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"Gaddafi muss mit dem Ende rechnen"



Libyscher Kampfjet am 9. März bei einem Einsatz in Ras Lanouf gegen Stellungen der Aufständischen.

Libyscher Kampfjet am 9. März bei einem Einsatz in Ras Lanouf gegen Stellungen der Aufständischen.

(AFP)

Die Luftstreitkräfte der Allierten werden die Flugverbotszone über Libyen in ein bis zwei Tagen durchsetzen können, sagt Albert Stahel. Laut dem Strategieexperten der ETH Zürich würde dies das rasche Ende Gaddafis einläuten.

Am Donnerstag erliess der UNO-Sicherheitsrat in einer Resolution eine Flugverbotszone über Libyen. Im Gespräch mit swissinfo.ch geht Stahel von einem raschen Erfolg der allierten Luftstreitkräfte aus. Dem Regime Gaddafis gibt der Experte nur mehr wenige Tage.

swissinfo.ch: Kommt der Entscheid zum militärischen Eingreifen für die Aufständischen noch rechtzeitig oder zu spät?

Albert Stahel: Er kommt im letzten Augenblick.

swissinfo.ch: Die Resolution umfasst alle militärischen Schritte ausser dem Einsatz von Bodentruppen. Überrascht Sie dieser sehr weitgehende Beschluss?

A.S.: Wäre dieser Entscheid früher getroffen worden, hätte er mich überrascht. Jetzt aber nicht mehr, denn es geht darum, dass die Armee Gaddafis aufgehalten beziehungsweise zurück gedrängt wird, dass sie ihre Panzer und Artillerie verliert, damit sie nicht mehr Städte und Stützpunkte der Aufständischen unter Beschuss nehmen kann. Im Prinzip geht die Resolution darauf aus, Gaddafi zu entwaffnen.

swissinfo.ch: Frankreich hat am Freitagmorgen militärische Schritte bereits "in einigen Stunden" angekündigt? Ist dies realistisch oder eher noch Säbelrasseln gegenüber Gaddafi?

A.S.: Rasche Schritte sind durchaus möglich. Frankreich als Mittelmeerstaat arbeitet eng mit Grossbritannien zusammen, das auf Zypern einen Luftwaffenstützpunkt besitzt.

swissinfo.ch: Welche militärischen Aktionen sind als erstes zu erwarten?

A.S.: Als erstes verliert Gaddafi seine Fliegerabwehr, dazu werden seine Radarstellungen und Fliegerabwehrlenkwaffen ausgeschaltet.

Damit der Ring um Bengasi gesprengt wird, ist denkbar, dass die dortigen Panzer und Artillerie zerstört werden. Danach wird die Flugverbotszone durchgesetzt.

swissinfo.ch: Auf welche Schwierigkeiten könnten die Allierten treffen?

A.S.: Für die Luftstreitkräfte der Allierten sehe ich keine Schwierigkeiten ausser Gaddafi setzt auf den Fliegerabwehrstellungen Unschuldige als menschliche Schutzschilder ein.

swissinfo.ch: Im Kampf gegen die Aufständischen setzte Gaddafi anfänglich die libysche Luftwaffe ein. Spielt sie jetzt noch eine Rolle?

A.S.: Mit ihren Einsätzen und Bombardierungen hat sie anfänglich eine Rolle gespielt, aber vermutlich waren es nur wenige Flugzeuge, die er einsetzen konnte. Jetzt gilt es, die Luftwaffe auszuschalten. Dazu werden vermutlich Angriffe auf Hangars erfolgen.

swissinfo.ch: Zuletzt war es vor allem Gaddafis Artillerie, welche die Aufständischen zu Rückzügen zwang. Können die libyschen Bodentruppen aus der Luft wirksam bekämpft werden?

A.S.: Ja, denn heute ist der Luftkrieg das entscheidende Mittel. Das hat sich praktisch in allen Kriegen seit 1991 gezeigt. Mit Kampfflugzeugen können Bodentruppen erheblich geschwächt wenn nicht sogar ausgeschaltet werden.

swissinfo.ch: Wie sieht die Kommandostruktur der Allierten aus? Spielt die Nato eine Rolle?

A.S.: Der Nato kommt nur eine Bedeutung am Rande zu, sie wird in der UNO-Resolution ja mit keinem Wort erwähnt. Erwähnt sind jene Staaten, welche die Resolution durchsetzen können. Ich vermute, dass entweder die USA die Kommandostruktur führen, oder in einer ersten Phase die Franzosen und Briten.

swissinfo.ch: Gab es schon Reaktionen der arabischen Länder auf die Flugverbotszone?

A.S.: Man hat gehört, dass Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und eventuell auch Saudiarabien Kampfflugzeuge stellen würden.

swissinfo.ch: Rechnen Sie mit kürzeren militärischen Aktionen oder könnten diese länger dauern?

A.S.: Die Ausschaltung der Fliegerabwehr wird einen, vielleicht zwei Tage dauern. Auch die Artillerie und Panzer werden rasch ausgeschaltet sein. Ich rechne, dass die Resolution in ein bis zwei Tagen durchgesetzt werden kann.

swissinfo.ch: Wäre dies das Ende Gaddafis?

A.S.: Es würde das Ende des Regimes einläuten. Dieses ist praktisch zu einem Paria geworden, dessen finanzielle Mittel beschlagnahmt werden und das geächtet ist. Das wurde gestern durch den Vertreter des Libanons im Sicherheitsrat noch einmal mit aller Deutlichkeit erklärt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich dieses Regime noch wird halten können, wenn es keine militärischen Mittel mehr hat.

swissinfo.ch: Sie geben also dem Gaddafi-Clan nicht mehr viel Zeit?

A.S.: Nein, die Gaddafis und ihr Clan müssen mit dem Ende rechnen.

Schweiz anerkennt UNO-Resolution

Die Schweiz hat am Freitag die Resolution des UNO-Sicherheitsrates zur Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen anerkannt.
 
Die Schweiz hoffe auf eine rasche Umsetzung, teilte das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit.
Mit der Resolution würden die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, um das Leiden der wehrlosen Zivilbevölkerung in Libyen zu beenden.
 
Die Schweiz verurteile jede nicht demokratisch legitimierte Gewalt von Behörden gegen die eigene Bevölkerung aufs Schärfste, schrieb das EDA.
 
Die Verantwortlichen - soweit sie nicht in ihren Ländern nach Gebühr bestraft würden - müssten in besonders schweren Fällen vor einem internationalen Gericht zur Rechenschaft gezogen werden.

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Lenkt Libyen ein?

Am Freitagmittag hat Libyen einen sofortigen Waffenstillstand verkündet.

Libyen akzeptiere die UNO-Resolution, die ein sofortiges Ende der Kämpfe verlangt, sagte Aussenminister Moussa Koussa.

"Die Republik Libyen unternimmt alles, um die Zivilbevölkerung zu schützen und ihr die benötigte humanitäre Hilfe zukommen zu lassen", sagte er am libyschen Fernsehen.

Noch kurz vor der Erklärung Koussas hatten libysche Truppen einen neuen Angriff gegen die von Rebellen gehaltene Stadt Misrata gestartet.

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swissinfo.ch


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