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"Alle Anders - Alle Gleich"

Angestellte des Unispitals Zürich. Die Schweiz ist längst mulitkulturell - Rassismus kann sich das Land nicht leisten.

(Keystone)

Die Schweiz hat im Kampf gegen Rassismus einiges getan - doch vieles bleibt noch zu tun. Unter dem Motto "Alle Anders - Alle Gleich" fand am 21. März, dem Internationalen Tag gegen Rassismus, an der ETH in Zürich die Nationale Konferenz gegen Rassismus statt.

In jedem Staat, so auch in der Schweiz, müssten nachhaltige Strategien gegen Rassismus entwickelt werden, sagte Claudia Kaufmann, Generalsekretärin des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI), an der von der "Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus" (EKR) und dem "Forum gegen Rassismus" gemeinsam organisierten Konferenz.

"Seit das Thema Rassismus auf der politischen Agenda steht, sind einige Fortschritte gemacht worden." Mit der Einführung der Rassismus-Strafnorm, dem Beitritt zum Internationalen Übereinkommen gegen Rassismus 1994 und der Gründung der EKR 1995 habe die Schweiz begonnen, sich aktiv mit dem Phänomen Rassismus auseinanderzusetzen, sagte Kaufmann.

Unwissenheit und Überforderung

Ein Anfang ist gemacht, doch es muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden: Noch immer werde Rassismus als eine Angelegenheit von Skinheads und anderen Rechtsextremen betrachtet, beklagte Monique Eckmann, Dozentin am Institut d'Etudes Sociales (IES) in Genf. Rassismus gebe es überall: im Alltag, in der Arbeitswelt, in der Armee sowie in der Verwaltung. Hier brauche es viel mehr Aufklärung, sagte Eckmann.

Dass Ausländerinnen und Ausländer gerade im Kontakt mit Behörden Opfer von Rassismus werden, bestätigte Regula Wyrsch, Leiterin des Sozialamtes Nidwalden. Schalterbeamtinnen und Sozialarbeiter seien häufig ungenügend über die Lebensumstände von Ausländerinnen und Ausländern in der Schweiz informiert und im Umgang mit Menschen fremder Herkunft überfordert.

Auch Thomas Kessler, Delegierter für Migrations- und Integrationsfragen der Stadt Basel, nannte Überforderung als häufige Ursache für rassistisches oder diskriminierendes Verhalten von Lehrern, Polizisten oder Sozialarbeitern. Als Berufsleute müssten sie immer mehr berufsfremde Aufgaben übernehmen. Dabei fühlten sie sich im Stich gelassen und reagierten aggressiv. Die Sozialisierung und Integration von Minderheiten müsse frühzeitig, bereits im Kindergarten, beginnen, forderte Kessler.

Opfer vergessen

Präventions-Massnahmen sind nötig und unbestritten. Die Schweiz habe stets grosses Gewicht auf Präventions-Massnahmen gelegt, sagte Claudia Kaufmann vom EDI gegenüber swissinfo. Dabei sei aber lange übersehen worden, dass auch etwas für die Opfer getan werden müsse. In der Schweiz fehle es insbesondere an Einrichtungen, die rasche und unbürokratische Beratung und Hilfeleistungen für Opfer anbieten.

Dies soll sich nun bald ändern: Im Februar hatte der Bund einen Fonds von 15 Mio. Franken für Projekte zugunsten der Menschenrechte und gegen Rassismus bewilligt. Diese Gelder sollen einerseits für Präventions-Projekte eingesetzt werden, anderseits aber auch den Opfern von Rassismus zugute kommen. Neben Anlaufstellen und Opferberatung brauche es aber auch die ganz konkrete Zusammenarbeit mit den Betroffenen. "Wir haben uns nicht nur für die Betroffenen einzusetzen, sondern mit ihnen und wir müssen uns von ihnen auch sagen lassen, welches ihre Bedürfnisse sind." Diese Erkenntnis sei neu und schwierig umzusetzen, sagte Claudia Kaufmann gegenüber swissinfo.

Mit der neu geschaffenen verwaltungsinternen Fachstelle für Rassismus-Bekämpfung will der Bund die Kantone bei der Schaffung entsprechender Strukturen unterstützen. Die föderalistische Struktur der Schweiz stellt dabei eine ganz besondere Herausforderung an die Rassismus-Bekämpfung: Denn Präventions-Projekte müssen stets an die kantonalen und regionalen Besonderheiten angepasst werden. Getreu dem Motto der Tagung "Alle anders - Alle gleich".

Hansjörg Bolliger


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