Xstrata-Aktionäre stimmen für Fusion mit Glencore

Glencore in Zug und Xstrata in Baar Keystone

Die Aktionäre des Minenkonzerns Xstrata haben in Zug der Fusion mit dem Rohstoff-Giganten Glencore zugestimmt. Zur geplanten Fusion äussern müssen sich nun noch Wettbewerbsbehörden in mehreren Ländern.

Dieser Inhalt wurde am 20. November 2012 - 16:44 publiziert
swissinfo.ch und Agenturen,

Der Deal des Jahres in der Rohstoffbranche hat einen entscheidenden Schritt gemacht: Am Dienstag stimmten die Aktionäre des schweizerisch-britischen Bergbaukonzerns Xstrata dem rund 33 Mrd. US-Dollar schweren Übernahmeangebot des weltgrössten Rohstoffhändlers Glencore zu.

Ein umstrittenes Bonusprogramm für Xstrata-Manager von umgerechnet rund 216 Mio. Franken fand hingegen die notwendige Mehrheit der Stimmen nicht. Die Prämien hätten verhindern sollen, dass zu viele wichtige Manager das Unternehmen nach einer Übernahme durch Glencore fluchtartig verlassen könnten.

Für die Fusion hatten am Dienstagmorgen schon die Glencore-Aktionäre, ebenfalls in Zug, gestimmt. Die Xstrata-Aktionäre erhalten nun 3,05 Glencore-Aktien für einen Anteilschein. Ursprünglich bot Glencore nur 2,8 Aktien an, musste aber nachbessern.

Der Zusammenschluss der beiden in der Schweiz ansässigen und international tätigen Konzerne ist der grösste in der Branche seit 2007. Die Partner versprechen sich milliardenschwere Einsparungen sowie deutliche Wettbewerbsvorteile in der Förderung und dem Handel von Rohstoffen.

Glencore-Chef Ivan Glasenberg, die treibende Kraft hinter dem Fusionsplan, ist seinen Zielen einen Schritt nähergekommen. In der Förderung von Metallen wäre "Glencore Xstrata" das viertgrösste Unternehmen der Welt nach dem brasilianischen Bergbaukonzern Vale, der britisch-australischen BHP Billiton und der britisch-südafrikanischen Anglo-American-Gruppe. Der Megakonzern Glencore Xstrata würde an die 200 Mrd. Dollar Umsatz machen.

Die Spannung vor der Versammlung in Zug war gross, weil schon eine vergleichsweise kleine Zahl der Xstrata-Anteilseigner das Vorhaben hätte scheitern lassen können.

Xstrata-Grossaktionär Katar hatte seine Blockadehaltung aufgegeben, nachdem Glencore im September in letzter Minute seine Offerte erhöht hatte. Der Golfstaat galt mit seinem Aktienpaket von mehr als 12% als Zünglein an der Waage.

Glencore selbst besass zwar zuvor bereits 34% der Xstrata-Aktien, durfte aber nach britischem Recht bei der Aktionärsversammlung nicht mitstimmen. Deshalb hätte schon eine vergleichsweise geringe Anzahl von 16,48% der Aktionäre eine Übernahme verhindern können.

Manche Beobachter hatten auch im komplizierten Abstimmungssystem eine Gefahr gesehen.

"Weitere Fusionen wahrscheinlich"

Rohstoffhändler Joseph Di Virgilio, der umfangreiche Erfahrungen auf dem aufkeimenden Schweizer Markt hat, rechnet mit Nachahmer-Fusionen. "Ein Blick in die längerfristige Zukunft zeigt einen starken Rohstoffmarkt, angesichts des exponentiellen Wachstums der Erdbevölkerung und der in den Schwellenländern stetig wachsenden Märkte für Nahrung, Wasser, Rohstoffe und Energie", sagt er gegenüber swissinfo.ch.

"Das wird weitere Gesellschaften dazu veranlassen, ihre Marktanteile durch Akquisitionen und Fusionen zu vergrössern." Aber in gewissen Kreisen werden die Fusionen als Gefahr für Entwicklungsländer angesehen, weil sie das Potenzial haben, die Preise zu erhöhen.

