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Leben retten mit sauberem Wasser

Flüchtlingskinder aus Darfur im Westsudan warten auf Wasser.

(Keystone)

Die Folgen von kriegerischen Ereignissen oder Naturkatastrophen sind für die betroffene Bevölkerung in Entwicklungsländern meist schwer zu bewältigen. Eine Schlüsselrolle spielt dann die Versorgung mit Wasser. Hier kann die Schweiz oft helfen.

Humanitäre Katastrophen gehören zu den täglichen Nachrichtensendungen. An die Bilder aus Haiti, Darfur, Tschad, vom Erdbeben in Chile, usw. hat man sich schon fast gewöhnt.

Diese in der warmen Stube empfangenen Bilder zeigen jedoch echte Menschen, die ums Überleben kämpfen. Das erste, was diesen Menschen meist fehlt, ist Wasser, das entweder gar nicht zur Verfügung steht, oder das verschmutzt und somit nicht trinkbar ist. Hier setzt die Humanitäre Hilfe des Bundes an.

"Wir konzentrieren uns auf das Retten von Leben und das Lindern von Leiden. Die akute Phase einer Nothilfeaktion dauert ein paar Tage. Dann hat man zwei bis drei Wochen, in denen es immer noch ums Überleben geht", sagt Marc-André Bünzli, Fachgruppenchef Wasser und Siedlungshygiene beim Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe (SKH) gegenüber swissinfo.ch.

"Und dann beginnt man sofort mit Wiederaufbau. Das sind die Anstrengungen, welche den Menschen die Würde zurückgeben. Aber am Anfang geht es einfach darum, Leben zu retten."

Bünzli dokumentiert dies am Beispiel von Ost-Tschad, wo seit 2004 viele Menschen aus Darfur, der Unruheprovinz im Westen von Sudan, geflüchtet sind: "Am Anfang hat man in diesem Gebiet im Ost-Tschad Water Trucking gemacht, das Wasser mit Lastwagen zur notleidenden Bevölkerung und den Flüchtlingen transportiert. Dann begannen wir mit Brunnenbohrungen und jetzt, fünf Jahre später, überwachen wir die Wasserqualität. Wir wollen auch sicherstellen, dass die Wasserressourcen nicht übernutzt werden."

Aus- und Weiterbildung

Das SKH ist ein Milizkorps, das auf einen Pool von mindestens 700 einsatzbereiten Personen zurückgreifen kann, die entsprechend ihren Kenntnissen und Fähigkeiten in Fachgruppen eingeteilt sind. Es gehört zur Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza)

Einen besonderen Stellenwert nimmt da die Weiterbildung der Mitarbeiter ein, die im harten Einsatz stehen in den über den ganzen Planeten verteilten Problemzonen.

Das Labor Spiez, das schweizerische Fachinstitut für den Schutz vor atomaren, biologischen und chemischen Bedrohungen und Gefahren, unterstützt das SKH bei der Aus- und Weiterbildung der Wasserfachleute.

So vermittelt ein Wochenkurs in Spiez im Berner Oberland das Fachwissen, um mit dem mobilen Labor, das zur Standardausrüstung gehört, Trinkwasseranalysen durchzuführen.

Auf die Dosierung kommt es an

Eine Teilnehmerin eines Kurses für mikrobiologische Wasseruntersuchungen in Spiez ist die Geologin Marie-Louise Vogt. Sie beteiligt sich seit Jahren an humanitären Missionen.

"Wir filtern die Wasserproben. Dann lassen wir die Filter auf einer Zellkultur in einem Wärmeofen während 18 bis 24 Stunden bei 37 Grad auskeimen", erklärt sie ihre Aufgabe. In einem nächsten Schritt wird mit Wasserproben versucht, ob das Wasser mit einer Chlorierung zu Trinkwasser gemacht werden kann.

