Gegen strikte Regeln für Banken

Patrick Odier am WEF in Davos. Keystone

Allzu strikte Regulierungen könnten eine Art Schatten-Banking zur Folge haben, das dann völlig ausserhalb der Reichweite der Kontrollorgane zu liegen käme, befürchtet Patrick Odier, Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung.

Dieser Inhalt wurde am 30. Januar 2010 - 10:44 publiziert

Vergangene Woche hat US-Präsident Barack Obama seine Vorschläge vorgestellt, wie das Bankenwesen künftig beaufsichtigt werden könnte.

Die so genannten Volcker-Regeln würden die einzelnen Geschäftsbereiche der Grossinstitute aufspalten, was die jeweiligen Volkswirtschaften und die Einlagen der Normalsparer besser schützen könnte.

Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos (WEF) warnte Patrick Odier in einem Gespräch mit swissinfo.ch davor, den Banken den Eigenhandel in gewissen Märkten zu verbieten. Das könnte zur Folge haben, dass gewisse Händler künftig solche Aktivitäten im Verborgenen weiterführen könnten.

Odier setzt sich auch für die grossen Banken ein – jene, die auch als "too big to fail" bezeichnet werden ("zu gross, um zu sterben"). Es seien gerade diese Banken, die die lebenswichtigen Finanzdienstleistungen anbieten, die über die jeweiligen Landesgrenzen hinausreichen.

swissinfo.ch: Was ist Ihre Meinung zu den Volcker-Regeln?

Patrick Odier: Die Vorschläge von Präsident Obama sind zwar sehr interessant. Doch einige wären bei ihrer praktischen Anwendung schlecht durchführbar.

Beispielsweise ein Verbot des Handels mit Finanzinstrumenten auf eigene Rechnung (Eigenhandel) oder ein Verbot des Engagements in Hedge Funds.

Wir müssen sicherstellen, dass der Eigenhandel nicht ins Zentrum der Aufmerksamkeit des Bankmanagements rückt. Indem die Banken mit ihren Dienstleistungen diversifizieren, stellen sie sicher, dass sie in schwierigen Zeiten nicht nur von einem einzigen Geschäftsfeld abhängen.

swissinfo.ch: Ist es denkbar, dass solche neuen Regeln zum Gegenteil von dem führen, was sie bezwecken?

P.O.: Werden die Regeln in einem Bereich zu spezifisch, wächst das Risiko, dass gewisse Akteure diesen Bereich verlassen und in noch nicht regulierte neue Bereiche vorstossen. Dort wäre dann eine Kontrolle der Aktivitäten noch viel schwieriger.

Wäre ich ein guter Trader mit Finanzinstrumenten und müsste feststellen, dass deren Handel innerhalb einer Bank immer schwieriger wird, würde ich mich einer neuen Institution anschliessen, die ausserhalb des bankregulatorischen Bereichs liegt. Dann könnte ich meine Handelsaktivitäten viel flexibler weiterpflegen.

swissinfo.ch: Eine der Konsequenzen einer solchen Aufsicht wäre das Aufbrechen der Grossbanken, die zu gross sind, um unterzugehen. Ist das ein Vorteil?

P.O.: Universalbanken haben dafür zu sorgen, dass Kredite auch über die Landesgrenzen hinaus zu haben sind, was wiederum die weltweiten Kapitalflüsse erleichtert.

Schweizer Banken haben das Prinzip des Universalbanking allgemein mit Erfolg praktiziert. Wir sollten dieses Geschäftsmodell weiterhin ermöglichen, solange dies durchführbar ist.

swissinfo.ch: Ist es denkbar, dass Auslandbanken in die Schweiz kommen, um den drakonischen Regeln in anderen Teilen der Welt zu entgehen?

P.O.: Ich glaube nicht, dass wir aus diesem Grund ausländische Institute anziehen würden. Wir würden aber die Bestqualifizierten unter ihnen anziehen, weil unsere Gesetze dann so viel moderner wären.

Ich bin überzeugt, dass eine strenge, kohärente und ausgewogene Gesetzgebung für das jeweilige Land ein Wettbewerbsvorteil ist.

Konzentrieren müssten wir uns auf die Eigenkapital-Vorschriften. Die 2008 in diesem Bereich eingeführten Schweizer Auflagen entsprechen einer weiteren Sicherheits-Massnahme innerhalb der Stabilisierung der Konjunkturzyklen. Diese zeigen klar in die richtige Richtung.

swissinfo.ch: Wie wichtig ist es, in der weltweiten Regulierung faire Wettbewerbsbedingungen zu haben?

P.O.: Die Regulatoren haben einen kohärenten internationalen Dialog aufgezogen. Nur braucht das natürlich seine Zeit. Da keine Bank benachteiligt werden möchte, erwarten alle grösseren Banken faire Wettbewerbsbedingungen in der Regulierung.

Wichtig ist der Umstand, dass die Überlegungen hinter den Eigenkapitalvorschriften in der Schweiz dieselben sind wie in allen anderen Ländern. Käme es zu einem Konkurs einer international operierenden Bank, brauchen wir einen Mechanismus, der sicherstellt, dass jedes Land einen fairen Anteil an Verantwortung übernimmt.

swissinfo.ch: In welcher Weise hilft das Weltwirtschaftsforum bei der Koordination der globalen Regulierung?

P.O.: Man muss einen Dialog mit Politikern aus verschiedenen Ländern aufbauen können. Weiter ist wichtig, dass diese Politiker begreifen, dass die Bankiers nicht zu schützen versuchen, was sie bislang getan haben. Schliesslich ist auch wichtig, dass die Bankiers hören, was die Öffentlichkeiten von ihnen hält.

Ich fürchte, die Öffentlichkeit ist sich sicher, dass die Banken nicht wissen, was sie tun – im Gegenteil, sie wissen das sehr gut. Nur müssten die Banken dies auch mitteilen, inklusive der Absicht, sich ändern zu wollen.

Matthew Allen, Davos, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Englischen: Alexander Künzle)

Patrick Odier

Patrick Odier ist Senior Partner vom Lombard Odier Darier Hentsch & Cie.

Als Präsident der Schweizerischen Bankier-Vereinigung hat Odier Mitte 2009 Pierre Mirabaud abgelöst.

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Universalbanken

Universalbanken versuchen, alle Bankdienstleistungen anzubieten: Kreditwesen (Aktivgeschäft), Passivgeschäft (Einlagen), Investment (Wertpapiere, Private Banking, Vermögensverwaltung).

Damit soll die Kundenbindung gestärkt und für Cross Selling Geschäfte benutzt werden.

Spezialbanken bieten hingegen nur einzelne Sparten des Bankgeschäfts an (Hypothekenbanken, Investmentbank, Bausparkasse, etc.)

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Bankenaufsicht

Der Staat setzt bei der Bankenregulierung Vorschriften zur Überwachung von Kreditinstituten.

Damit soll die Stabilität des Finanzsystems gestärkt werden.

Schwere Wirtschaftskrisen wie jene der 20-er Jahre oder 2009 wirken sich stark auf die Finanzmärkte aus (Anlegerschutz, Publizitätsvorschriften, etc.)

Dann wird jeweils der Ruf nach einer strengeren Regulierung laut.

Dazu kommen kulturelle Unterschiede. In der Schweiz ist das Universalbank-Modell seit langem gängig, im angelsächsischen Bereich erst seit einigen Jahren wieder.

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