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Abenteuer statt Alltag

Jean-Claude Pont, Organisator des Laufs Sierre-Zinal, im Schuss. Doch das Wetter spielt heute nicht mit. www.sierre-zinal.com

An die 2500 Läuferinnen und Läufer haben sich für den Lauf Sierre-Zinal angemeldet. Der älteste Berglauf verliert allerdings wegen der grossen Konkurrenz an Terrain.

Dieser Inhalt wurde am 12. August 2002 - 10:53 publiziert

Zum ersten Mal seit 28 Jahren mussten die Organisatoren des Sierre-Zinal-Volkslauf zurückstecken: Wegen des Wetters wurde der Kurs kurzfristig auf die Hälfte verkürzt.

Die unerwartete Rückkehr des Schnees mache den Weg in der Höhe zu gefährlich. Denn der zweite Teil des Laufes zwischen 2300 und 2450 Metern über Meer sei mit einer Schneeschicht von fast 30 cm bedeckt.

Wie Organisator Jean-Claude Pont gegenüber swissinfo erklärte, wäre es "unverantwortlich gewesen, die Läufer auf die übliche Strecke zu schicken." Diese ist 31 km lang auf schwierigem Gelände.

Diesmal befindet sich das Ziel also ausnahmsweise in Chandolin (2000 m). Doch trotz des schlechten Wetters sind die Organisatoren auch nach 29 Jahren immer noch begeistert.

Immer mehr Wettläufe

"Wir haben ein Budget von lediglich 250'000 Franken", erklärt Jean-Claude Pont, der Organisator des Laufs Sierre-Zinal, gegenüber swissinfo. "Aber wir haben ein Team von Freiwilligen, die sich während rund 7000 Stunden pro Jahr für diesen Anlass einsetzen. Manchmal müssen wir sogar Leute abweisen, die mit uns arbeiten möchten."

Der Ruf des Laufs ist nach wie vor intakt. Aber obwohl Sierre-Zinal eine Referenz bleibt, stösst der Klassiker der Volksläufe nicht mehr auf das gleiche Echo wie früher.

"In den 90er-Jahren hatten wir jährlich gegen 3500 Teilnehmende", erklärt Pont. "Aber es gibt immer mehr Bergläufe. Und auch neue Disziplinen wie Mountainbiking haben zahlreiche Anhängerinnen und Anhänger gefunden."

Wer die Wahl hat...

Wer sich für Bergläufe begeistert, hat heute die Qual der Wahl. Noch dieses Jahr stehen mehrere Läufe auf dem bereits reich befrachteten Kalender: der Zermatter-Marathon, der "Gigathlon" und der internationale Lauf von Gondo, um nur einige zu nennen.

Noch nie gab es mehr Berg- und Ausdauerläufe. "Die Leute suchen das Abenteuer, um dem Alltagsstress zu entfliehen", betont Claude Défago, der Organisator der Tour des Dents du Midi.

"Und wenn man sich schon keine Weltumrundung leisten kann, dann halt wenigstens ein Velo oder ein Paar Freizeitschuhe, um einen Marathon zu absolvieren", so Défago zu swissinfo. "Der Berglauf ist unser 'Transat'".

Der Wunsch, an seine Grenzen zu stossen, die Freude, etwas zu unternehmen, mit anderen, die sich auch gerne verausgaben, und natürlich die Hoffnung, ein paar Elitesportlerinnen und -sportler anzutreffen, das alles macht den Erfolg der Volksläufe aus, ob zu Fuss, auf dem Drahtesel oder auf den Brettern.

Aufwind

Allerdings stossen nicht alle Anlässe auf gleich viel Begeisterung. Einige, wie Sierre-Zinal, verlieren an Terrain. Andere dagegen sind deutlich im Aufwind. Dazu gehört die Patrouille des Glaciers. In den letzten Jahren konnten gar wegen des Ansturms für den Alpinskianlass mehrere hundert Teams nicht antreten.

Das gilt auch für den Grand-Raid VTT, für den die Teilnehmerzahl ab 1995 beschränkt werden musste. Am diesjährigen 13. Lauf, am 25. August, können demnach wieder 4000 Konkurrentinnen und Konkurrenten von Verbier nach Grimentz rasen.

Auch der Jungfrau-Marathon wird buchstäblich überrannt. Diesen Herbst findet er zum 10. Mal statt, und die Organisatoren haben, statt wie sonst einen, diesmal zwei Läufe vorgesehen. So können sich 7000 Personen aufmachen zu den Abhängen der Berner Alpen.

Der Erfolg des Jungfrau-Marathons

Woher kommt dieser Erfolg? "Wir haben das Glück, einen klassischen Marathon anbieten zu können, also 42 km, und erst noch in einer weltweit bekannten Touristikregion", erklärt Heinz Schild, der Gründer des Jungfrau-Marathon.

Dies hat natürlich Sponsoren angezogen. Heute liegt das Budget des Jungfrau-Marathons bei einer Million Franken. Und diese Ausdauerprüfung gehört zu den wenigen, die Preise für 50'000 Franken anbieten kann, 10'000 allein für den Sieger.

Auch der Grand-Raid VTT hat erstklassige Sponsoren und ein entsprechendes Budget. Die Preise sind aber bescheidener, die Organisatoren setzen vor allem auf Kommunikation.

"Wir senden unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern nicht weniger als 5 Mailings pro Jahr", erklärt Pierre Colson, Mitorganisator des Grand-Raid. "Und da wir nicht jedes Jahr eine andere Strecke anbieten können, rücken wir den einen oder anderen Aspekt des Rennens in den Vordergrund."

Die Vorteile des Sponsoring

Das macht sich bezahlt. 60% der Teilnehmenden kommen aus der Schweiz, die übrigen aus 24 verschiedenen Ländern. PR, Marketing und Sponsoring sind also entscheidend für die Organisation eines Volkslaufs.

"In einem Kontext, in dem der Wettbewerb immer härter wird, haben nur noch Läufe Überlebenschancen, welche nicht viel Geld benötigen, oder grosse, perfekt organisierte Wettrennen", bestätigt Heinz Schild. "Durchschnittliche Rennen ziehen keine Sponsoren mehr an. Das heisst, man braucht immer mehr Geld für die Organisation und die Sicherheit der Strecken."

swissinfo/Vanda Janka

(Übertragung aus dem Französischen: Charlotte Egger)

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