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Demokratie für alle Gehörlose fordern politische Information in Gebärdensprache

Simonetta Sommaruga on stage

Justizministerin Simonetta Sommaruga an der Debatte 'Direkte Demokratie ohne Gebärdensprache?', die im September 2016 vom Schweizerischen Gehörlosenbund organisiert worden war.

(Keystone)

Das Abstimmungsbüchlein und die Erklärungen zu eidgenössischen Vorlagen sollen online in Gebärdensprache zur Verfügung stehen. Dies verlangt der Schweizerische Gehörlosenbund in einer Petition.

Für mehr als 10'000 Schweizerinnen und Schweizer, die schwer hörbehindert oder taub sind, erscheine das Abstimmungsbüchlein in "falscher Sprache", liess der Gehörlosenbund in einem Statementexterner Link verlauten.

"Ihre Sprache ist die Gebärdensprache, geschriebenes Deutsch müssen sie mühsam als Fremdsprache lernen. Komplexe politische Sachverhalte in dieser Fremdsprache zu verstehen, ist eine unnötige Hürde, die schweizerisches und internationales Recht auf barrierefreien Zugang zu Informationen verletzt", hiess es weiter.

Ohne angemessene Massnahmen werde "die freie Meinungsbildung und folglich auch die politische Partizipation für die betroffenen Menschen erschwert, wenn nicht gar verunmöglicht".

Schriftliche Herausforderung

Alles in Gebärdensprache - aber ist dies nötig? Denn gehörlose Personen können doch lesen? "Sie können lesen, weil sie das in der Schule lernen – ebenso können sie sprechen", sagt Martina Raschle, Medienverantwortliche des Gehörlosenbundes Deutschschweiz gegenüber swissinfo.ch.

"Hörende Menschen lernen Schreiben über den Klang. Für Gehörlose ist das aber viel schwieriger und ein regelrechter Gedächtnistest. Zudem greifen sie keine neuen Wörter 'en passant' auf. Jedes einzelne Wort muss gelernt werden. Die Gebärdensprache ist bildbezogen, total visuell und hat eine andere Grammatik als die gesprochene Sprache", erklärt die Pressesprecherin.

Raschle betont, dass es zwar "hervorragende und leidenschaftliche" Leser gebe unter den Gehörlosen und diese Menschen die schriftliche Sprache auch am Arbeitsplatz brauchten. Für die meisten Betroffenen sei es jedoch schwierig, einen Brief fehlerfrei zu schreiben, auch weil Deutsch eine komplexe Grammatik habe.

"Gehörlose Personen kommunizieren nur wenn unbedingt nötig auf schriftlichem Weg. Und mit Video-Botschaften sei das noch seltener geworden. Heute schicken die Leute einander ein kurzes Video in Gebärdensprache ohne Text via E-Mail oder WhatsApp."

Beim Medienkonsum stünden an erster Stelle Angebote mit Bildern, welche den Text illustrierten. "Fernsehbeiträge mit Gebärdensprache oder Untertiteln sind beliebter als Zeitungen", sagt sie.

Offizielle Sprache?

Deutsch, Französisch oder Italienisch lesen ist aber auch für viele Leute in der Schweiz eine grosse Herausforderung – ein Viertel der Bevölkerung ist ausländisch. Wieso sollten gehörlose Menschen eine Sonderbehandlung erhalten? "Weil Personen mit Hörbehinderungen das Recht auf Informationen in Gebärdensprache haben", sagt Raschle und erwähnt u.a. Artikel 14externer Link des Bundesgesetzes über die Beseitigung von Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen.

"Ohne Gebärdensprache haben gehörlose Menschen nicht dieselben Möglichkeiten wie der Rest der Bevölkerung, in der Gesellschaft und Bildung teilzuhaben", erklärt sie.

Präzise Zahlen gibt es keine, aber gemäss Schätzungen in anderen Ländern sei die Arbeitslosigkeit, so Raschle, unter Gehörlosen dreimal höher als bei Menschen ohne dieses Handicap. Dies ist mit ein Grund, dass der Gehörlosenbund darauf pocht, dass die Gebärdensprache in der Schweiz als offizielle Sprache anerkannt wird.

"Die Anerkennung der drei Gebärdensprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch) auf Bundesebene ist eines der strategischen Ziele der Lobby-Organisation. Im internationalen Vergleich hinkt die Schweiz diesbezüglich hinterher:

Gemäss Weltverband der Gehörlosenexterner Link anerkennt rund ein Fünftel der Länder weltweit die Gebärdensprache als offizielle Sprache.

Sind Sie mit dem Anliegen der Petition einverstanden? Ihre Meinung interessiert uns!


(Übertragung aus dem Englischen: Gaby Ochsenbein), swissinfo.ch

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