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ASO Deutschland


Die Angst der ASO vor der Bedeutungslosigkeit


Von Petra Krimphove, Weimar


Die Auslandschweizer-Organisation ASO kämpft um ihre Legitimation. Beim Treffen der deutschen Mitgliedsvereine mahnte Präsident Remo Gysin eine Öffnung und Erneuerung der weltweiten Schweizer Clubs an. Sonst könne die Organisation nicht mehr beanspruchen, die Stimme ihrer Landsleute zu sein.

Warnte in Weimar eindringlich vor einem Versinken der ASO in die Bedeutungslosigkeit: Präsident Remo Gysin. (Bild vom Auftritt an der 25-Jahr-Feier des Auslandschweizerplatzes in Brunnen am 15. April 2016). (Keystone)

Warnte in Weimar eindringlich vor einem Versinken der ASO in die Bedeutungslosigkeit: Präsident Remo Gysin. (Bild vom Auftritt an der 25-Jahr-Feier des Auslandschweizerplatzes in Brunnen am 15. April 2016).

(Keystone)

"Wenn wir nicht bedeutungslos werden wollen, müssen wir uns verändern", bekräftigte der aus der Schweiz angereiste Präsident der ASO-Dachorganisation. Nur noch rund drei Prozent aller Auslandschweizer seien weltweit in der ASO organisiert. Aus ihren Reihen werden jedoch sämtliche Mitglieder des Auslandschweizerrates ASR gewählt.

Der Rat definiert sich wiederum als "Parlament der Fünften Schweiz" und damit als Vertreter aller Auslandschweizer. Das heisst: Aus einem Pool von drei Prozent speist sich ein wichtiges Sprachrohr aller im Ausland lebenden Schweizer.

Diese Diskrepanz ist für Gysin nicht mehr hinnehmbar. "Es besteht grosser Diskussionsbedarf in den Schweizer Vereinen", betonte der frühere sozialdemokratische Basler Nationalrat, der seit November 2015 die ASO führt. Diese seien in ihrer Struktur häufig zu alt, zu klein und zu unattraktiv für den Nachwuchs.

Entweder öffneten sich die Clubs und bemühten sich gezielt um neue und jüngere Mitglieder. Oder aber der Auslandschweizerrat (ASR) müsse ernsthaft über seine Legitimation nachdenken, sich als Repräsentanz der in der Welt verteilten Eidgenossen zu verstehen.

Lichtlick bei Bankkonten

Die jährlichen Treffen der ASO Deutschland dienen der Vernetzung und dem geselligen Zusammensein, bieten jedoch auch zahlreiche Informationsvorträge und Debatten.

Am Jahrestreffen 2016 in Weimar standen unter anderem die Themen Altersrente, bedingungsloses Grundeinkommen, öffentliche Infrastruktur, Krankenversicherung, E-Voting und Banken auf dem Programm.

Bei dem letzten Thema gab es Erfreuliches zu berichten: Während noch vor einem Jahr viele Schweizer Institute die Konten von Auslandschweizern entweder schlossen, horrende Gebühren verlangten oder Kontoeröffnungen ablehnten, scheint der Druck auch der ASO Wirkung zu zeigen. Immer mehr eidgenössische Banken seien wieder bereit, Konten von Auslandschweizern zu führen, bestätigte Elisabeth Michel. Eine grundsätzliche Lösung stehe aber nach wie vor aus. 

"Das könnte langfristig zu seiner Schicksalsfrage für die ASO werden", sagte Remo Gysin am Rande der Tagung zu swissinfo. Einer seiner Vorschläge lautet, das Gremium für alle Schweizer zu öffnen und eine Wahl nicht an die Mitgliedschaft in der ASO zu knüpfen. Damit könne man den Auslandschweizerrat auf eine breitere Basis stellen.

Frischer Wind nötig

Auch in Deutschland plagt die ASO Nachwuchssorgen. "Das Durchschnittsalter in den Clubs ist viel zu hoch", beklagte Elisabeth Michel, Präsidentin der ASO Deutschland. Sie sparte in Weimar nicht mit Kritik an den eigenen Reihen. Drei Vereine schlossen im vergangenen Jahr ihre Bücher, nun existieren noch 40 zwischen Nordsee und Alpen, Tendenz weiter sinkend. "Einige Vereine schotten sich zu sehr ab und sind für Familien unattraktiv", so Elisabeth Michel. Mancherorts bleibe man bewusst lieber unter sich, anstatt neue Mitglieder mit offenen Armen zu empfangen.

"Wir brauchen mehr als Fondue- und Raclette-Abende", bekräftigte auch Katharina Trierscheidt, die jüngst den Vorsitz der "Schweizer Gesellschaft Frankfurt am Main" übernommen hat, gegenüber swissinfo.ch. Nun versucht sie dort, mit frischem Wind neue Mitglieder anzuwerben und zugleich die alten davon zu überzeugen, sich selber mehr einzubringen.

Dabei sind ASO-Präsidentin Elisabeth Michel die besonderen Probleme bei der Nachwuchsrekrutierung durchaus bewusst: Ein Schweizer Verein sei kein Fussballclub. "Wir haben kein gemeinsames Hobby, uns eint erst einmal nur der Schweizer Pass", so die seit 1973 in Osnabrück lebende Eidgenossin. 

