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Handelsbeziehungen


Schweizer Firmen wollen zurück in den iranischen Markt




Schweizer Exporte nach Iran könnten sich innert einer Dekade verdreifachen. (Keystone)

Schweizer Exporte nach Iran könnten sich innert einer Dekade verdreifachen.

(Keystone)

Schweizer Unternehmen sollten im Sog des Abkommens zur Beilegung des Nuklearstreits wieder Handelsbeziehungen mit dem Iran aufnehmen. Diese Meinung vertreten Berater aus beiden Länern Die Chancen seien grösser als die Risiken, argumentieren sie.

Iran sei kein einfacher Markt, aber mit einer Bevölkerung, die zehnmal grösser ist als die schweizerische, und seinen bedeutenden Öl- und Gasreserven habe das Land eine attraktive Perspektive. Diese Meinung vertreten Experten. Sie prognostizieren, dass auf Landwirtschaft und Industrie spezialisierte Schweizer High-Tech-Unternehmen im Iran einen Riesenmarkt finden würden, falls das Atomabkommen umgesetzt werde.

Die Schweizer Regierung schätzt, dass Schweizer Exporte in den Iran, die sich im Jahr 2014 auf 610 Millionen Schweizer Franken beliefen, sich innert zehn Jahren verdreifachen werden.

Eine Schweizer Firma, die zurzeit die Möglichkeiten einer Expansion nach Iran sondiert, ist V-ZUG Ltd, die sich auf Haushaltgeräte spezialisiert hat.

"Natürlich suchen wir nach Geschäftsfeldern in verschiedenen Ländern, und in Iran rechnen wir mit einem wieder aufstrebenden Markt", sagt Verkaufsmanager Jean-Luc Bühler gegenüber swissinfo.ch. "Nun schauen wir uns den Markt und dessen Potential an. Wir sind bereits in Kontakt mit potentiellen iranischen Partnern."

Günstiger Moment

Die iranische Wirtschaftsleistung setzt sich laut dem schweizerischen Staatssekretariat für Wirtschaft SECO zu 45% aus dem Bereich Dienstleistungen, 44% Industrie und zu 10,5% Landwirtschaft zusammen. Die schweizerischen Direktinvestitionen sind in den letzten Jahren signifikant gestiegen, und die Schweiz hat mit Iran ein Doppelbesteuerungsabkommen, ein Abkommen über die Förderung und den Schutz von Investitionen sowie ein Luftverkehrsabkommen abgeschlossen.

"Der Moment, um den iranischen Markt zu studieren und Kontakte zu knüpfen, ist gut" sagte Sonja Hürlimann, Ressortleiterin für den Mittleren Osten und Afrika beim SECO kürzlich an einem Wirtschaftsforum in Zürich. "Die Mitbewerber schlafen auch nicht."

Öl- und Gasreserven

Iran exportierte im Jahr 2014 lediglich Güter für 30 Millionen Franken in die Schweiz. Doch die islamische Republik verfügt über 11% der weltweiten Ölreserven und über 15% der Gasvorkommen.

"Es ist kein einfacher Markt, das wissen wir alle. Ein erfolgreicher Markteintritt muss gut vorbereitet sein", sagte Daniel Küng, CEO der Exportförderungsagentur Switzerland Global Enterprise. "Wir hoffen, dass es sich um den Startschuss einer langen gemeinsamen Reise handelt."

Iran wird für das Business eine Herausforderung bleiben, "aber man muss nicht Wissenschaftler sein, um zu sagen, dass es eine der grossen Gelegenheiten ist", sagte der Unternehmer und Gründer der Biotechfirma AB2 Bio Ltd., Barthelemy Helg.

Der iranische Anwalt Gholamerza Rafiei sagte, er bekäme täglich Anfragen von Schweizer Firmen, die um Auskunft über den iranischen Markt ersuchten. Die grössten Möglichkeiten gäbe es in den Bereichen Lebensmittel, Sanitär, Pharma. Kosmetik, Versicherungen, Banking und Luftfahrt.

Vetternwirtschaft und Korruption

Der Direktor der iranisch-schweizerischen Handelskammer Sharif Nezam-Mafi sagte, Iran sei daran, "sich wieder der internationalen Gemeinschaft anzuschliessen". Er warnte aber gleichzeitig vor der "unglaublich ausgeprägten" Korruption und vor Vetternwirtschaft innerhalb der Bürokratie.

Das am 14. Juli 2015 abgeschlossene Abkommen zwischen China, Russland, den USA, Deutschland, Frankreich und Grossbritannien mit dem Iran zur Klärung des Nuklearstreits markierte das Ende von 12 Jahre dauernden Gesprächen in Genf und Lausanne.

Die Schweiz vertritt seit 35 Jahren die Interessen der USA im Iran. Am Wirtschaftsforum in Zürich nannte der Schweizer Botschafter im Iran, Giulio Haas, das Land "einen Pol der Stabilität, in einer äusserst instabilen Region" und ermunterte die Schweizer Wirtschaftsführer, ihre möglichen Vorurteile wegzulegen. "Iran gilt immer noch – wenigstens in den Augen der USA – als grösster staatlicher Unterstützer des Terrorismus. Das werden wir nicht so schnell ändern können. Doch von einem wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet ist Iran ein recht gut entwickelter Markt."

Als dominante Kraft zurückkehren

Laut Haas dürfte das Nuklearabkommen im ersten Quartal 2016 in Kraft treten.

Das Abkommen beinhaltet den Verzicht Irans auf sein Atomprogramm und sieht im Gegenzug die Aufhebung der UNO- und EU-Sanktionen vor, die der iranischen Wirtschaft stark zugesetzt haben.

Das Atomabkommen gilt als eines der wichtigsten aussenpolitischen Projekte der US-Regierung. Die Republikaner torpedieren Barack Obamas Vorhaben im Kongress - und wollen es mit einer einfachen Mehrheit verhindern. Doch dagegen wird der Präsident sein Veto einlegen und das Abkommen so durchbringen.

Der UNO-Sicherheitsrat hat das Abkommen im Juli ohne Gegenstimme gutgeheissen und eine Resolution verabschiedet, wonach die internationalen Sanktionen innert 90 Tagen aufgehoben werden sollen.

Der ehemalige Schweizer Botschafter im Iran, Philippe Welti, rechnet mit einem starken wirtschaftlichen Aufschwung im Iran. "Wenn die Sanktionen einmal aufgehoben sind, wird das das ganze Potential der iranischen Wirtschaft und Gesellschaft entfesseln. Das bedeutet nicht mehr Krieg oder Frieden in der Region, aber mit Iran könnte die dominante regionale Kraft auf die Bühne zurückkehren."


(Übersetzt aus dem Englischen: Andreas Keiser)

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