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Schweizer Einsatz für mehr Ethik in Chinas Wirtschaft

Wirtschaftsethiker Stephan Rothlin:"Die Umsetzung bleibt die grosse Herausforderung". (Kipa)

(Kipa)

Der Schweizer Wirtschaftsethiker Stephan Rothlin möchte sein Fach im Reich der Mitte verankern. Damit soll das schnelle Wachstum menschlicher gestaltet werden.

Dies könne jedoch nur erreicht werden, wenn Wirtschaft und Investoren sich auch um die Bildung von wirtschaftsethischen Standards bemühten.

China hat Hunger und Armut erfolgreich bekämpft und eine Wirtschaft geschaffen, die derzeit schneller wächst als die Weltwirtschaft: So lautet die Bilanz von Stephan Rothlin, zuvor Professor für Wirtschaftsethik an der Universität Zürich.

Trotz massgeblicher Fortschritte auf Gesetzesebene, bei Arbeitsrechten und Umweltschutz spricht Rothlin vom "wilden Osten" und einem "brutalen Kapitalismus": Arbeitsrechte würden insbesondere in den "Sweatshops" (Schwitzkästen) der Sportindustrie unterlaufen und durch Korruption untergraben. Zudem seien die ausbeuterischen Löhne so tief wie kaum irgendwo.

Zu verheerenden Umweltkatastrophen und Minenunfällen hinzu kommt die Tatsache, dass sich die sozialen Gegensätze verschärft haben – insbesondere zwischen den Städten und den ländlichen Regionen, wo die Arbeitslosigkeit enorm hoch ist.

Standards entwickeln

Die Arbeit des 47-jährigen Wirtschaftsethikers und Soziologen Stephan Rothlin setzt bei der Verantwortung der Wirtschaft an: Seit acht Jahren unterrichtet er in Peking an verschiedenen Universitäten Wirtschaftsethik und hat 2004 das "Center for International Business Ethics" (CIBE) sowie die "Association for International Business Ethics" (AIBE) in Hongkong mitgegründet.

Mit Seminaren unterstützen diese Institutionen lokale und ausländische Firmen bei der Ausarbeitung von ethischen Standards, bieten Kurse für Wirtschaftsvertreter an und vernetzen Unternehmen mit Regierungen, Zivilgesellschaft und Forschung.

In Zusammenarbeit mit der "Peking University Press" betreut Rothlin zudem die Herausgabe von Lehrbüchern über Wirtschaftsethik in Chinesisch.

"Mein Fach ist in China neu und unser Angebot äusserst gefragt", berichtet Rothlin über seine Tätigkeit, die aus der Schweiz vom Hilfswerk Fastenopfer unterstützt wird.

Auch positives Echo

Viele Management-Absolventen reagierten positiv, weil sie von unlauteren Praktiken in der Privatwirtschaft enttäuscht seien. Andere hingegen wollten nicht mit ethischen Fragen Zeit verlieren und vor allem schnell zu Geld kommen.

"Viele Unternehmer beginnen aber zu verstehen, dass sich ethisches Wirtschaften bezahlt macht", weiss Rothlin. Angesichts der Tatsache, dass die Medien auch in China kritisch über Korruption und Skandale berichten, hätten bereits viele Unternehmen Sozialstandards entwickelt.

"Deren Umsetzung bleibt die grosse Herausforderung", betont Rothlin. Als Beispiel nennt er eine chinesische High-Tech-Firma, die für ihre Standards bekannt sei – die Angestellten jedoch hätten davon kaum je gehört.

Interesse in den USA und Indien

Für Stephan Rothlin ist Wirtschaftsethik nicht nur in China ein Anliegen, sondern es müsse international umgesetzt werden. Das zeigten Ereignisse wie der Enron- oder Parmalat-Skandal.

In Asien allerdings seien die Herausforderungen grösser, nicht zuletzt weil ausländische Investoren sich teils immer noch in einem korrupten Umfeld arrangierten und gegen eigene Standards bei den Zulieferern beide Augen zudrückten.

"Spätestens seit dem Google-Skandal, wo die Firma zuliess, gewisse heikle Webseiten zu blockieren, haben die Investoren verstanden, dass Wirtschaftsethik auch für China ein Thema sein muss", bilanziert Rothlin.

Darum hält er über sein Thema auch Vorträge in den USA und in Indien und ist regelmässig Gast an Wirtschaftsschulen in Asien und Frankreich sowie am Institut für Empirische Wirtschaftsforschung der Universität Zürich, wo er zwischen 1992 und 1998 lehrte.

swissinfo und Dominique Schärer, InfoSüd

Katholische Soziallehre

Eine Orientierungshilfe für ein nachhaltiges Wachstum sieht Stephan Rothlin in der weitgehend unbekannten katholischen Soziallehre.

Sie stehe unter anderem für Werte wie gerechte Löhne, menschenwürdige Arbeitsbedingungen, Solidarität, gesellschaftliche Verantwortung und die gerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen.

In Hongkong, wo christliche Institutionen anerkannt seien, könne die katholische Soziallehre explizit beigezogen werden, sagt Rothlin. Auf dem chinesischen Festland hingegen will er deren Gedankengut indirekt einbeziehen.

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