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Bericht "Small Arms Survey"


Flugabwehrraketen in Syrien - Bedrohung für Luftraum?




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Rebellengruppen in Syrien sollen im Besitz von hunderten portabler Flugabwehrwaffen sein, die in die Hände von Terroristen geraten könnten. Dies zeigt ein Bericht des in Genf ansässigen unabhängigen Instituts Small Arms Survey.

Gemäss dem Bericht haben bewaffnete Gruppen in Syrien mindestens acht MANPADS-Typen (Man Portable Air Defense System) erworben, das sind so genannte portable Boden-Luft-Raketen, die in China oder Russland entwickelt wurden. Drei dieser Modelle, die nun in Syrien aufgetaucht sind, wurden bislang nur im Besitz von Regierungen wahrgenommen.

Wie Matt Schroeder, Autor der Studie und Forschungsleiter von Small Arms Survey, gegenüber swissinfo.ch erklärte, weiss man nicht, wie diese Waffen in den Besitz von Rebellen kamen.

"Die Waffen können über Umwege nach Syrien gelangt sein", sagte er. "Wenn man wie wir keine klar dokumentierte Spur hat, welche Regierung oder welche Netzwerke diese Waffen vertrieben haben, ist deren Herkunft unmöglich zu eruieren."  

Der Bericht erwähnt Sudan, Katar und Saudi-Arabien als mögliche Quellen für die MANPADS, die nach Syrien geschmuggelt wurden. Deren Ursprung sei aber alles andere als klar.

Gemäss Schroeder sind es vor allem soziale Medien wie YouTube, Facebook und Twitter, welche die Fabrikate, Modelle und Ursprünge der Waffen dokumentieren, dies vor allem, weil praktisch keine Journalisten und Vertreter von Menschenrechtsgruppen vor Ort sind, die normalerweise solche Informationen verbreiten. Die sozialen Medien haben laut dem Experten gegenüber Journalisten- oder Regierungsquellen gewisse Vorteile.

"Das Schöne an den sozialen Medien wie etwa YouTube sind die Bilder. Journalisten sind häufig keine Waffenexperten. Daher sind deren Beschriebe in den Printmedien oft vage oder gar falsch. Bilder hingegen helfen uns, den Waffentyp und das Modell, das Herstellungsdatum und die Herkunft zu identifizieren."

"Abfeuern und vergessen"

Gemäss dem Bericht bestehen die MANPADS in Syrien mehrheitlich aus einer Rakete und einem Abschussrohr, einem Raketenwerfer sowie einer Batterie, insgesamt haben sie ein Gewicht von 15 bis19 Kilogramm. Die meisten dieser Waffen sind unter dem Namen "fire and forget" (abschiessen und vergessen) bekannt, will heissen, sie sind selbst zielsuchend.

Die russische Regierung hatte behauptet, bewaffnete syrische Gruppen hätten Zugang zu einem gewissen MANPAD-Typ, der in den USA hergestellt werde. Das Small Arms Survey-Institut konnte jedoch keine Beweise finden, dass es in Syrien solche Waffen gibt, die als Stinger-Geschosse bekannt sind.

Terroristische Bedrohung

Auch wenn viele der MANPADS, die sich in Rebellenhand befinden, offenbar alt oder funktionsunfähig sind, könnte diese Tatsache laut dem Bericht dazu führen, dass mehr Flugabwehr-Systeme nach Syrien geschmuggelt werden, weil die Rebellengruppen neuere und bessere Modelle verlangten. Schroeder mahnt zu Vorsicht:

"In den Händen von trainierten Terroristen sind nur schon wenige solcher Raketen eine grosse Gefahr für die zivile Luftfahrt", schreibt der Autor.

"Das Risiko abzuschätzen, ist sehr schwierig, denn wir wissen nur wenig über die Herkunft der Waffen. Zudem sind sie so zahlreich, dass es fast unmöglich ist", sagt Schroeder.

Der Small Arms Survey-Bericht wurde Ende 2013 in Auftrag gegeben. Es folgten monatelange intensive Recherchen, die vor allem auf der Arbeit von Eliot Higgins beruhten, einem investigativen Journalisten, der seine Analysen über syrische Waffen via soziale Medien unter dem Spitznamen "Brown Moses" publiziert.

Seit ein Flugzeug der Malaysian Airlines am 17. Juli 2014 vermutlich von Rebellen in der Ukraine abgeschossen wurde, hat nun auch die US-Luftfahrtbehörde bekanntgegeben, es würden keine Flüge mehr über syrischem Gebiet stattfinden. Schroeder betont allerdings, die Veröffentlichung des Berichts stehe in keinem direkten Zusammenhang mit diesen Ereignissen und wolle diese auch nicht beeinflussen.


Übertragung aus dem Englischen: Gaby Ochsenbein, swissinfo.ch

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