Navigation

Aids: Neue, aber teure Hoffnung

Da die bisherigen Medikamente gegen viele resistente Virenstämme nicht mehr wirken, sind neuartige Medikamente hochwillkommen. Keystone

Ein neues Medikament von Roche soll bereits das Eindringen der HI-Viren in die menschlichen Zellen verhindern. Die Kosten sind jedoch sehr hoch.

Dieser Inhalt wurde am 08. Juli 2002 - 22:05 publiziert

An der Aids-Konferenz in Barcelona präsentierten der Schweizer Pharmakonzern Roche und ihr US-Partner Trimeris am Montag zwei klinische Studien eines neuen Wirkstoffes gegen das Aids-verursachende HI-Virus: "T-20" konnte die HI-Viren im Blut der Patienten signifikant reduzieren.

T-20 ist das erste einer neuen Klasse von Medikamenten. Es behindert als Fusionshemmer bereits das Eindringen des Erregers HIV in die Wirtszelle, die er zum Weiterleben braucht. Gemäss Roche soll T-20 bereits im nächsten Jahr auf den Markt gebracht werden.

Allerdings: Wirtschafts-Analysten gehen davon aus, dass der Preis für das neue Mittel etwa 10'000 bis 12'000 Dollar (über 15'000 Franken) pro Person und Jahr betragen wird. Damit könnte die Erschwinglichkeit nicht nur in Entwicklungsländern zu Problemen führen.

Neuartiger Ansatz

Herkömmliche HIV-Medikamente blockieren die Virusmehrung, wenn sie in die menschlichen Immunzellen eingedrungen, und verhindern, dass sie aus der Zelle austreten und weitere Zellen befallen können.

"Wir konnten zeigen, dass die HI-Viren im Blut signifikant vermindert werden konnten, wenn T-20 in Kombination mit einer individuell angepassten herkömmlichen Therapie kombiniert werden", sagte Roche-Sprecher Alexander Klauser gegenüber swissinfo.

In der ersten Studie konnte bei 37% der Patienten, welche zusätzlich T-20 spritzten, nach 24 Wochen keine Viren mehr im Blut nachgewiesen werden. Bei einer Vergleichsgruppe, welche bloss herkömmliche Mittel nahm, waren es nur 16%.

In der zweiten Studie betrug die Erfolgsrate 28% gegen 14%. Die meisten der Patienten hatten schwerwiegende Resistenz-Probleme, viele der herkömmlichen Mittel wirkten bei ihnen nicht mehr.

Verbreitete Resistenz-Probleme

Die Zahl der Betroffenen, bei denen immer mehr herkömmliche Medikamente das Virus nicht mehr in Schach halten können, steigt stark an: Ursache ist die rasche Mutation des HI-Virus.

Forschende schätzen, dass die meisten Betroffenen gegen eines der Medikamente Resistenzen entwickelt haben, bei rund einem Drittel wirkt auch der Medikamenten-Cocktail von mindestens drei Wirkstoffen nicht mehr.

Seit Jahren ist deshalb ein Wettlauf im Gang: Forschende suchen fieberhaft nach neuen Wirkstoff-Klassen, um den Patienten Alternativen zur Verfügung zu stellen.

Roche und Trimeris wollen noch in diesem Jahr die Zulassung beantragen. Bereits hat die US-amerikanische Zulassungsstelle FDA entschieden, T-20 im Schnellverfahren zu beurteilen. Bloss bei dringend benötigten Medikamenten wird dieser Weg ermöglicht.

Kosten-Barriere

Die beiden Firmen wollen sich noch nicht dazu äussern, wie teuer das neue Designer-Medikament (siehe Link) sein wird. Doch David Reddy, Chef der HIV-Division von Roche verweist auf die 106 Entwicklungsschritte, welche bei der Synthese von T-20 nötig sind.

"Es wird teurer sein als die anderen HIV-Medikamente", sagte er. Die teuersten HIV-Behandlungen kosten heute rund 11'000 Dollar.

Das Mittel wird also einmal mehr die Diskussion anheizen, wie viel Geld für eine neue HIV-Therapie die Staaten aufwenden können und wollen.

Die Versuchspersonen spritzen sich T-20 bislang selbst unter die Haut. Da es sich um eine längliche Proteinkette handelt, ist nicht damit zu rechnen, dass sich Pillen entwickeln lassen - die Kette würde brechen, bevor das Blutsystem erreicht ist.

Vincent Landon

Artikel in dieser Story

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen

Diskutieren Sie mit!

Mit einem SWI-Account erhalten Sie die Möglichkeit, Kommentare auf unserer Webseite sowie in der SWI plus App zu erfassen.

Login oder registrieren Sie sich hier.