Navigation

6,8% arme Kinder in der Schweiz

Auch in den reichen Ländern sind immer mehr Kinder arm. Keystone

Die Kinderarmut nimmt laut einem Bericht der UNICEF in den meisten OECD-Ländern zu. Die Schweiz liegt an fünftbester Stelle.

Dieser Inhalt wurde am 01. März 2005 - 17:23 publiziert

In den am meisten entwickelten Ländern leben heute zwischen 40 und 50 Millionen Kinder in Armut.

Die Schweiz liegt im Vergleich mit 26 Mitgliedländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) punkto Kinderarmut zwar an fünftbester Stelle.

Die Kinderarmut in der Schweiz ist jedoch fast dreimal so hoch wie in Dänemark, das die geringste Armutsrate der OECD-Länder aufweist. Das teilte das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF Schweiz am Dienstag in Zürich mit.

Überhaupt scheiden die vier skandinavischen Länder Dänemark, Finnland, Schweden und Norwegen weltweit am besten ab. Sie belegen die Plätze 1 bis 4.

Mittleres Einkommen massgebend

Der Bericht widerlegt laut der Geschäftsleiterin von UNICEF Schweiz, Elsbeth Müller, die gängige Vermutung, dass die Armut in den am meisten entwickelten Ländern abnimmt. Die Studie zeigt nämlich, dass sich die Lage in 17 von 24 untersuchten Ländern verschlechtert hat.

Ausschlaggebend für den Ländervergleich ist das mittlere Einkommen, das so genannte Medianeinkommen, das in der Schweiz – laut Bundesamt für Statistik - 7880 Franken beträgt. Als arm bezeichnet werden demnach Familien, die weniger als 50% des Medianeinkommens verdienen.

Dänemark und Finnland schneiden mit Armutsraten von 2,4 respektive 2,8% der am besten ab. Am unteren Ende stehen Mexiko mit 27,7% und die USA mit fast 22%. Insgesamt leben in den am meisten entwickelten Ländern heute zwischen 40 und 50 Mio. Kinder in Armut.

Staatliche Unterstützung ist wichtig

Soziale Trends, Arbeitsmarktbedingungen und staatliche Leistungen bestimmten laut dem UNICEF-Bericht das Ausmass der Kinderarmut. Gerade die staatliche Unterstützung spiele eine wichtige Rolle: Dank Sozialleistungen an Arbeitslose oder schlecht Verdienende könne die Kinderarmutsrate im Durchschnitt um 40% gesenkt werden.

Entscheidend sei jedoch nicht nur die Höhe, sondern auch die Art der staatlichen Unterstützung. In Ländern mit den tiefsten Kinderarmutsraten bewirke gezielte staatliche Hilfe gar eine Reduktion um 80%.

"Die Regierungen haben es selbst in der Hand, ob Kinder in Armut aufwachsen müssen. Sie können ihre großen Probleme wie Arbeitslosigkeit nur in den Griff bekommen, wenn sie Kinder vor Ausgrenzung und Benachteiligung insbesondere bei der Ausbildung bewahren", sagte Peter Adamson, der Autor der UNICEF-Studie.

Schweiz leistet wenig Unterstützung

In der Schweiz sei die staatliche Unterstützung für Familien sehr gering. Das Schweizerische Arbeiterhilfswerk (SAH) schreibt, dass eine Untersuchung des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco) zu den von Armut betroffenen Erwerbstätigen den Kinderschutz Schweiz davon ausgehen lasse, dass zwischen 200'000 und 250'000 armutsbetroffene Kinder in der Schweiz lebten.

Der UNICEF-Bericht fordert deshalb nicht nur, dass sich die Regierungen um bessere Daten und klarere Zielsetzungen bemühen, sondern auch, dass sie ihre Unterstützungs-Leistungen gezielter zugunsten von Kindern einsetzen.

Die Forderung entspreche der Konvention über die Rechte des Kindes, so Elsbeth Müller von UNICEF Schweiz: "Mit ihr haben sich 192 Nationen, darunter auch die Schweiz, verpflichtet, jedem Kind das Recht auf einen Lebensstandard anzuerkennen, der seiner körperlichen und geistigen Entwicklung angemessen ist."

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Die Studie der UNICEF sagt, dass staatliche Sozialleistungen die Kinderarmut verringern helfen.

Andere Faktoren beeinflussen in den reichen Ländern Kinderarmut: Die Zunahme der Arbeitslosigkeit oder die Betreuung der Kinder durch alleinerziehende Väter oder Mütter.

End of insertion

Fakten

Die OECD-Länder mit der geringsten Kinderarmut sind Dänemark (2,4%), Finnland (2,8%), Norwegen (2,8%) und Schweden (4,2%).

Die Schweiz und die Tschechische Republik folgen mit 6,8%.

Am Ende der Skala stehen die USA (21,9%) und Mexiko (27,7%).

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen

Diskutieren Sie mit!

Mit einem SWI-Account erhalten Sie die Möglichkeit, Kommentare auf unserer Webseite sowie in der SWI plus App zu erfassen.

Login oder registrieren Sie sich hier.