"Die Chlorierung muss stark genug sein, Bakterien abzutöten und schwach genug, dass es keine geschmacklichen und gesundheitlichen Schäden geben kann", sagt die Geologin.

Ein mobiles Labor kostet ungefähr 5000 bis 10'000 Franken. Es gleicht einem Swimmingpool-Test-Set und lässt sich auch von Leuten bedienen, die keine Chemiker sind. Gemessen werden Ph-Wert, Trübung, Leitfähigkeit und die bakteriologischen Daten des Wassers. "Das sind die Basisanalysen, damit man Trinkwasser garantieren kann", so Marie-Louise Vogt.

Die SKH-Wasserspezialistinnen und –Spezialisten überprüfen mit ihren mobilen Labors in ihren Einsatzländern Verdachtsmomente, wenn zum Beispiel vermehrt Durchfall-Erkrankungen auftreten. "Es ist aber auch wichtig, Reservequellen zu erschliessen für den Fall, dass die anderen verschmutzt werden. Damit kann man im Notfall schnell geeignete Massnahmen ergreifen", erklärt Marie-Louise Vogt.

Luxuriös oder…

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, aus Wasser Trinkwasser zu machen. Seit Kurzem bietet zum Beispiel die Firma SwissINSO eine Hochtechnologie-Lösung an: Mit ihrer vollständig solar-betriebenen Wasseraufbereitungseinheit, die in zwei Containern angeliefert wird, können täglich bis zu 100'000 Liter verschmutztes Wasser oder Brackwasser oder 50'000 Liter Salzwasser in reines Trinkwasser umgewandelt werden.

Ein ideales Einsatzmittel für Hilfswerke im Notfalleinsatz? Leider nicht. Je nach Ausstattung kostet die Krystall Wasseraufbereitungsanlage von SwissINSO zwischen 600'000 und 1,1 Mio. Franken. Das ist mehr, als die Hilfe, welche die meisten Hilfswerke für ein ganzes Land aufwenden können.

So wird die Luxuslösung bei Hilfswerken wie Helvetas oder Swissaid sicher nicht zum Einsatz kommen.

... einfach?

Aber es geht auch günstiger: Mit SODIS (SOlar DISinfection), einem von der Eawag, der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung und Gewässerschutz, entwickelten Methode. SODIS ist ein Verfahren zur Wasserentkeimung mit Hilfe von handelsüblichen PET-Kunststoff-Flaschen.

Die mit verschmutztem Wasser gefüllten PET-Flaschen werden je nach Stärke der Sonneneinstrahlung zwischen sechs Stunden bis zwei Tagen dem Sonnenlicht ausgesetzt. Das UV-A-Licht besitzt eine desinfizierende Wirkung. So werden bei genügend langer Sonnenbestrahlung Erreger für Durchfall-Erkrankungen oder Cholera weitgehend abgetötet.

Schweizer Hilfswerke sind an der Weiterverbreitung des SODIS-Systems interessiert. Es ist eine gute und günstige Möglichkeit, zu Trinkwasser zu kommen.

"Allerdings eignet sich diese Methode nicht für den Einsatz in Flüchtlingslagern", schränkt Marc-André Bünzli ein. "Die Menschen müssen eine gewisse Normalität leben können, damit sie das System richtig anwenden können. In Flüchtlingslagern ist Normalität nicht gewährleistet, da geht es meist ums Überleben."

Etienne Strebel, swissinfo.ch

Trinkwasser

Fehlendes Trinkwasser und mangelnde Hygiene sind allein für 80% der Krankheiten in den Entwicklungsländern verantwortlich.

1,8 Millionen Kinder sterben jedes Jahr an Durchfall infolge von Wassermangel und ungenügender Hygiene.

800 Millionen Menschen weltweit haben keinen Zugang zu Trinkwasser; 1,7 Milliarden leben ohne regelmässige Trinkwasserversorgung und einfache sanitäre Anlagen.

2,6 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sanitärer Grundversorgung.

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