ausbildungsprojekt für Kosmetik und Maske zu realisieren, gründeten die beiden Frauen kurzerhand das Unternehmen Nas Mode Esthétique.

Austausch

Bea Petri reist nun jedes Jahr für einige Wochen nach Ouagadougou, um sich um die Ausbildung und Weiterbildung der Lehrerinnen und Schülerinnen zu kümmern. Die Klassenbesten werden zusätzlich als Maskenbildnerinnen geschult. Im Gegenzug verbringt Safi Ouattara Diallo im Frühling jeweils einen Monat in der Schweiz, um in der "Schminkbar“ ihrer Geschäftspartnerin in Zürich die neusten Kosmetik- und Maskentrends zu entdecken.

Für rund ein Dutzend Mädchen aus armen, bildungsfernen Familien übernimmt der von Bea Petri in der Schweiz gegründete "Förderverein NAS Mode“ die Schulkosten. "Die Chance, in der Hauptstadt eine Lehre zu absolvieren, hätte ich mir nie erträumen lassen“, gesteht Evrad Nadège, eine der finanziell unterstützen Schülerinnen. "Es ist als ob du neu auf die Welt kommst“.

Werbespot statt Lohn

Die Jobchancen nach der zweijährigen Ausbildung zur Kosmetikerin stehen gut. Eine Ausgangssituation, die in Burkina Faso Seltenheitswert hat. Etwa 70 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung sind arbeitslos. Rund die Hälfte der 15 Millionen Menschen lebt unter der Armutsgrenze. Als Kosmetikerin haben die jungen Frauen eine reelle Chance ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen.

An die 80% der Schulabgängerinnen finden nach Abschluss der Lehre eine Arbeit oder machen sich selbstständig. Die zwei ersten ausgebildeten Maskenbildnerinnen sind bereits ausgelastet. Sie arbeiten an der Kosmetikschule als Lehrerinnen und kümmern sich beim nationalen Fernsehsender um den tadellosen Auftritt der Moderatoren. Der Sender bezahlt keinen Lohn, sondern strahlt dafür Werbespots für die Schule aus.

Die Antwort auf die Kritik

"Sobald wir auf ein Team von Maskenbildnerinnen zurückgreifen können, werden wir auch in der Filmproduktion unsere Aufträge akquirieren“, sind sich Petri und Ouattara einig.

Das Ausbildungsprojekt wirft jedoch auch Fragen auf und lässt Kritik aufkommen. Was nützen Lidschatten und Wangenrouge, wenn Menschen weder Essen noch Arbeit haben? Würde man nicht besser das Geld für ein bodenständig-erprobtes Projekt einsetzten? Schönsein macht nicht satt. Bauern hat noch nie geschadet.

"Fachleute für Maske, Kosmetik, aber auch Styling und Kostüm sind in Ouagadougou mit seinen Film- und Showproduktionen gefragt. Und genau dieser Nachfrage werden wir gerecht“, betonen die zwei Unternehmerinnen. Bis 2013 sollen die heutigen Schulräume durch ein modernes Ausbildungscenter und Internat ersetzt werden.

Swisscontact

Swisscontact ist die Entwicklungsorganisation der Schweizer Wirtschaft. Sie wurde 1959 als Stiftung gegründet.

Durch Beratung, Aus- und Weiterbildung unterstützt Swisscontact Entwicklungsländer und Staaten in Osteuropa auf dem Weg zu privatwirtschaftlichem und sozialem Fortschritt.

Im Einsatz der politisch und konfessionell neutralen Stiftung stehen weltweit knapp 500 Mitarbeiter, davon arbeiten knapp 30 Personen in der Schweizer Geschäftsstelle in Zürich.

Ergänzt wird Swisscontact durch den Senior Expert Corps. Dieser Pool besteht aus rund 600 meist pensionierten Fachleuten, die pro Jahr insgesamt zwischen 110 bis 150 ehrenamtliche Beratungseinsätze leisten.

Durch die damit optimierte Aus- und Weiterbildung sollen die Menschen in den ärmsten Ländern ihre Lebensqualität eigenverantwortlich verbessern können.

Die Hilfe zur Selbsthilfe steht bei den Experteneinsätzen im Mittelpunkt. Seit der Schaffung des Senior Expert Corps im Jahre 1979 wurden in 60 Ländern über 2000 Einsätze durchgeführt.

Swisscontact verfügte 2009 über ein Budget von rund 47 Millionen Franken. Finanziert wird die Organisation durch den Bund, die Glückskette sowie diverse Auftraggeber und Spender.

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