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Technologie zum Anfassen


Maker Faire: Die Geeks kommen


Von Martina Kammermann, Zürich


Besuchende können die Erfindungen der Aussteller gleich vor Ort auf Herz und Nieren prüfen. (Martina Kammermann/swissinfo.ch)

Besuchende können die Erfindungen der Aussteller gleich vor Ort auf Herz und Nieren prüfen.

(Martina Kammermann/swissinfo.ch)

In Zürich fand Mitte September die erste "Maker Faire" der Schweiz statt. Was ist das? Und wo steht diese Bewegung in der Schweiz?

Intelligente Biergläser, Augmented-Reality-Programme, sozial vernetzte Schreibmaschinen, tanzende, zeichnende oder kriechende Roboter: Dies und vieles mehr konnte man an einem Wochenende im September an der ersten Mini Maker Faire in Zürich entdecken.

Rund hundert Aussteller – darunter Designer, Ingenieurinnen, Hobby-Bastler, Wissenschaftlerinnen, Künstler und Programmierer – kamen im Jugendzentrum Dynamo zusammen, um sich auszutauschen und die Schweizer Do-it-yourself-Kultur zu feiern.

Es war das erste Mal, dass sich die Schweizer Techie-Szene im Rahmen einer Maker Faire traf. Maker Faires finden regelmässig auf der ganzen Welt statt: Alleine im September werden in den USA fünfzehn und in Europa acht davon durchgeführt. Das Technologiefestival, das 2006 von der kalifornischen Plattform Maker Media ins Leben gerufen wurde, bringt technologiebegeisterte Menschen zusammen und gibt ihnen – im Stil einer Messe – Gelegenheit, ihre Produkte und Projekte zu präsentieren.

Maker-Projekte verbinden Elektronik und digitale Fabrikationsmethoden wie 3D-Druck oft mit Handwerk und Kunst. Der Software-Ingenieur Isaac Alonso zum Beispiel hat einen Roboter entwickelt, der Vier-Gewinnt spielen kann. "Es macht einfach Spass, das Virtuelle mit neuen Gebieten zu verbinden und greifbar zu machen."

Die Besucher schmunzeln, wenn sie seine Erfindung sehen. Man merkt: Es ist nicht nur ein Szenetreffen, sondern auch viele Neugierige sind gekommen. Sie sind erstaunt, was diese "Geeks" alles treiben.

Globale Bewegung

Ein wichtiger Ausgangspunkt der globalen DIY-Bewegung (Do it yourself) ist der Open-Source- und Community-Gedanke. Man will Technologie nicht konsumieren, sondern selber nutzen und weiterentwickeln. Gearbeitet wird oft in "Fablabs": Werkstätten, in denen man Maschinen wie 3D-Drucker oder Laserschneider gemeinschaftlich nutzt, oder in "Hackerspaces", etwas individuellere und oft ideell geprägte Gemeinschaftswerkstätten.

Mittlerweile ist aus der Maker-Bewegung ein regelrechter Industriezweig erwachsen: Im Internet gibt es zahllose Maker-Produkte wie die Einfachtscomputer Raspberry Pi oder Arduino zu kaufen.

Sehr populär sind auch Maker-Kits: Elektronik-Bastel-Sets mit Schritt-für-Schritt-Anleitung. Es ist in, ein Maker zu sein. In den USA hat Präsident Barack Obama gar die "Nation of Makers" ausgerufen – seit 2014 findet jährlich eine Maker Faire im Weissen Haus statt.

Der Workshop als Zentrum

In Zürich steht der kommerzielle Gedanke klar im Hintergrund: "Unser Ziel ist es, die verschiedenen Gruppen der Schweiz näher zusammenzubringen, und neue Leute zu begeistern", sagt Anna Cholinska, Labmanagerin des Fablabs Zürich und Mitorganisatorin der Zürcher Maker Faire.

Mit dem Verlauf des Events ist sie sehr zufrieden: "Von Anfang an war das Haus rappelvoll, es ist grossartig." Der wichtigste Part des Festivals sind für sie die zahlreichen Workshops: "Dort sehen die Besucher, was man zusammen alles lernen und erreichen kann – darum geht es uns."

Die zwanzig Workshops reichten vom Roboter-Programmieren für Kleinkinder über Textildesign-Methoden bis zum Internet-of-Things-Windspiel. Erstaunlich ist, wie viele Kinder die Workshops besuchten – oft gemeinsam mit ihren Eltern. "Kinder sind viel offener für Neues", sagt Cholinska. "Manchmal habe ich den Eindruck, dass Eltern sich alleine nicht so recht trauen", lacht sie.

Stand in der Schweiz

In der Schweiz ist die Maker- und DIY-Szene vergleichsweise spät angekommen, doch in den letzten fünf Jahren hat sie viel Auftrieb erhalten. In allen Regionen sind Fablabs und Hackerspaces entstanden. Aktuell gibt es in der Schweiz etwa 15 Fablabs, von denen viele zu einer Hochschule gehören, und etwa 20 Hackerspaces, die eher von Privaten oder Vereinen getragen werden. Aus einer Hand voll verstreuter Tech-Freaks ist eine produktive Szene erwachsen – wie auch die Maker Faire zeigt.

"Die Szene ist aber nach wie vor klein und sehr heterogen", sagt Cholinska. "Die Leute kaufen zwar wie wild billige 3D-Drucker, aber nur wenige bleiben langfristig aktiv." Als Grund sieht sie den hohen Wohlstand der Schweiz: "In ärmeren Ländern ist die Motivation grösser, zusammen eine Werkstatt zu haben und etwas Neues zu entwickeln."

Sich in Maschinen, Hard- und Softwarekomponenten zu vertiefen, brauche viel Zeit – "die haben viele Leute in der Schweiz nicht". Die Maker Faire allerdings zeigt: Eine breite Basis und Interesse sind da.

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