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Ältere Erwerbstätige: Alteisen oder Jungbrunnen

(Keystone)

In der Schweiz sind mehr ältere Erwerbstätige als anderswo in Europa tätig. Doch gelten sie auch hier als "altes Eisen". Eine Studie konnte aber den oft zitierten Leistungsabfall bei Älteren nicht nachweisen. Werden die Personalchefs nun umdenken?

Die älteren Erwerbstätigen werden in den meisten Ländern immer zahlreicher. Aber sie haben auf dem Arbeitsmarkt häufig einen schweren Stand. Junge Arbeitskräfte haben den Ruf, leistungsfähiger, dynamischer und flexibler zu sein.

Dass der demografische Wandel eine Lücke im Angebot von jüngeren Arbeitskräften zur Folge haben wird, ist seit langem bekannt. An dieser Alterung der Erwerbstätigen wird langfristig auch die gegenwärtige Wirtschaftskrise nicht viel ändern.

Anstatt Stellensuchende über 50 zu beschäftigen, bevorzugen viele Personalverantwortliche oft jüngere ausländische Arbeitskräfte.

Die Erwerbsquote der 55- bis 64-Jährigen ist zwar in der Schweiz in den vergangenen zwölf Jahren von 63,5 auf 68,4% gewachsen. Dies sagt aber noch nichts aus über die Position und die Chancen der Älteren auf dem Arbeitsmarkt – es zeigt nur an, dass 68,4% der Generation 55+ noch arbeiten.

Dieser Anteil ist hoch - im EU-Durchschnitt lag die Quote 2007 bei nur 44,7% , also einen ganzen Drittel tiefer.

An der Fachhochschule Luzern sind kürzlich bestehende Studien zum Leistungsvermögen im Alter ausgewertet worden. Die landläufige Meinung, dass es abnehme, liess sich dabei nicht bestätigen.

Schlüsselgrösse Leistungsvermögen der Älteren

"Differenzen im Leistungsvermögen innerhalb derselben Altersgruppe sind meist grösser als jene zwischen einzelnen Altersgruppen", sagt Colette Peter, Autorin der Studie und Dozentin für soziale Arbeit an der Hochschule Luzern gegenüber swissinfo.

Bei älteren Altersgruppen nehmen zwar gewisse Leistungsvermögen wie das körperliche ab, dafür wachsen Berufserfahrung und Urteilsfähigkeit.

Der Umstand, dass in der Schweiz der Prozentsatz der älteren Erwerbstätigen höher ist als in andern Ländern, heisse aber nicht, dass die Personalpolitik dem tatsächlichen Leistungsvermögen besser Rechnung trage als anderswo, so Colette Peter.

"Einfach mit Migration ist es nicht gemacht"

Die demografische Herausforderung auf dem Arbeitsmarkt der älteren Erwerbstätigen ist keine rein schweizerische Angelegenheit: "Wir müssen uns bewusst werden, dass in den nächsten Jahren wegen der alternden Gesellschaft die Konkurrenz unter den einzelnen Ländern um die jüngeren Arbeitskräfte zunimmt."

Die Personalchefs werden also die Rekrutierungsfrage "nicht einfach mit dem Import und der Migration von Arbeitskräften lösen können", schätzt Colette Peter, Dozentin für soziale Arbeit an der Fachhochschule Luzern.

Umdenken in der Wirtschaft

Statt Abwerben im Ausland empfielt Colette Peter Schulung und (Weiter-)Bildung im Inland: "Viele Junge, gerade solche mit Migrationshintergrund, bleiben am Arbeitsmarkt benachteiligt. Da braucht es weitere Investitionen, damit auch diese sich als Erwerbstätige qualifizieren können. Aber auch die Älteren brauchen mehr und andere Anreize."

Die Unternehmen werden vermehrt auf die Älteren angewiesen sein: "Die Wirtschaft wird wohl umdenken müssen. Nur Junge einstellen kann sie nicht."

