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Singapur-Express Geldgeschäfte in einem boomenden Asien

Bordier eröffnete die Filiale in Singapur im Jahr 2011.

Bordier eröffnete die Filiale in Singapur im Jahr 2011.

(Keystone)

Privatbanken in Singapur müssen sich weiterentwickeln, wollen sie in der florierenden Region Asien-Pazifik ihr volles Potenzial ausschöpfen. Das erklärt Evrard Bordier, geschäftsführender Teilhaber der Genfer Privatbank Bordier, im Interview mit swissinfo.ch.

Die Privatbanken-Szene in Singapur entwickelt sich rasend schnell. Seit 2000 haben sich die Einlagen mehr als verzehnfacht, von 50 Milliarden Singapur-Dollar auf rund 550 Milliarden S$ im letzten Jahr. Doch das ist nur ein Teil der insgesamt verwalteten 1,63 Billionen S$ (1,15 Billionen Franken).

Die 169-jährige Schweizer Privatbank, die weltweit Vermögen von etwa 10 Milliarden Franken verwaltet, hat 2011 eine Filiale in Singapur eröffnet. Dieses Büro verwaltet gegenwärtig über 1 Mrd. S$ an Kundengeldern und will die Menge mittelfristig auf 5 Mrd. S$ anheben.

(bordier.com)

swissinfo.ch: Wodurch unterscheidet sich das Private Banking in Europa und Asien?

Evrard Bordier: In Europa verlangt ein Kunde von mir, dass ich sein Vermögen verwalte und erhalte. Hier fordert ein Kunde normalerweise: "Mach mir 10% Gewinn oder ich verschiebe mein Konto auf eine andere Bank." Eine Bank ist ein Instrument, um Geld zu machen –für was sonst hat man eine Bank?

Die Banken haben sich dem angepasst und verlangen keine Gebühren für die Kontoführung. Sie machen ihr Geschäft, indem sie den Kunden Finanzprodukte verkaufen und fette Provisionen kassieren.

Wir können hier nicht einfach den europäischen Standard anwenden. Doch um in Asien eine Erfolgschance zu haben, müssen wir das lokale Privatbanken-Modell verändern und markante Unterscheidungsmerkmale bieten.

swissinfo.ch: Welche?

E.B.: Unsere Nische ist der traditionelle, private Zugang mit massgeschneiderten Portfolios. Ich bin der einzige Partner und Manager der Bank in Singapur, was keine unserer Konkurrentinnen bieten kann. Daher können wir sehr viel schneller entscheiden, und die Beziehung zu den Kunden kann viel stärker sein.

Wir verlangen von unseren Kunden eine jährliche Beziehungsgebühr, und das zwingt uns dazu, einen Wert zu schaffen. Für uns ist der Kunde keine Geldmaschine. Wir versuchen, etwas aufzubauen, das die Zeit überdauert und mit den Kindern der Kunden weiter besteht.

swissinfo.ch: Wie passt das zum Bild des asiatischen Millionärs, der schnelle Resultate und die volle Kontrolle über seine Geldwerte und Geschäfte verlangt?

E.B.: Wir suchen nicht nach risikoliebenden, dreisten Kunden. Nicht jeder Kunde ist nur aufs Geldmachen fokussiert. Es gibt eine Gruppe von Kunden, welche die Beziehung schätzen, die sie zu ihrem Bankier aufbauen können. Sie haben genug von den Finanzprodukten, welche die grossen Banken aggressiv anbieten.

Viele Kunden erwarten von uns, dass wir einen gewissen Teil ihres Vermögens erhalten. Sie wollen einen echten, vertrauenswürdigen Partner, der ihnen dabei hilft.

Solche Mandate kommen jetzt langsam herein. Wir haben vermehrt Kunden aus Singapur, und wenn wir das unter 200 Konkurrenten schaffen, dann müssen wir wohl etwas richtig machen.

swissinfo.ch: Wie kompetitiv ist der Markt in Singapur für Privatbanken?

E.B.: Er ist sehr kompetitiv, und die Tätigkeit in Asien ist sehr teuer. Es befinden sich viele Dienstleister hier, die sich ein Stück des Vermögenskuchens abschneiden wollen.

Es ist kein Sonntagsspaziergang, die Leute rennen uns nicht die Türen ein, um Konten zu eröffnen. Es ist nicht wie früher, als man nur ein Geldinstitut eröffnen musste, und die Gelder kamen einem zugeflogen.

swissinfo.ch: Es gibt Leute, die sagen, in Singapur gebe es bereits zu viele Privatbanken und einige davon müssten sich wieder aus dem Geschäft verabschieden. Sind Sie auch dieser Meinung?

E.B.: Klar wird es zu einer Konsolidierung unter den Finanzdienstleistern kommen, weil es zu kostspielig und kompetitiv ist. Es wird immer globale Player wie die UBS oder grosse Geschäftsbanken wie die HSBC geben – aber auch Boutique-Banken. In jedem Segment wird es Überlebende geben. Es werden weniger, dafür bessere Player sein.


(Übertragen aus dem Englischen: Christian Raaflaub), swissinfo.ch


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