Dennoch ist Elisabeth Michel weit davon entfernt, frustriert aufzugeben. "Unsere jährlichen Treffen sind auch dazu da, uns gegenseitig zu ermutigen weiterzumachen." Zumal der von ihr geleitete "Schweizer Verein Osnabrück" mit 100 Mitgliedern noch auf kräftigen Füssen steht.

Jenseits von Parteiinteressen

Seit Tim Guldimann im Oktober 2015 als Nationalrat in das Schweizer Parlament eingezogen ist, besitzen die Auslandschweizer in der Bundespolitik einen prominenten und engagierten Fürsprecher. Im vergangenen Jahr reiste der SP-Nationalrat noch als Schweizer Botschafter aus Berlin an. Dort lebt er weiterhin mit seiner Familie und vertritt nun in Bern als "Internationalrat" die Interessen seiner Landsleute, die wie er im Ausland leben. Guldimann wurde als einziger von 59 im Ausland lebenden Eidgenossen, die sich zur Wahl gestellt hatten, in den Nationalrat gewählt.

Als Vertreter der Auslandschweizer agiere er dabei jenseits seiner Parteiinteressen, betonte Guldimann in Weimar. "Mir liegt daran, dass die Anliegen der Auslandschweizer in der Breite vertreten sind." Er ermunterte seine Landsleute, den im vergangenen Jahr geschaffenen "Guichet Unique" im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten aktiv zu nutzen. "Der Bundesrat hat uns den Dienst als zentrale Anlaufstelle für alle Anliegen der Fünften Schweiz versprochen. Nehmen Sie ihn in Anspruch. Fordern Sie den Dienst ein mit allen Fragen, die Sie haben", sagte Guldimann zu den Anwesenden.

Selbstbewusst Forderungen stellen

Noch wichtiger sei, dass mehr Auslandschweizer von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten. Auch aus diesem Grund treibt Guldimann in Bern das ins Stocken geratene E-Voting voran. Für Auslandschweizer stellt es häufig den einzigen Weg dar, ihre Stimme abzugeben. Doch nur in der Masse würden sie tatsächlich in der Heimat gehört, so der Nationalrat. Noch immer seien jedoch viele im Ausland lebende Eidgenossen nicht im Wahlregister eingetragen.

ASO Deutschland

Die 40 Vereine der Auslandschweizer-Organisation ASO in Deutschland haben rund 3150 Mitglieder, davon sind etwa ein Fünftel Nichtschweizer, schätzt ASO Deutschland-Präsidentin Elisabeth Michel.

Zur Relation: In Deutschland leben 86'700 Schweizer. Demnach sind nur rund drei Prozent von ihnen in einem Schweizer Club organisiert, der sich der ASO angeschlossen hat.

Der ASO Deutschland stehen acht Sitze in dem 140-köpfigen internationalen Auslandschweizerrat ASR zu. Dieser vertritt die Interessen aller 762'000 im Ausland lebenden Schweizerinnen und Schweizer gegenüber Behörden und Öffentlichkeit in der Schweiz und wird häufig als "Parlament der Fünften Schweiz" bezeichnet. Zweimal im Jahr tritt der Auslandschweizerrat in Bern zusammen.

Quelle: ASO und Auslandschweizerrat

Guldimann forderte die ASO-Mitglieder in Weimar erneut auf, selbstbewusst ihre Interessen wahrzunehmen und Forderungen zu stellen. Auslandschweizer erhielten nicht die Aufmerksamkeit und den Respekt, die sie verdienten. Dabei seien sie von der Zahl mit den Einwohnern des Wallis oder des Tessins vergleichbar.

"Wir müssen die Anliegen und Inhalte der Auslandschweizer vorantreiben", so Guldimann. Er spüre in Bern durchaus eine Offenheit für die Interessen der Fünften Schweiz. "Die müssen wir ausnützen."

Während der Wahlberliner sich in der Rolle des streitbaren Parlamentariers sichtlich wohl fühlt, übte sich seine Nachfolgerin in Berlin, Christine Schraner Burgener in gekonnter Diplomatie. Sie berichtete in Weimar über aktuelle Themen aus dem Verhältnis zwischen Deutschland und der Schweiz. Das ist weiter von dem Votum zur Masseneinwanderungs-Initiative geprägt. Schraner Burgener liess durchscheinen, dass auch sie nicht glücklich über die vielen Komplikationen ist, die der Ausgang der Abstimmung mit sich gebracht hat.

Doch ihr Blick ist nach vorne gerichtet. "Wir müssen nach Lösungen suchen. Das ist im Interesse beider Seiten", betonte sie mit Blick auf die Gespräche zwischen Bern und Brüssel, in denen ausgelotet wird, ob die Umsetzung des Referendums mit der von Brüssel verlangten Personenfreizügigkeit in Einklang zu bringen ist. In Berlin bekomme sie sehr viel guten Willen zu spüren, so die Diplomatin.  

Die EU und die Schweiz brauchen einander, unterstrich Schraner Burgener. Hinter den Kulissen werde fieberhaft an einer Strategie gearbeitet. "Die Zeit rennt". Derzeit sei die EU allerdings auf den Brexit fokussiert, das im Juni anstehende Referendum über den möglichen Austritt Grossbritanniens aus der EU. Danach sehe man weiter.

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