Nun werden solche Voraussagen bereits seit über einem Jahrzehnt gemacht. Anderseits hat das Umdenken in in den Köpfen der Personalverantwortlichen offenbar noch nicht stattgefunden. Peter erklärt dies mit dem "noch zu geringen Leidensdruck" der Wirtschaft:

"Strukturellen Fachkräftemangel gibt es bereits in einigen Regionen der Schweiz. Dieser wurde teilweise dank deutscher Einwanderung behoben. Das wird je länger je weniger hinhauen, da bin ich überzeugt."

Beispiel ABB

Einige Personalverantwortliche in grösseren Unternehmen hätten die Zeichen der Zeit aber erkannt, sagt Peter.

Zumindest beim global tätigen Technologiekonzern ABB in Baden ist die Personalpolitik für die Generation ab 45 Jahren kein Lippenbekenntnis: "Rund 10% aller Neueinstellungen 2008 betrafen Leute, die 50-jährig oder älter waren", bestätigt ABB-Personalchef Renato Merz gegenüber swissinfo.

Vorbild Integration der Frauen

Colette Peter glaubt, dass es mit der Herausforderung der alternden Gesellschaft gleich gehen werde wie in anderen sozialen Bereichen: Die Resultate seien zwar den Forschern längst bekannt, und dennoch dauere es Jahre, bis sie in der Öffentlichkeit ankämen.

Die Unternehmen würden wohl erst dann reagieren, wenn sie ihre Nachfrage nach Personal nicht mehr anders befriedigen könnten. "Dasselbe haben wir doch mit der Integration der Frauen in die Arbeitsmärkte gesehen. Kinderbetreuung, Kindertagesstätten und Ähnliches wurden erst dann eingeführt, als die Frauen unentbehrlich wurden. Vorher hat sich die Wirtschaft ja eher dagegen gewehrt."

"Wir können zur Zeit nichts anderes tun, als die Botschaft beharrlich in die Wirtschaft einzubringen. Auch sollten die Personalverantwortlichen entsprechend geschult werden."

"Wenn sie mit den Tatsachen und Facts konfrontiert werden, können sie sachte ihre Vorurteile und Stereotypen selbst hinterfragen."

Alexander Künzle, swissinfo.ch

Diskriminierende II. Säule

Eine langjährige Konstante unter den falschen Anreizen ist die diskriminierende Ausgestaltung der Beitragshöhe, die Arbeitnehmer an die Pensionskasse zahlen müssen.

Je älter sie sind, desto höher fallen diese Beiträge aus - und zwar für Arbeitnehmer wie -geber. Laut Gesetz wachsen sie von 7 bis auf 18 Lohnprozente. Arbeitssuchende sind damit theoretisch ab 55, praktisch jedoch schon vorher benachteiligt.

Wegen der Paritätsvorschrift ist es auch verboten, wenn beim Anstellungsgespräch der ältere Arbeitssuchende von sich aus seine Lohnkosten jenen der jüngeren Konkurrenz anzugleichen versucht:

Es ist dem Älteren nicht gestattet, von sich aus einen höheren Anteil als die gesetzlich vorgesehene Beitrags-Hälfte ('Parität') zu übernehmen, um das Unternehmen von dieser zusätzlichen Abgabe resp. seiner Diskriminierung zu entlasten.

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Pensionsalter: Fix oder flexibel

Laut dem Arbeitskreis Kapital und Wirtschaft (AKW) gehen zur Zeit die Arbeitnehmer in der Schweiz durchschnittlich mit 65 Jahren in die Rente.

Einerseits gebe es laut AKW einen Trend zur früheren Pensionierung.

Andererseits arbeiten aber genausoviele Erwerbstätige über das ordentliche Pensionierungsalter hinaus: 20% der Männer über 65, 10% der Frauen über 64.

Das fixe "Pensionsalter 67", das Bundesrat Pascal Couchepin vor einigen Jahren aufwarf, ist inzwischen zum Reizwort geworden.

Die Gewerkschaften reagierten darauf mit der Forderung, das Rentenalter zu senken.

Möglich wäre jedoch eine Flexibilisierung des Rentenalters, wie sie de facto schon praktiziert wird.

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