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Nestlé setzt auf den Unternehmergeist chinesischer Bauern

, Shuangcheng

Der chinesische Milchmarkt wächst jährlich um das Volumen des Gesamtmarktes in der Schweiz. Ein Glücksfall für Nestlé, zumal der Konzern in der Schweiz mit wachsender einheimischer Konkurrenz konfrontiert ist. Der Multi setzt nun auf die Viehzucht-Ausbildung für chinesische Bauern.



Das neue Nestlé-Milchverarbeitungszentrum.

Das neue Nestlé-Milchverarbeitungszentrum.

(swissinfo.ch)

Am 15. Oktober eröffnete Nestlé in Shuangcheng in der ländlichen Gemeinde Manchu Xinfu sein neues Zentrum für Milchwirtschaft.externer Link Eine grosser futuristischer Zylinder steht in der düsteren Wildnis der Mandschurei, wo bereits im Oktober ein eisiger Wind weht. Wir sind etwa fünfzig Kilometer südlich von Harbin, einer Region, in der Nestlé seit den späten 1980er-Jahren tätig ist.

Shuangcheng ist eine grosse Stadt. Die umliegenden Felder bestehen aus humusreicher Schwarzerde, die als eine der besten für die Landwirtschaft gilt. Nestlé kam zufällig hierher. Als China in den 1980er-Jahren gewisse Reformen und Schritte zur Öffnung ankündigte, äusserte Nestlé den Wunsch, sich in China anzusiedeln. Die chinesischen Behörden machten den Standort Shuangcheng, also eine damals weitgehend nicht erschlossene Region, zur Bedingung. Nestlé eröffnete also in dieser Gegendseinen ersten Milchverarbeitungsbetrieb in China, und die Bauern begannen mit der Zucht von Milchkühen.

Skandal um gepanschte Milch

Die Landwirtekauften, meist mit Hilfe von Nestléexterner Link, ein paar Kühe. Die meisten hatten zwischen fünf und zwanzigTiere. Zweimal am Tag brachten sie die Milch ins Sammelzentrum. Neben Milchwirtschaft betrieben die Bauern auch Maisanbau. Sie verfütterten den Mais auch an die Kühe, denn mangels Weiden wurden diese nie aus dem Stall gelassen.

Bis 2008 blieb die Situation praktisch unverändert. Doch dann verunsicherte der Skandal um mit Melamin gepanschte Milch die chinesischen Konsumenten. Bis heute leidet die Milchbranche unter diesem Skandal. Nestlé war darin nicht verwickelt und kauft den Bauern weiterhin ihre Milch ab.

Zhang Xianglong hat sich mit Kollegen zusammen getan und bewirtschaftet nun einen Hof mit 97 Kühen.

(swissinfo.ch)

Seither haben die Gesundheitsbehörden die Kontrollen verstärkt. Gleichzeitig begannen sie, die Entwicklung von grösseren Landwirtschaftsbetrieben zu fördern, in der Meinung, dass grössere Betriebe einfacher zu kontrollieren seien. Die Regierung will mit ihren neusten Urbanisierungs-Plänen erreichen, dass bis 2020 etwa 100 Millionen Bauern in die Städte umsiedeln.

Grosses Potential

Im Jahr 2013 ist der Umsatz von Nestlé in Grosschina (China, Hong Kong, Macao und Taiwan) um 29.3% auf 6,16 Milliarden Franken gestiegen.

90% der Produkte werden vor Ort produziert. Mit einem Anteil am Umsatz von 7,2% ist China hinter China der zweitgrösste Absatzmarkt von Nestlé.

Nespresso betreibt lediglich drei Boutiquen in Peking, Schanghai und Honkong. Das Potential für Kaffee ist jedoch riesig.

Vor 20 Jahren war dieses Getränk in China praktisch unbekannt. Heute trinken 1,3 Millionen von den 50 Mio. Chinesen Kaffee.

Der Milchkonsum steigt seit 2011 jährlich um 5%.

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Rückgang der Anzahl Betriebe

Diese Pläne sind der Grund dafür, dass  die Zahl der Milchviehbetriebe im Landkreis Shuangcheng in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist. Von den rund 32'000 der frühen 1990er-Jahren bleiben nur noch etwa 6500. Das sei ein ähnlicher Prozess, wie ihn auch die Schweiz erlebe, nur beschleunigter, sagt Hans Jöhr, Leiter des Agrarsektors von Nestle.

In Anqiang, einem Dorf mit 600 Einwohnern, leben nur noch 20 Milchbauern. Vor zehn Jahren waren es noch ein paar Hundert gewesen, sagt Zhang Xianglong, der sich mit zwei andern Bauern zu einem Betrieb mit 97 Kühen zusammengetan hat.

Bauer als Wahl

Die 45-jährige Zhu Xiaowei lebt im Dorf Aixing und ist verantwortlich für die lokale Milchsammelstelle. "Die kleinen Betriebe sind nicht mehr rentabel. Es gibt noch Ältere, die ihre paar Kühe melken, aber sie werden eines Tages aufhören. Die Jungen gehen in die Stadt, um zu arbeiten", sagt sie.

Da sie für die Sammelstelle keine Zukunft mehr sah, beschloss sie, zusammen mit andern Familienmitgliedern einen Betrieb mit 55 Kühen aufzubauen. Sie nahm einen Kredit auf, um Kühe zu kaufen und einen modernen Stall zu bauen. Nestlé stellte die Melkmaschine, das Kühlaggregat und die Milchzisterne zur Verfügung.   Zwei Mal täglich holt ein Lastwagen die Milch ab und bringt sie direkt in den Verarbeitungsbetrieb.

Der Hof von Zhu Xiaowei produziert eine Tonne Milch pro Tag. Nestlé bezahlt pro Liter 4,5 Renminbi, was einem Preis von 70 Rappen pro Liter entspricht. Im Monat beträgt der Umsatz also 21'000 Franken.

Das Schweizer Modell

Zhu Xiaowei gehört zu den ersten, die einen dreitägigen Kurs über die Ernährung von Kühen absolviert haben. "Ich muss alles lernen", sagt sie. Die 26 Absolventen stellen sich stolz als Nestlé-Bauern vor. Sie stammen aus Laixi, Shandong oder  Ergun, also aus Regionen, in denen Nestlé Milchverabeitungsbetriebe hat.



Die Bauern sind mit Elan bei der Sache.

Die Bauern sind mit Elan bei der Sache.

(swissinfo.ch)

Der Morgen ist der theoretischen Ausbildung gewidmet, am Nachmittag geht es um praktische Anwendungen auf dem Hof.

"Wir haben beschlossen, ein schönes und modernes Gebäude zu bauen und so den Beruf des Bauers aufzuwerten", sagt Robert Erhard, der Leiter des Ausbildungszentrums. "In China ist man Bauer von Geburt auf, ein Zustand, den viele überwinden möchten. Es gibt keine Ausbildungsgänge für Bauern. Es ging also darum, denen, die Bauern bleiben wollten, eine Ausbildung anzubieten", sagt Hans Jöhr. Wir haben uns an den Lehrplänen der landwirtschaftlichen Institute in der Schweiz orientiert."

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Die Frage der Grösse

Wie gross werden chinesische Landwirtschaftsbetriebe dereinst sein? Während einige von Betrieben mit mehreren tausend Kühen träumen, bevorzugen andere das Modell der Familienbetriebe oder von gemeinsam geführten mittelgrossen Betrieben, so auch die machtvolle Kommission für die nationale Entwicklung und Reformen, sagt Robert Erhard.



(Übersetzt aus dem Französischen: Andreas Keiser), swissinfo.ch

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