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Geschichten der Schweizer Diplomatie Die Afrika-Reise von Pierre Aubert

Im Januar 1979 besuchte der Schweizer Aussenminister während zweier Wochen fünf westafrikanische Länder. Diese Reise schlug ein neues Kapitel in der Schweizer Aussenpolitik auf, begleitet von vielen Kontroversen und intensiven Diskussionen über die Rolle des neutralen Landes in der Welt.

Bild mit hellhäutigem Mann mit seiner Frau in einer dunkelhäutigen Menschenmenge

Pierre Aubert und seine Frau Anne-Lise Borel in Kamerun, 19. Januar 1979.

(StAAG/RBA/Reto Hügin)

"Im Rahmen unserer Aussenpolitik der Offenheit und Präsenz in der Welt war es nach dem Aufbau persönlicher Kontakte zu westeuropäischen und danach zu osteuropäischen Ländern nur natürlich, dass sich unsere Diplomatie stärker der Dritten Welt öffnet, deren wachsender Einfluss in der Welt eine anerkannte Tatsache ist. […] Wir haben Afrika ausgewählt, das nach wie vor der Ort einer Ost-West-Konfrontation ist, deren Intensität nicht wirklich abnimmt. […] Um uns eingehender zu informieren und unsere Ansichten bekanntzumachen, haben wir uns entschieden, Länder zu besuchen, die uns auf die eine oder andere Weise relativ nahe stehen; bei diesem Entscheid im Vordergrund stand das Streben nach Ausgewogenheit. [...]"

Bilanz der Afrikareise von Pierre Aubert, Chef des Eidgenössischen Politischen Departements, 30. Januar 1979externer Link

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Am 14. Januar 1979 hob auf dem Flughafen Zürich Kloten ein Linienflug der Swissair in Richtung Lagos, Nigeria ab. An Bord des Flugzeugs sass eine Schweizer Delegation unter der Leitung von Bundesrat Pierre Aubertexterner Link, Chef des Eidgenössischen Politischen Departements (EPD, kurz darauf in Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheitenexterner Link (EDA), umbenannt).

Während zwei Wochen besuchte die Delegation, der Beamte des EPD und des  Bundesamts für Aussenwirtschaftexterner Link (BAWI) angehörten, Nigeria, Kamerun, Obervolta (heute Burkina Faso), die Elfenbeinküste und Senegal.

Ausgangspunkt der Reise sei die Feststellung des EPD gewesen, dass es an persönlichen Kontakten zwischen schweizerischen Aussenpolitikern und Vertretern afrikanischer Länder mangle, schrieb Aubert am 5. Januar 1979 in einem Antrag an den Bundesratexterner Link (Landesregierung): "Unserer Meinung nach ist es aus politischen und wirtschaftlichen Gründen wichtig, mit den Ländern dieses Kontinents den Dialog wieder aufzunehmen", präzisierte der Vorsteher der Schweizer Diplomatie.

Über die Geste des guten Willens gegenüber den Ländern Afrikas hinaus sollte die Reise auch dazu dienen, den Gesprächspartnern die Grundzüge der schweizerischen Aussenpolitik zu erläutern und deren Standpunkt zu den Problemen des Kontinents zu erfahren. Auf dem Programm standen zudem Gespräche über Fragen der Entwicklungszusammenarbeit und der Handelsbeziehungen.

Mehr Offenheit

Es war nicht die erste Reise eines Bundesrats in afrikanische Länder südlich der Sahara: 1962 war der Schweizer Verkehrsminister Willy Spühlerexterner Link anlässlich der Eröffnung einer neuen Swissair-Flugstrecke nach Ghana und Nigeria gereist. Sieben Jahre später hatte er mit seiner Frau eine private Reise durch Ostafrika unternommen.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie über "Geschichten der Schweizer Diplomatie", die wir in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle Diplomatische Dokumente der Schweiz (Dodis) realisieren.

Die Forschungsstelle ist ein Institut der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften und ein unabhängiges Kompetenzzentrum für die Geschichte der schweizerischen Aussenpolitik und der internationalen Beziehungen der Schweiz seit der Gründung des Bundesstaats 1848.

(Dodis)

"Auberts Reise allerdings war in Form und Geist ein Novum, ein Zeichen für mehr Offenheit in der schweizerischen Aussenpolitik. Sie ist auch ein Beweis für die bewusste Suche nach einem Dialog mit dem Süden", sagt Yves Steiner, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Forschungsstelle Diplomatische Dokumente der Schweizexterner Link (Dodis).

"Die Bundesräte hatten schon einige Jahre zuvor begonnen, ins Ausland zu reisen", sagt Dodis-Direktor Sacha Zala. "Mit Aubert allerdings kam es zu einer Wende: Man begann in der schweizerischen Aussenpolitik, über Menschenrechte zu sprechen. Zuvor war dieser Begriff für Schweizer Minister praktisch ein Tabu gewesen. Die Neutralitätspolitik stand dem Diskurs über Menschenrechte im Weg, man betrachtete diese als Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder."

Kontroverse über die Reise

Die neuen Elemente von Auberts Afrikareise wurden von seinen Zeitgenossen wohl bemerkt, hatte er doch eine grosse Gruppe von Journalisten im Schlepptau. In der Schweiz war die Reise bereits vor der Abreise Gegenstand umfangreicher Diskussionenexterner Link.

Neben der Grundsatzkritik am "Dynamismus", der Aubert der Schweizer Aussenpolitik aufdrücken wolle, äusserten verschiedene Stimmen die Befürchtung, der Aussenminister könnte zu offen die Haltung der afrikanischen Führer zum südafrikanischen Regime unterstützen.

Eine gemeinsame Erklärung von Aubert und dem nigerianischen Aussenminister Henry Adefope, in der sie "die Verletzung der Menschenrechte in der ganzen Welt und besonders in der Apartheid" verurteilten, schien die Ängste zu bestätigen und fachte die Kontroverse weiter an.

Besonders der Historiker und Nationalrat der Schweizerischen Volkspartei (SVP), Walter Hoferexterner Link, profilierte sich als vehementer Kritiker von Auberts Arbeitexterner Link und regte damit wiederum die Debatte in der Presse an.

Die Reise Auberts wurde zum Anlass für eine umfassende Reflexion über die Schweizer Aussenpolitik genommen. Aussenminister Aubert selber nutzte an einer Pressekonferenz über das Budget der Reiseexterner Link die Gelegenheit für eine Retourkutsche. Bezugnehmend auf Hofer erzählte er eine "Geschichte", die er in Afrika gelernt habe. Die Tageszeitung "Thurgauer AZ" gab diese in indirekter Rede wieder: "Elefanten seien Herdentiere: Wenn ein Elefant das nahende Ende spüre, entferne er sich von der Herde und isoliere sich, gebe aber vorher noch einen gewaltigen Laut von sich…"

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