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Zweites Leben für ausgediente Mobiltelefone

Die Solidarcomm-Tüte fürs Mobiltelefon gibts auf jeder Poststelle

(swissinfo.ch)

Statt Handys einfach wegzuwerfen, kann man sie rezyklieren oder in den Süden exportieren.

Eine ökologische und solidarische Aktion, die auch dem Hilfswerk Terre des Hommes mit fünf Franken pro wiederverwertetem Handy zu Gute kommt.

"Solidarcomm", so heisst der Name des neusten Recycling-Systems, das seit Ende 2003 von vier Partnern bestritten wird: dem Hilfswerk Terre des Hommes Schweiz, der Handelsfirma Idris Invest, der Wiedereingliederungs-Werkstatt Réalise und der Post.

Angefangen hat alles mit der Genfer Handelsfirma Idris, die im Import-Export-Mobiltelefon-Geschäft tätig ist. Sie schlug dem schweizerischen Hilfswerk Terre des Hommes vor, gebrauchte Mobiltelefone wiederzuverwerten und das Hilfswerk mit fünf Franken pro Telefon zu unterstützen. Analog bereits funktionierenden Modellen in Grossbritannien und in Deutschland.

Jeder und jede, die sich ihres alten Handys entledigen wollen (vorzugsweise mit Batterie und Ladegerät), sollen dies in irgendeiner der 8000 Poststellen in der Schweiz machen können. Nachdem sich der gelbe Post-Riese bereit erklärte, die Aktion zu unterstützen, stand dem Projekt nichts mehr im Wege.

Langer Weg in den Süden

Zuerst finden die alten Telefone via Post den Weg in die Werkstatt für berufliche und soziale Wiedereingliederung Réalise in Genf. Hier werden die Handys auf ihre Funktionstüchtigkeit geprüft und getestet.

Einige sind irreparabel, andere sind voll gebrauchsfähig. Und bei einigen müssen einfach ein paar Teile ersetzt werden. Am Schluss werden die funktionierenden Mobiltelefone für den Verkauf der Firma Idris zugeführt. Diese verkauft sie dann in Asien oder Nordafrika.

Lauter Gewinner

"Diese Initiative erfüllt perfekt den Sinn einer nachhaltigen Entwicklungshilfe", wie Jean-Luc Pittet, Generalsekretär von Terre des Hommes Schweiz ausführt.

Auch der Name "Solidarcomm" ist nicht zufällig gewählt. Das Manna, das hier geerntet wird, passt bestens zu den Projekten von Terre des Hommes. Und korrespondiert ebenfalls mit der Arbeit der Wiedereingliederungs-Werkstatt Réalise.

Rezykliert werden die Mobilen nach allen Regeln der Kunst. Auch wenn sie oftmals weniger als hundert Gramm wiegen, so beinhalten sie doch einen Schwermetall-Cocktail (zum Beispiel Arsen) der gewichtigeren Art.

Ein Markt mit Entwicklungspotential

Seit ihrer Einführung wurden bereits mehr als 5000 Mobiltelefone wiederverwertet. Und praktisch jedes zweite war in einem ausgezeichneten Zustand. Gleichwohl kann Idris zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, wann die Rentabilitäts-Grenze erreicht sein wird.

Momentan hat die Firma in erster Linie Ausgaben. Idris hat die rund 500'000 Sammeltüten in den Poststellen bereitgestellt und bezahlt zudem die fünf Franken pro Handy an Terre des Hommes. Und verhilft zusätzlich der Werkstatt Réalise zu mehr Arbeitsstunden.

Doch die Aussichten sind vielversprechend. Der Markt mit den wiederverwertbaren Mobiltelefonen ist in den südlichen Ländern am expandieren. Und weiter warten zahlreiche potentielle Benutzer, die sich nie einen neuen Apparat leisten könnten, auf einen Gebrauchten.

1,5 Millionen in einem Jahr

Bei Terre des Hommes geht man davon aus, dass die ganze Aktion viel Aufmerksamkeit und Publizität braucht, bis sie ihren Rhythmus gefunden hat.

"Wir zielen auf die öffentliche Verwaltung und die Unternehmen ab", erklärt Jean-Luc Pittet. Bereits haben die Justizverwaltung und das Fundbüro von Genf versprochen, zukünftig alle Mobiltelefone via Solidarcomm zu reziklieren.

"Philippe Roch, Direktor des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) hat versprochen sich für uns einzusetzen. Und das Potential in der eidgenössischen Verwaltung ist enorm", wie Pittet anfügt.

Natürlich wagt niemand zu träumen, dass dereinst von den rund 1,5 Mio. Handys, die jedes Jahr in der Schweiz gekauft werden, alle den Weg in eine kleine Plastiktüte auf der Post finden werden.

Aber bereits ein Bruchteil davon würde einen schönen Erfolg bedeuten. Idris schätzt das Potential auf ungefähr 40'000 Stück pro Jahr. Für den Anfang.

swissinfo, Marc-André Miserez
(Übertragung aus dem Französischen: Brigitta Javurek)

In Kürze

Die Schweiz zählt rund 5,7 Mio. Mobiltelefon-Benutzer, die im Schnitt alle acht bis neun Monate ihr Gerät wechseln.

Die Eidgenossen haben die höchsten Mobiltelefon-Kosten in Europa. Im Durchschnitt bezahlen sie 1485 Euro in einem Jahr, während sich das übrige Europa mit 820 Euro begnügt.

In Asien und Nordafrika besitzen rund 10 Prozent der Bevölkerung ein Mobiltelefon.

Die grossen Mobiltelefon-Firmen verkaufen ihre Modelle im Schnitt ab 100 Euro.

Der Occasionsmarkt richtet sich an ein ärmeres Publikum. Ein Secondhand-Handy kostet zwischen 20 und 30 Euros.

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