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Vage Erklärung für Zunahme der Drogentoten

Drogen fordern weiterhin Menschenleben.

(Keystone)

Im Jahr 2005 sind in der Schweiz 212 Personen an Drogenkonsum gestorben. Das ist der höchste Stand seit acht Jahren.

Experten beurteilen die Gründe vorsichtig und wollen die Zahlen zuerst analysieren. Vermehrter Mischkonsum und ältere Drogenabhängige könnten ein Grund sein.

Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur AP in sämtlichen Schweizer Kantonen gab es 2005 in der Schweiz 212 Drogentote, die höchste Zahl seit acht Jahren. 2004 wurden 182 Opfer gemeldet, 2003 waren es 194.

Gemäss der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) gingen die Todesfälle in der EU von 8838 im Jahr 2003 auf im Jahr 2004 auf 8306 zurück.

Die EBDD weist allerdings auf die unterschiedlichen nationalen Statistiken hin. Die tatsächliche Zahl werde beträchtlich höher geschätzt, da nicht alle Todesfälle im Zusammenhang mit Drogenkonsum gemeldet würden, schreibt die EBDD.

Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist im vergangenen Jahr weiter zurückgegangen. Das Gesundheitsministerium bestätigte in Berlin den Trend, wonach die Zahl der Todesfälle durch illegale Rauschmittel zum vierten Mal hintereinander sank.

Zahlen analysieren

Die Schweiz würde diesem europäischen Trend zuwider laufen. Ob die hier stark gestiegene Opferzahl ein "statistischer Ausreisser" ist oder ein Trend zu mehr Drogenopfer in den kommenden Jahren, können die Fachleute zum heutigen Zeitpunkt nicht beurteilen.

Jürg Kauer von der Angehörigenvereinigung Drogenabhängiger (ada) in Zürich sagte gegenüber swissinfo, dass er den Befund nicht wissenschaftlich belegen könne. Doch sei er überrascht von der grossen Zunahme.

"Es kann etwas mit dem Trend zur Polytoxikomanie (Mehrfach-Abhängigkeit) zu tun haben. Längst wird nicht nur mehr Heroin genommen. Zudem sinken die Preise für Drogen."

Jakob Huber, Geschäftsleiter der Stiftung Contact in Bern, weiss auch nicht, was hinter der gestiegenen Zahl der Drogentoten steht. "Es gilt nun zu analysieren, warum sie gestorben sind."

Drogenabhängige kommen ins Alter

Seit Jahren bewähre sich die Schweizer Drogenpolitik der vier Säulen. Damit verbunden sei auch eine bessere Betreuung der Drogenabhängigen. Sei es durch kontrollierte Heroin- oder Methadon-Abgabe oder durch Reintegration und Überlebenshilfe.

Das Leben der Drogenabhängigen sei so stabilisiert worden. "Das heisst, sie werden älter und viele sind nun auch alt und gebrechlicher geworden. Möglicherweise sind nun im vergangenen Jahr vermehrt geriatrische Abhängige gestorben.

Den zunehmenden Mischkonsum bestätigt auch Huber. Vor allem en zunehmend exzessiven Kokainkonsum. "Die Schickeria-Droge wurde billiger und ist jetzt zum Normalverbraucher vorgedrungen."

Schweizer Drogenpolitik erfolgreich

Huber und Kauer finden, dass die Schweizer Drogenpolitik mit ihren vier Säulen(Prävention, Therapie, Reintegration und Schadensbegrenzung sowie Repression) erfolgreich sei und weiter verbessert werden müsse.

Beide betonen, auch angesichts der starken Zunahme der Drogentoten, dass die Gesellschaft lernen müsse, mit Drogen zu leben. Drogenfreie Gesellschaften seien ein Illusion.

Die Erfolge seien sichtbar, so Huber: "Die Beschaffungs-Kriminalität ging zurück. Durch kontrollierte Abgaben von Heroin oder Ersatz wie Methadon haben sich der Gesundheitszustand der Abhängigen und die soziale Integration verbessert." Drogenabhängige würden heute von der Gesellschaft mehrheitlich als krank und nicht als kriminell angesehen.

In Zürich und Bern werde man sich weiterhin für die kontrollierte Legalisierung von Drogen einsetzen, nicht aber für die Freigabe.

Jakob Huber sagte weiter, dass mehr und mehr Länder die Schweizer Drogenpolitik nachahmten. "Es sind die Länder, die akzeptiert haben, dass es keine Welt ohne Drogen gibt. Die andern bekämpfen uns weiterhin."

swissinfo, Urs Maurer

Fakten

Drogentote in der Schweiz

2000: 205
2001: 197
2002: 167
2003: 194
2004: 182
2005: 212

Infobox Ende

In Kürze

Die Schweizer Drogenpolitik erfolgt nach dem Prinzip der vier Säulen:

1. Prävention
2. Therapie und Reintegration
3. Schadensbegrenzung (Überlebenshilfe)
4. Repression.

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