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Ökoprojekt in Katar


Schweizer Architektin zwischen Universität, Umweltschutz und Musik


Von Rachid Khechana, Doha



Die Abu-Nachla-Lagune, die weniger als 12 km südlich von Doha, der Hauptstadt Katars, liegt. (gulf-times.com)

Die Abu-Nachla-Lagune, die weniger als 12 km südlich von Doha, der Hauptstadt Katars, liegt.

(gulf-times.com)

Anna Grichting, die an der Universität Harvard in Architektur promoviert hat und auch noch Musikerin ist, lebt seit vier Jahren in Katar. Dort setzt sich die Schweizer Universitätsdozentin für die Rettung des künstlichen Abu-Nachla-Sees ein, der wegen seiner Biodiversität und Vielfalt an seltenen Pflanzen einzigartig ist.

Die aus dem Kanton Wallis stammende Schweizerin, die an der Universität Katar Architektur und Stadtplanung unterrichtet, ist nicht nur Akademikerin. Anna Grichting ist auch Künstlerin. Sie bewegt sich zwischen Gesang und universitären Forschungslabors, zwischen der Tanzfläche und den Ufern der Seen, denen in den Wüsten am Golf die Trockenlegung droht.

Grichting zog in ihrem bisherigen Leben von einem Land und von einem Kontinent zum anderen: Sie lebte in den Vereinigten Staaten, in Grossbritannien, Irland und am Golf. Sie war Mitarbeiterin an Studienteams auf Zypern, in Korea und Deutschland, doch vielleicht ist Unterrichten ihre grösste Leidenschaft. Erst wirkte sie an der Universität Genf, später in Harvard, und bei der Agha Khan Stiftung für Entwicklung lancierte sie ein Erziehungsprogramm, das der Förderung des Friedens dienen soll. Vor ein paar Jahren gründete sie zusammen mit Musikern aus der Schweiz, Syrien, den USA, Ägypten und Katar zudem eine internationale Gruppe, die sich "Brücken der Wüste" nennt.

Bewahrung des ökologischen Systems

Zu ihren neuesten innovativen Ideen gehört ein Entwicklungsprojekt für den Abu-Nachla-See, der gerade mal zwölf Kilometer südlich der katarischen Hauptstadt Doha liegt. Als sie erfuhr, dass der Abu-Nachla-See trockengelegt werde sollte, wurde ihr klar, wie wichtig der Entwurf von Strategien zur Rettung des Sees ist.

Beim Abu-Nachla handelt es sich um einen neun Quadratkilometer grossen See, der im Jahr 1982 am Südrand eines alten Dorfes, das diesen Namen trägt, angelegt wurde. Der See entwickelte eine einzigartige Biodiversität und eine grosse Vielfalt an seltenen Pflanzen. Er erhält sein – zweimal behandeltes – Wasser von zwei Kläranlagen südlich und westlich von Doha. Der See figuriert auf der Liste der weltweit schützenswerten Naturreservaten.

Nach Einschätzung von Anna Grichting könnte dieses Wasser auch landwirtschaftlich genutzt werden, es benötige lediglich einen weiteren Reinigungsprozess. Würde es ein viertes und fünftes Mal gereinigt, so könnte es gar beim Anbau von Nahrungsmitteln verwendet werden, meint die Dozentin.

Wasserreichtum erhalten

Die Schweizer Architektin ist der Meinung, dass man in Katar, dem Land mit dem weltweit höchsten Pro-Kopf-Verbrauch von Wasser (etwa 500 l pro Person und Tag), nochmals über das Schicksal dieses Sees nachdenken sollte, bevor man irgendwelche Massnahmen ergreift.

Es müssten neue Techniken und Systeme gefunden und Umweltmethoden entwickelt werden, so Grichting. Sie schlägt etwa die Schaffung eines Zentrums zur Erforschung der Seen in Trockengebieten vor - ein ideales Instrument zur Kooperation der Golfstaaten auf diesem Gebiet, findet die Schweizerin.

Zudem sieht sie die Möglichkeit, ein ökologisches Bewässerungssystem einzurichten – unter Einsatz von Bäumen mit tiefreichenden Wurzeln, die bis an den Wasserspiegel gelangen. Solche Bäume könnten am Seeufer entlang gepflanzt werden, um dem Versickern des Wassers entgegenzuwirken. Hier stütze man sich auf Ökotechnik.

Schutz der Zugvögel

Seit Anna Grichting im Jahr 2011 erstmals katarischen Boden betreten hat, surft sie bei Google-Earth, um mehr über die Gegend zu erfahren, in der sie seit vier Jahren wohnt. So entdeckte sie auch diesen See, den Abu-Nachla. Wenn sie aber jemanden fragte, ob er den See kenne, erhielt sie nur selten eine positive Antwort. Ausnahmen waren Personen, die gern Zugvögel beobachten, und… Vogeljäger! 240 Vogelarten besuchen alljährlich im November und Dezember diesen See.

Im Augenblick arbeitet die Schweizerin daran, das Gebiet in ein Naturreservat umwandeln zu lassen, wozu auch die Einrichtung einer ökologischen Basisinfrastruktur für den Tourismus und eines botanischen Gartens gehören würde. Ausserdem soll ein regionales Zentrum für die Golfregion entstehen, in dem die Seen und Düngemittel - natürliche und künstliche - gleichermassen, studiert werden.

Obwohl das staatliche katarische Amt für öffentliche Arbeiten beschlossen hat, dieses Projekt zur Wiederherrichtung des Sees nach ökologischen Kriterien auf seine Prioritätenliste zu setzen, glaubt Grichting, dass die Zeit nicht für das Projekt arbeite. Die Rolle der Architekten und Design-Fachleute bestehe augenblicklich darin, "über eine künftige Gestaltung nachzudenken, sich dabei aber auf verfügbare Informationen zu stützen, die entweder durch Besichtigung vor Ort oder durch Heranziehung schon vorgenommener Studien gewonnen werden".

Die Rolle von Social Media

Besonderen Wert legt die Schweizer Dozentin auf die Beteiligung der Jungen und die Nutzung der sozialen Medien, um auf das Abu-Nachla-Projekt aufmerksam zu machen. Bei der Entwicklung von Ideen und Konzepten ökologischer Alternativen stützt sie sich auf die Ergebnisse der Studien von Rana al-Amâwi. Besonders die Idee der Schaffung eines Vereins "Freunde von Abu Nachla" kommt bei einzelnen Gruppenmitgliedern gut an.

"Wir könnten einen Beitrag zur Wiederherstellung dieses Sees und der angrenzenden Feuchtgebiete leisten, was nicht nur die Nahrungs- und Wassersicherung im Land erhöhen dürfte, sondern auch das kontinuierliche soziale Wachstum und die Attraktivität der Umgebung von Doha." Denn durch die Verwendung gereinigten Wassers lasse sich ein grünes Netzwerk schaffen, das sich positiv auf die gesamte Region auswirken werde.

"Die Biodiversität ist schon an sich wichtig und notwendig, aber in städtischer Umgebung ist sie noch viel wichtiger und dringlicher. Während sich die Stadt Tag für Tag weiter ausdehnt, müssen wir die ökologische Diversität in der Umgebung planen, und zwar mehr als je zuvor."

Hinzu komme, dass die Golfregion an akutem Regenwassermangel leide, betont Griching. "Gleichzeitig besitzt sie aber viel gebrauchtes Wasser. Deshalb ist die Anlage von Seen wichtig. In Europa wird diese Art von Seen sogar zur Speicherung von Trinkwasser benutzt."


(Adaption aus dem Arabischen: Hartmut Fähndrich)

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