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Spar- und Leihkasse Thun


Ein Bankensturm in der Schweiz – könnte es wieder passieren?




Kunden standen 1991 mit dem Sparbüchlein in der Hand Schlange vor ihrer Bank. (Keystone)

Kunden standen 1991 mit dem Sparbüchlein in der Hand Schlange vor ihrer Bank.

(Keystone)

Die Bilder gingen um die Welt: Vor 25 Jahren standen Kunden der Spar- und Leihkasse Thun Schlange, mit dem Sparbüchlein in der Hand, um wenigstens einen Teil ihres Ersparten zu retten. Viele Kunden verloren damals einen grossen Teil ihres Vermögens. Könnte ein solcher Bankensturm heute wieder passieren?

Für die Betroffenen war es dramatisch, als im Oktober 1991 die Aufsichtsbehörde der Spar- und Leihkasse Thun (SLT) im Berner Oberland die Lizenz entzogen hat. So bekam zum Beispiel Kurt-Peter Schweizer, ein Kunde der Bank, die Pleite hautnah mit.

Als Portier im Bundeshaus, wo die Medienkonferenz der Bankenkommission zur Zwangsschliessung der Bank abgehalten wurde, musste er auch die Verantwortlichen der SLT willkommen heissen: "Für mich war das der bisher schlimmste Moment im Leben. Ich musste um Selbstbeherrschung kämpfen." (siehe Video)

Der Grund für das Ende der SLT war eine viel zu lockere Kreditvergabe zum Kauf von Liegenschaften. Als die Immobilienblase der Achtzigerjahre geplatzt war, bedeutet dies das Ende der Bank. Einige Rahmenbedingungen sind heute ähnlich wie damals. Ob es heute wieder zu einem Crash wie bei der SLT kommen könnte, hängt wesentlich von fünf Faktoren ab.

1. Das Geschäftsmodell

Das Geschäftsmodell einer Retailbank, also einer Bank im Kleinkundengeschäft, besteht zum grössten Teil darin, dass sie Spargelder entgegennimmt und als Kredite an andere Kunden vergibt. Dabei ist der Zins, den die Sparer erhalten, niedriger als der Zins, den die Kreditnehmer bezahlen müssen. Die Differenz, die Zinsmarge, ist der Profit der Bank.

Wenn sich eine Bank auf mehrere Standbeine abstützt, also zum Beispiel auch Dienstleistungen wie die Vermögensverwaltung oder den Handel, ist das Risiko geringer, dass ein Immobiliencrash auch die Bank ins Wanken bringt. Heute erwirtschaften die Schweizer Retailbanken zwei Drittel des Ertrags im Zinsgeschäft. Vor zwanzig Jahren waren es noch 72%, die Diversifikation hat also deutlich zugenommen.

2. Zinsbewegungen

Derzeit ist das Zinsniveau sehr tief, ein Hypothekarkredit über zwei Jahre ist im Mittel für rund 1% Jahreszins zu haben. Das bedeutet, dass die Banken weniger verdienen, weil der Zins auf einem Sparkonto für Kleinkunden nicht unter null gesenkt werden kann.

Richtig gefährlich wird es, wenn die Zinsen schnell steigen: Da Kredite durchschnittlich eine längere Laufzeit haben als die Kündigungsfrist für Spargelder dauert, kann sich für die Bank rasch ein grosses Verlustgeschäft ergeben. Dessen ist sich die Nationalbank allerdings bewusst. Sie wird sich gegen einen schnellen Zinssprung stemmen, ihre Möglichkeiten sind aber beschränkt.

3. Immobilienpreise

Vor der Pleite der SLT boomte der Immobilienmarkt. Nach dem Crash der Aktienmärkte 1987 investierten viele Anleger in Immobilien, was die Preise in die Höhe trieb. Es gibt Parallelen zu heute: Auch jetzt steigen die Immobilienpreise in der Schweiz, weil die Investoren angesichts der tiefen Zinsen und der sich flach entwickelnden Aktienmärkte kaum eine andere Anlagemöglichkeit sehen.

Die Grossbank UBS analysiert den Markt regelmässig und das Risiko einer Immobilienblase ist schon wieder fast so hoch wie Ende der Achtzigerjahre (siehe Chart).

Besondere Risiken sieht sie in den Grossstädten und in einigen Tourismusregionen (vgl. Karte).

 (swissinfo.ch)
(swissinfo.ch)

4. Eigenkapitalregeln

Die Finanzmarktaufsicht schreibt den Banken vor, für den Notfall ausreichend Eigenkapital zu halten. Wie hoch diese Reserve sein soll, hängt von vielen Faktoren ab und unterliegt komplizierten Berechnungen. Zudem wirken diese Regeln natürlich nur, wenn sie auch eingehalten werden. Das war bei der SLT nicht der Fall, wobei auch die Kontrollen der Aufsicht noch nicht so streng waren wie heute.

Ausgelöst durch die Immobilienkrise vor 25 Jahren und die Finanzkrise vor der letzten Jahrzehntewende hat die Schweizerische Finanzmarktaufischt die Zügel angezogen. Es wird mehr Kapital verlangt und besser kontrolliert. Zudem setzen sich die Banken vermehrt selbst Regeln, etwa was die Vergabekriterien von Hypotheken angeht.

5 Einlagesicherung

Geht eine Bank heute Konkurs, sind die Spargelder der Kunden bis zu einem Betrag von 100‘000 Fr. durch die Einlagensicherung abgedeckt. Davon konnten die Kunden der SLT noch nicht profitieren, denn die Einlagensicherung wurde erst 2005 gegründet.

Direkt reduziert diese Sicherheit das Risiko einer Bankpleite zwar nicht, indirekt aber schon: Wenn die Kunden wissen, dass sie ihr Erspartes auch im Notfall zurückbekommen, reagieren sie gelassener, wenn die Bank in eine Krise gerät. Möglicherweise werden sie dann nicht gerade das ganze Geld auf einmal zurückziehen.

Fazit

Das Zinsniveau und die hohen Immobilienpreise sind besorgniserregend. Doch die Schweizer Bankbranche hat aus früheren Krisen gelernt: Die Institute verfolgen heute breiter abgestützte Geschäftsmodelle und der Regulator fordert ein dickeres Sicherheitspolster. Ein Bankensturm kann zwar nie ganz ausgeschlossen werden, aber das Risiko ist in der Schweiz derzeit gering.

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