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Umstrittene Werbung am Piz Corvatsch

Eine schöne Dezembernacht in Graubünden.

(Keystone)

Ein riesiges Werbe-Dia erleuchtet nachts den Engadiner Berg. In den kommenden sechs Wochen soll das Bild in der Grösse von vier Fussballfeldern auf den Piz Corvatsch projiziert werden.

Die Initiative zum 100-jährigen Bestehen der Bergbahnen Engadin / St. Moritz hat heftige Kritik ausgelöst. Am Freitag hat auch der Schweizer Heimatschutz dagegen protestiert.

Ein Projektor der Superlative erlaubt es, mit einer Leistung von 12'000 Watt Reklame von der Mittelstation der Corvatschbahn an den 950 Meter entfernten Nordhang auf rund 3000 Metern Höhe zu werfen.

Mit 163 auf 163 Meter ist das Standbild so gross, dass die Promotoren den Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde beantragt haben. Am Mittwochabend wurde das Jubiläumslogo der Bahnen erstmals projiziert. Der Berg soll im Januar und Februar während sechs Wochen zum Reklameträger werden.

Doch es handelt sich nicht nur um Werbung in eigener Sache, bemängeln aufgebrachte Kritiker. Auch das Markenzeichen eines Kaugummi-Produzenten werde im Hochgebirge zu sehen sein, heisst es in Leserbriefen in der Bündner Presse.

Heimatschutz fordert Einstellung der Illumination

Laut Dieter Bogner trifft dies zwar zu. Doch würden keine Werbeflächen verkauft, sagte der Geschäftführer der Oberengadiner Bergbahnen. Den Organisatoren einer Freestyle-Schneesportveranstaltung von Mitte Januar sei lediglich die Möglichkeit eingräumt worden, während der Durchführung dafür zu werben.

Im Standbild dieses "Engadin-Snow-Events" integriert sind die Logos der beiden Hauptsponsoren, des Kaugummiherstellers und eines Ausrüstes. Wobei Bogner aufgrund der bescheidenen Grösse daran zweifelt, dass die beiden Schriftzüge überhaupt zu entziffern sein werden.

Die Engadiner Sektion der Schweizer Heimatschutzes hat grundsätzliche Einwände erhoben. Berge für Reklame zu missbrauchen, dürfe nicht sein, hält deren Präsident Johannes Etter fest.

Den Gästen müsse der einmalige Blick in den Sternenhimmel erhalten bleiben. Die Sektion fordert die sofortige Einstellung der nächtlichen Illuminationen.

Silvaplana hat Werbung genehmigt

Genehmigt wurde die Werbung im Hochgebirge von der Standortgemeinde Silvaplana. Laut Bündner Raumplanungsgesetz sind die Gemeinden für Genehmigungen provisorischer Bauten auch ausserhalb der Bauzonen dann allein zuständig, wenn diese nicht länger als ein halbes Jahr stehen bleiben.

Folgerichtig bezeichnete der Chef des kantonalen Amtes für Raumplanung, Cla Semadeni, die Genehmigung gegenüber der "Engadiner Post" als rechtens. Zweifel äusserte hingegen der Leiter des kantonalen Amtes für Natur und Umwelt, Peter Baumgartner.

Er stuft die Reklame als Lichtverschmutzung und einen "unsinnigen Eingriff in die Natur" ein. Um dagegen vorgehen zu können, bräuchte es aber eine Klage. Sein Amt habe nicht die Kompetenz, einen Stopp der Projektionen zu verfügen, sagte Baumgartner.

Claudio Lardi, Vorsteher des Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartements, machte keinen Hehl daraus, dass er persönlich keine Freude an der Projektion hat. Eine Werbebotschaft, die zu Lasten von Natur und Landschaft gehe, sei einfach keine gute Idee, erklärte Lardi.

Diskussion ist nicht neu

Die Diskussion um zuviel Licht in den Nächten, die so genannte Lichtverschmutzung, ist in Graubünden nicht neu. Vor rund vier Jahren wurde die Regierung von 48 Grossratsmitgliedern aufgefordert, etwas gegen die "schleichende Zerstörung der Nacht" zu unternehmen.

Der "Lichtwahn der letzten Jahrzehnte" sei eine Gefahr und eine neue Plage für die Umwelt.

swissinfo und Agenturen

LICHTVERSCHMUTZUNG

Laut dem Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) haben die Lichtemissionen einschneidende Auswirkungen auf Natur und Umwelt.

So wird die Dunkelheit auf immer kleinere Bereiche zurückgedrängt. Im künstlich erhellten Nachthimmel können 20% der Weltbevölkerung, darunter die Hälfte der Einwohner Westeuropas, die Milchstrasse nicht mehr mit freiem Auge erkennen.

Ausserdem können negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier nachgewiesen werden.

Die Lebensweise nachtaktiver Tiere wird beeinträchtigt, teilweise mit tödlichen Folgen.


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