Vielschichtige Kritik

Noch ist der Deal aber nicht sicher. Wettbewerbsbehörden in aller Welt müssen noch über den Zusammenschluss entscheiden.

Durch die Fusion könnte einer der mächtigsten Megakonzerne mit Kontrolle über grosse Teile der weltweiten Förderung und Vermarktung von Bodenschätzen und Agrarerzeugnissen entstehen.

Viele Rohstoff-Verarbeiter wie die Stahlindustrie laufen gegen den Zusammenschluss Sturm und hoffen auf das Veto von Wettbewerbsbehörden.

Die beiden Unternehmen waren auch in die Kritik von Nicht-Regierungsorganisationen geraten. Die Erklärung von Bern macht seit Jahren auf Umweltverschmutzungen und gefährliche Arbeitsbedingungen der beiden Giganten in Entwicklungsländern aufmerksam. Die Organisation beschuldigt das Zuger-Unternehmen Glencore zudem der aggressiven Steuerhinterziehung in armen Ländern.

Die Erklärung von Bern befürchtet, dass die fusionierte Glenstrata, welche gewisse Rohstoffmärkte monopolisieren werde, das Missbrauchsrisiko noch erhöhe.

"Die künftige Marktdominanz von Glencore und Xstrata bereitet auch den Verantwortlichen der deutschen Stahlindustrie Kopfzerbrechen. Sie haben Mitglieder des Europaparlaments auf ihre Bedenken hingewiesen", sagt Andreas Missbach, Sprecher der Erklärung von Bern gegenüber swissinfo.ch.

"Sowohl der Bergbau- wie der Rohstoffsektor werden von wenigen Playern dominiert. Der Einfluss dieser Oligopolisten auf die Rohstoffpreise muss sorgfältig beobachtet werden."

Weitere Hürden

Die EU will die Fusionspartner am Donnerstag über ihre Haltung informieren. Mitreden wird auch China, der grösste Abnehmer für Rohstoffe auf der Welt. Ferner betrachten auch die Wettbewerbsbehörden in den wichtigen Förderländern Australien und Südafrika den Plan.

Rohstoffhandel in der Schweiz

Schweizer Städte wie Winterthur, Basel, Luzern und Lausanne haben eine lange Tradition im Handel mit Rohstoffen wie Baumwolle oder Kaffee, besonders wegen der zentralen Lage der Schweiz in Europa.

1851 begannen die Brüder Salomon und Johann Georg Volkart in Winterthur, mit Baumwolle, Kaffee und Gewürzen zu handeln. 1857 eröffneten sie Niederlassungen in Indien und Sri Lanka.

In Basel war die Union Handels-Gesellschaft einer der ersten Kakaobohnen-Händler.

Nach den beiden Weltkriegen begannen Rohstoffhändler, die neutrale Schweiz als Sitz in Betracht zu ziehen, weil Wirtschaft und politische Struktur des Landes die Konflikte recht unbeschadet überstanden hatten.

Bereits in den 1920er-Jahren hatten sich erste Getreidegrosshändler in Genf niedergelassen. So war es US-Firmen auch während des Kalten Krieges möglich, mit Ostblockländern Geschäfte zu machen.

Als die Ölindustrie in den arabischen Ländern zu boomen begann, liessen sich zahlreiche Ölhändler in Genf nieder, was die Stadt zur beliebten Destination für Reisende aus dem Nahen Osten machte.

In den 1960er-Jahren folgten ihnen Baumwollhändler, die aus Ägypten geflohen waren.

1990 kamen die russischen Ölkonzerne in die Schweiz. So entstand der Rohstoff-Handelsplatz in Zug.

Zu den grössten Rohstoffhandels- und Bergbau-Konzernen mit Sitz in der Schweiz gehören Glencore, Xstrata, Trafigura, Vitol, Gunvor, Litasco, Mercuria, ADM, Bunge, Cargill, Dreyfus, Holcim und die Kolmar Group.

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