Wirtschaft: Vorübergehende Abkühlung

Schweizer Konjunktur: Sehr abhängig von der weltweiten Wirtschaftsentwicklung. Kühne + Nagel

Die Schweizer Wirtschaft ist im vierten Quartal 2004 nach fünf positiven Quartalen in Folge überraschend wieder geschrumpft.

Dieser Inhalt wurde am 03. März 2005 - 08:12 publiziert

Laut den Konjunktur-Experten des Bundes ist das aber nicht der Beginn einer Tendenzwende nach unten.

Die Antriebskräfte der Ausfuhren haben sich im Jahresverlauf abgeschwächt. Mit anderen Worten liess die Weltkonjunktur nach, weshalb die Exporte im 4. Quartal 2004 die verhaltene Entwicklung der Inlandnachfrage nicht kompensieren konnten.

Denn im Inland wuchs der Konsum der Privaten wie des Staates noch leicht, aber die Investitionen wiesen negative Veränderungsraten auf.

Gemäss der Erhebung des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco) nahm das Bruttoinlandprodukt (BIP) im Schlussquartal 2004 gegenüber dem Vorquartal um 0,1% ab.

Gegenüber dem Vorjahresquartal hingegen stieg das reale, das heisst inflationsbereinigte BIP um 1,2%.

Es dürfte sich beim überraschenden BIP-Rückgang des 4. gegenüber dem 3. Quartal 2004 lediglich um eine "temporäre Wachstumspause" handeln, schreibt das seco am Donnerstag.

Ökonomen hatten dagegen ein BIP-Wachstum von 0,3 bis 0,5% erwartet.

Ganzes Jahr 2004: +1,7%

Für das ganze Jahr 2004 ergab sich damit ein Wirtschafts-Wachstum von 1,7%, nach einem Minus von 0,4% im Jahr 2003.

Die weitere Wirtschaftsentwicklung hänge stark davon ab, wie sich die Konjunktur im Euroraum entwickle, so das seco weiter. Im Euroraum geriet die Erholung ins Stocken.

"Die BIP-Abschwächung in der Schweiz ist angesichts der Entwicklung in der Eurozone keine Überraschung", befindet Volkswirtschafts-Analyst Stephen Webster von 4Cast. Er leitet daraus ab, dass die Nationalbank Mitte März die Zinsvorgaben kaum erhöhen werde.

Laut seco zeigten die Frühindikatoren des Euroraums Anfang 2005 noch keine eindeutigen Aufhellungstendenzen.

Auch die Auswirkung der Dollarschwäche dürfe nicht unterschätzt werden. Sehr negativ wäre ein weiterer starker Dollarzerfall, so das seco. Dieser dürfte allerdings durch dann zu erwartende Gegenmassnahmen ausländischer Zentralbanken begrenzt werden.

Im Inland stehe seitens der konjunkturellen Rahmenbedingungen einer Nachfrage-Belebung nichts im Wege. Die Zinsen seien tief und Kapazitätsengpässe seien keine vorhanden.

Hoher Ölpreis macht sich bemerkbar

Der private Konsum wuchs im 4. Quartal 2004 gegenüber dem Vorquartal um 0,2%, was vor allem auf die Rubrik Verkehr zurückzuführen war. Andere Konsumausgaben wiesen dagegen eine rückläufige Entwicklung auf.

Der hohe Ölpreis macht sich auch in der allgemeinen Teuerung bemerkbar. Auch im Februar 2005 entfiel ein hoher Anteil der Teuerung auf Erdöl. Die Jahresteuerung stieg im Februar auf 1,4%, von 1,2% im Vormonat. Laut Statistischem Bundesamt vom Donnerstag stieg das Preisniveau gegenüber dem Vormonat um 0,2%. Der Landesindex der Konsumentenpreise erreichte 103,9 Punkte.

Bei den Investitionen, die im 4. Quartal insgesamt um 1,5% zurückgingen, wies der Bau gar ein Minus von 2,2% auf. Volkswirtschafts-Analyst Roland Kläger von Credit Suisse bezeichnete das Minus im Bau als "enttäuschend". Die Ausrüstungs-Investitionen sanken um 0,9%.

Das Wachstum der Exporte schwächte sich von 1,1% im dritten Jahresviertel auf 0,4% ab. Dabei gingen die Dienstleistungs-Exporte um 1,5% zurück, während die Warenexporte noch um 1,2% stiegen. Laut seco zeigt sich hier, dass die Schweizer Ausfuhren stark auf die Währungsrelationen Dollar/Franken reagieren.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Das Schweizer BIP gab im 4. Quartal 2004 um 0,1% nach.
Der Privatkonsum wuchs um 0,2%.
Die Exporte nahmen um 0,4% zu.
Die Investitionen verminderten sich um 1,5%.
Die Importe gingen um 1,2% zurück.
Laut seco-Schätzungen dürfte das BIP im 2004 um 1,7% gewachsen sein.
Die seco-Prognosen für 2005 lauten: +1,5%.

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