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"Offener Himmel" an langer Nacht der Sterne

Der Blick in die Weite des Alls fasziniert Menschen und Wissenschafter seit je. (Bild: NASA)

(swissinfo.ch)

Zehntausende sind in der Nacht auf Sonntag in der Schweiz, Deutschland, Österreich anlässlich der "Langen Nacht der Sterne" in die 170 offenen Planetarien und Sternwarten gepilgert.

Ein Augenschein in der Zürcher Urania-Sternwarte.

Der Weltraum - viele Menschen werden magisch angezogen von diesen unendlichen Weiten und fernen Galaxien. Samstagabend, mitten in Zürich: Bereits eine halbe Stunde vor Öffnung der Sternwarte Urania um 21.00 Uhr warten gut ein Dutzend Sterne-Fans darauf, in dieser klaren Nacht ungetrübte Blicke ins Firmament zu werfen.

Es ist die erste, vom Hamburger Magazin "Stern" initiierte "Lange Nacht der Sterne". In Deutschland, Österreich und der Schweiz öffnen 170 Planetarien, Sternwarten und wissenschaftliche Institutionen ihre Tore, um den Menschen die Faszination Weltraum näher zu bringen.

Älteste Volkssternwarte

Die Zürcher Urania-Sternwarte ist nicht etwa eine ausrangierte Forschungsstation, sondern die älteste Volkssternwarte der Schweiz. Seit 1907 steht hier in der Kuppel des markanten, 50 Meter hohen Turms das 20 Tonnen schwere Teleskop mit einer 30 Zentimeter Objektöffnung und einer Brennweite von fünf Metern.

"Es steht auf einer eigenen Säule, die bis in den Keller reicht", erklärt Roland Brodbeck von der Sternwarte. Das Gebäude rundherum hat eigene Stützen. Wäre dies nicht so, würden die Sterne beim Blick durchs Fernrohr tanzen: "Die Bewegungen der Menschen im Haus führen zu Erschütterungen, die wir zwar nicht spüren. Sie werden aber vom Fernrohr mitvergrössert."

Vergrösserungen bis ins Sechshundertfache sind mit dem Teleskop möglich. Genutzt werden vor allem die Vergrösserung vom 150- bis 205-fachen. Die Vergrösserung an sich ist dem Physiker Brodbeck weniger wichtig. Für ihn ist entscheidend, dass ein Objekt durchs Fernrohr heller zu sehen ist als von blossem Auge. "Und dass man mehr Details erkennen kann."

Doppelstern im Visier

Gegen 21.30 Uhr: Immer mehr Menschen, Erwachsene wie Kinder, strömen ins Observatorium. Als erstes nimmt Brodbeck einen Doppelstern ins Visier. Der Computer zeigt ihm die Koordinaten an, die er dann am Teleskop auf Messingringen einstellt, am Zielfernrohr schliesslich wird das Objekt zentriert.

Was von blossem Auge als zwei Pünktchen zu sehen ist, entpuppt sich durchs Fernrohr als vier Sonnen, die paarweise umeinander rotieren. "Das sieht man wirklich", staunt ein Mädchen. Ihre Mutter dagegen hat nichts gesehen ausser zwei Punkten. Sie hätte sich nicht bewegen dürfen, sondern ruhig durchschauen müssen, klärt die Tochter sie auf.

Dass die beiden kleinen Sterne für eine Umdrehung um die grossen 500 Jahre brauchen, beeindruckt. Die Kinder wollen zudem wissen, wie weit weg "die Dinger" sind. Die Antwort "120 Lichtjahre" quittiert ein Zehnjähriger mit einem anerkennenden Nicken. "So weit" staunt dagegen sein kleiner Bruder.

Eigenes Sonnensystem

Epsilon Lyrae heisst dieses Sonnensystem. Es befindet sich im Sternbild Leier (Lyra) und ist dort der fünfthellste Stern. Der Blick reicht in dieser Nacht vom Zentrum der Milchstrasse im Schützen bis zum Ringnebel der Leier und den Kugelsternhaufen im Herkules. In südlichen Regionen tummelt sich der Uranus.

170 Personen kommen bis Mitternacht in die Urania. Während vor allem die Kinder darauf brennen, durchs Fernrohr zu schauen, sind die Erwachsenen am Schicksal des Hubble-Teleskops und an den neuesten Erkenntnissen der Weltraum-Forschung interessiert.

Es sei eigentlich keine speziell gute Nacht für Beobachtungen, betont ein Urania-Angestellter. Grossen und kleinen Besuchern, die nach dem Blick durchs Fernrohr mit leuchtenden Augen nach Hause gehen, ist das egal. Sie haben bei klarer Sicht ungetrübte Blicke in unendliche Weiten geworfen und sind den Geheimnissen des Weltalls ein Spürchen näher gekommen.

swissinfo und Petra Stöhr, sda


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