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Bürgerbeteiligung der Jugend


Tanzt, singt, feiert… und vergesst nicht, abzustimmen




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Ein Briefkasten für Abstimmungs-Kuverts in einem Konzertlokal? Eine originelle Idee des Jugendrats Freiburg soll die Beteiligung an der Abstimmung vom 27. November über die Atomausstiegs-Initiative ankurbeln.

Es ist möglich, gleichzeitig Musik, Party und Politik zu lieben. (fri-son.ch)

Es ist möglich, gleichzeitig Musik, Party und Politik zu lieben.

(fri-son.ch)

"Ganz ehrlich: Ich bin nicht überzeugt, dass viele Abstimmungs-Kuverts in diesem Briefkasten landen werden, aber wir haben ihn als Symbol hier platziert, um Aufmerksamkeit zu erregen", gibt Yasmina Savoy zu, Gymnasiastin im dritten Jahr und Präsidentin des Jugendrats Freiburg (CJR). Der CJR wird von den Jugendsektionen der sieben wichtigsten Parteien im Kanton unterstützt.

In der Schweiz erhält jeder Bürger und jede Bürgerin das Stimm- und Wahlmaterial nach Hause geliefert, mit der Möglichkeit, brieflich abzustimmen. Es reicht dabei, den Zettel auszufüllen, das Kuvert zu verschliessen und im Abstimmungsbüro der Gemeinde abzugeben oder in einen gelben Briefkasten der Post zu werfen. In einigen Kantonen ist sogar das Porto gratis.

Genauso einen gelben Briefkasten haben Mitglieder des CJR nun im Eingang des Fri-Son aufgestellt, wo sich in der Stadt Freiburg die aktuelle Musikszene trifft. An einem Ort, wo schon Stars wie Nirvana, Muse oder Stromae aufgetreten sind, erwartet niemand jüngere und weniger junge Bürgerinnen und Bürger, die an der Bar ihre Wahl- und Abstimmungszettel ausfüllen und anschliessend das Kuvert zukleben. Die Idee ist vielmehr, dass die Leute ihr Material daheim ausfüllen und im Fri-Son nur noch das Kuvert einwerfen.

Ein grosses Schild macht auf den Briefkasten aufmerksam, und der CJR verteilt Flyer, um auf die Wichtigkeit der Abstimmung vom 27. November aufmerksam zu machen. Es geht dabei um die Abschalttermine der Schweizer Kernkraftwerke. Auf kantonaler Ebene wird zudem die zweite Runde der Regierungswahlen durchgeführt.

Die Jugendinitiative "Vote And Party" provozierte im Internet zahlreiche Kommentare, nachdem die französischsprachige Redaktion der Gratiszeitung 20 Minuten über die Aktion berichtet hatte. Einige kommentierten eher sarkastisch. "Neues Motto: betrunken abstimmen", schrieb einer. "Stimmen wir ab, bevor oder nachdem wir uns besaufen?", fragte ein anderer. Im gleichen Ton warnte ein Dritter davor, dass "einige nach ein paar Gläsern vielleicht den Eindruck haben, sie hätten doppelt abgestimmt".

Doch Yasmina Savoy lässt sich dadurch nicht beirren: "Jene, die sich im Internet lustig machen, sind nicht unbedingt jene, die etwas zu sagen haben. Ich stelle fest, dass wenn ich im Gespräch mit meinen Freunden über Politik rasch an einen Punkt gelange, wo klar wird, was alle ändern möchten. Eine Möglichkeit dazu ist, sich zu engagieren, zuallererst an der Urne."

"Abstimmungs-Bewegung"

Doch die Freiburger Jugend ist nicht einzig über den CJR politisch aktiv: Ende Oktober gewann eine Schulklasse von 14- bis 15-Jährigen aus Châtel-Saint-Denis im Süden des Kantons den Schulpreis des Wettbewerbs "CinéCivic". Dies mit einem sehr dynamischen, kurzen Film namens "Abstimmungs-Bewegung" ("Mouvement de vote"). 

Dieser Wettbewerb wird seit 2013 jährlich vom Kanton Genf ausgerichtet. Der vierten Ausgabe haben sich auch die Kantone Neuenburg, Waadt, Freiburg und Bern angeschlossen. Jugendliche zwischen 12 und 25 Jahren werden aufgerufen, Plakate oder Kurzfilme von 30 bis 90 Sekunden einzureichen, die sowohl von der technischen Machart wie auch inhaltlich junge Menschen zur Stimmabgabe motivieren. Dieses Jahr konnte die Jury aus 45 Filmen und 134 Plakaten auswählen.

Beteiligung auf Halbmast

In der Schweiz wird viermal jährlich abgestimmt (auf eidgenössischer Ebene, aber auch oft kantonal und kommunal), doch die Beteiligung übersteigt selten 50%.

2015 wurde eine durchschnittliche Beteiligung von 43% bei Abstimmungen verzeichnet (Initiativen und Referenden). Bei den Eidgenössischen Wahlen im Herbst jenes Jahres lag die Stimmbeteiligung bei 48,5%.

Wenn man die Gruppe der 18- bis 29-Jährigen betrachtet, sind die Zahlen noch prekärer: Sie liegen durchgehend zwischen 15 und 20 Prozentpunkten unter den Kategorien der älteren Bürgerinnen und Bürger.

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