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Bankensektor noch weit von sicheren Standards weg

Gefeuert: Entlassene verlassen 2008 die Bank Lehman Brothers in New York. Die Krise ist auch 2013 nicht ausgestanden. Reuters

Auch im Jahr fünf nach Ausbruch der Krise hat der globale Finanzsektor den Ausgang noch nicht gefunden. Die angestrebte strengere Regulierung der Branche zeige noch kaum Wirkung, sagten Bankenkenner und -vertreter am World Economic Forum (WEF).

Dieser Inhalt wurde am 26. Januar 2013 - 15:00 publiziert
Matthew Allen, Davos, swissinfo.ch

Welche Massnahmen sind am besten geeignet, um künftige Krisen verhindern zu können? Am jährlichen Davoser Gipfel kam zum Vorschein, dass die Positionen von Banken, Regulatoren und Politikern in dieser Frage immer noch um Galaxien auseinander liegen.

Globale, einheitliche Ansätze: Fehlanzeige. Vielmehr tragen die unterschiedlichen Richtungen, welche die Akteure rund um den Globus verfolgen, zur Verwirrung bei.

Die Wirkung sämtlicher Regulierungen sei nur minimal, falls den Banken weiter erlaubt werde, ihre Zahlen mit buchhalterischen Tricks zu frisieren und Betrüge durch Manager ungestraft blieben, steht für William Black fest.

Das ehemalige Mitglied der US-Finanzaufsicht und Autor des Buches "The Best Way to Rob a Bank is to Own One" ("Der beste Weg, eine Bank auszurauben, ist eine zu besitzen"), nimmt in Davos gegenüber swissinfo.ch kein Blatt vor den Mund.

Den Instituten werde es immer noch zu leicht gemacht, Vermögenswerte aufzublasen oder Verluste zu kaschieren. "Wer auf Computeranalysen vertraut, die sich auf den von den Banken gelieferten Zahlenschrott stützen, hilft mit, einen riesigen regulatorischen Schaden anzurichten", wettert Black.

Riesenbetrüge - ungesühnt

Schlimmer noch, dass selbst die grössten Betrugsfälle praktisch ungesühnt blieben. Black nennt den Fall einiger Banken, die Kredite an Strohmänner gewährten. Diese kauften damit Aktien der Bank und trieben so den Kurs der eigenen Titel in die Höhe, während gleichzeitig die Kredite abgeschrieben werden konnten.

"Kaum einer jener Banker, die für die Krise mitverantwortlich sind, wurde je angeklagt oder gar ins Gefängnis gesteckt", so Black weiter. "Bis die Bankenaufsichten die Betrugs-Mechanismen verstehen - und es gibt keinerlei Hinweise, dass sie die erwähnten Fälle je auch nur anschauen -, wird es für die Banken ein Einfaches sein, die Restriktionen zu umgehen."

Thema in Davos war auch die getürkte Buchführung. Stelle jedes Land seine eigene Regulierung auf, fördere dies nur die Umgehung der Vorschriften, so Paul Singer, Gründer und Chef des US-Hedgefonds Elliott Management.

"Fehlen weltweite Standards, kommt es unter den Ländern zu einer Plafonierung gegen unten, dies unter dem Vorwand, das in die Brüche gegangene Porzellan wieder zu flicken."

Risiken erhöht statt reduziert 

Das beklagte Patchwork betreffend Bankenregeln mache es den Banken auch schwerer beim Vorantreiben ihrer neuen Strategien, klagte UBS-Chef Axel Weber.

Über die Massnahmen sind die Meinungen unter den Bankern selbst geteilt, an Möglichkeiten mangelt es jedenfalls nicht: Kapitalpuffer, Auftrennung von Kundengeschäft und Investmentbanking sowie strengere Buchführung. Ebenso ein eingeschränkter Handel mit fremdem Geld, grössere Transparenz sowie die Verbesserung der Liquidität durch vermehrte Rückzahlungen kurzfristiger Schulden.

Als Folge stellen die Aufsichtsbehörden in den verschiedenen Teilen der Erde ihre eigenen Regulationspakete zusammen. Die Regulatoren wollten die Komplexität vermindern", so Axel Weber. "Sie verkleinerten die Komplexität der Produkte und der Fragen der Finanzierung, haben damit aber die Komplexität der Aufgaben der Aufsichtsorgane erhöht."

Operationelle und rechtliche Risiken würden aber viel schwerer wiegen als die Risiken im Finanz- und Investmentbereich, mit denen die Branche konfrontiert gewesen sei, warnt seinerseits Weber.

Bonuswarnungen

Nach wie vor gibt es im Finanzsektor aber grosse Bereiche, die von keinerlei Einschränkungen erfasst sind. Dies trifft etwa auf den Handel mit Derivaten zu, der mit einem Volumen von 434 Billionen Franken einen unvorstellbar riesigen Markt darstellt. Gänzlich unreguliert sind aber auch die Schattenbanken.

Ein weiteres freies Feld sind die Boni und Vergütungen. Dazu wird sich das Schweizer Stimmvolk Anfang März äussern können, wenn die so genannte Abzocker-Initiative gegen exorbitante Managerlöhne zur Abstimmung steht.

Bisher hätten Aufsicht und Politik in zahlreichen Ländern deshalb so viel Lärm um diese Fragen gemacht, weil sie auf eine Selbstregulierung der Banken gehofft hätten, sagte Weber am WEF.

"Reagieren die Banken aber nicht selbst, werden die Bestimmungen über die Governance und Lohnzahlungen der Banken viel strenger ausfallen", warnte Weber.

"Wille fehlt" 

Insider und Buchautor William Black plädiert für ein rabiates Durchgreifen. "Mir ist kein einziges Land bekannt, das nach dem Motto handelt, 'wir packen das Übel an seiner Wurzel, bestrafen die Bösen und stellen die fehlbaren Institute unter Zwangsverwaltung'", so Black.

"Keine Aufsichtsbehörde hat Erfahrungen darin, Menschen ins Gefängnis zu stecken. Aber wir haben es mit einer ganzen Generation von Regulatoren zu tun, die im Versagen geübt sind."

Globale Risiken 2013 (WEF-Bericht)

Die fünf wahrscheinlichsten Risiken für die globale Entwicklung sind nach Ansicht der vom WEF befragten mehr als 1000 Experten aus der Politik, der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft:

Erhebliche Unterschiede bei den Einkommen

Chronische Ungleichgewichte in Staatshaushalten

Steigende Treibhausgas-Emissionen

Wasser-Knappheit

Falscher Umgang mit der alternden Bevölkerung

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