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Aids-Konferenz beleuchtet Präventionsarbeit

Aids, das zentrale Thema in Bangkok.

(Keystone)

Schweizer Forscher präsentieren an der Internationalen Aidskonferenz in Bangkok eine neue Studie über den Kondom-Gebrauch von Männern.

Das Forscherteam sagt, dass seine Erkenntnisse die Aids-Präventions-Kampagnen in der Schweiz beeinflussen könnten.

Das Schweizer Forscherteam ist gemeinsam mit einer Delegation des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), der Aids-Hilfe Schweiz und der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) in die thailändische Hauptstadt Bangkok gereist, wo rund 15'000 Fachleute aus 160 Ländern seit Sonntag an der internationalen Aids-Konferenz teilnehmen.

Die Schweizer haben u.a. eine Studie im Gepäck, die die Aargauer Fachhochschule für angewandte Forschung unter Leitung von Daniel Gredig verfertigt hat. Für die Studie waren 982 heterosexuelle Schweizer Männer zwischen 25 und 65 Jahren zum Gebrauch von Kondomen befragt worden.

Der Umfrage lag die These zugrunde, dass die männliche Wahrnehmung des eigenen Körpers und die Meinung, was gut für ihn ist, eine wichtige Rolle spielt bei der Entscheidung, ein Kondom zu gebrauchen oder nicht.

Körpergefühl ist mitentscheidend

"Unsere These wurde bestätigt", sagt Gredig gegenüber swissinfo. Es habe sich sogar gezeigt, dass die Einschätzung der eigenen körperlichen Bedürfnisse wichtiger sei als die Bedenken, den Erwartungen der Partnerin oder des Partners nicht zu entsprechen.

Dass die Erwartungen des Partners wenig Gewicht haben, wenn es um die Entscheidung für oder gegen den Kondom-Gebrauch geht, hat die Forscher überrascht. Untersuchungen in anderen Teilen der Welt hätten in diesem Punkt andere Ergebnisse gebracht.

Präventions-Arbeit anpassen

Die Studie der Aargauer Fachhochschule stellt vier verschiedene Verhaltensmuster bei Männern fest. Das Spektrum reicht vom Idealisten, der eine perfekte Balance zwischen Körper und Geist sucht, bis zu jenem Mann, der sich nicht um seinen Körper kümmert

Die Resultate könnten auf die Bemühungen der Schweiz, die Ausbreitung des HIV zu verhindern, einen Einfluss haben, sagt Gredig.

Informationen über HIV und seine Übertragung seien zwar sehr wichtig, aber man müsse gleichzeitig erkennen, dass es verschiedenen Mentalitäten gebe, die auf das Thema unterschiedlich reagierten.

Verschiedene Botschaften für verschiedene Männer

"Wir müssen die Präventionsarbeit neu überdenken", sagt der Studienleiter.

"Es braucht neue Botschaften – zugeschnitten auf die verschiedenen Gruppen von Männern – und die lassen sich nicht einteilen in jung oder alt, gut gebildet oder nicht, sondern in unterschiedliche Mentalitätstypen."

Man habe in der Studie absichtlich die heterosexuellen Männer ins Zentrum gerückt, weil diese Gruppe bei der Aids-Bekämpfung zu oft vergessen werde.

Statistiken in der Schweiz und Europa zeigten aber, dass die Ansteckung durch heterosexuelle in den letzten Jahren stark zugenommen habe.

Zugang für alle

Die Aids-Konferenz in Bangkok will diskutieren, welchen Zugang bereits angesteckte, aber auch potentiell gefährdete Menschen zu Informationen, Erziehung, medizinische Betreuung und Pflege haben. Ein Schwergewicht der fachlichen Debatte soll die Frage sein, wie dieser Zugang zu Informationen besonders bei Frauen und Jungen verbessert werden kann.

DEZA-Sprecherin Barbara Affolter sagt, dass diese Konferenz äusserst wichtig sei, um Erfahrungen auszutauschen und neue Ansätze im Kampf gegen Aids zu besprechen.

"Für die DEZA ist der Kampf gegen Aids eine Priorität unserer Entwicklungshilfe-Projekte."

Die Zahl der Infizierten steigt

Das Bundesamt für Gesundheit und die Aids-Hilfe Schweiz erklären, sie wollten an der Konferenz in Bangkok über die Schweizer Präventions-Popgramme informieren, vor allem über das neue nationale Aufklärungsprojekt (2004-2008) und die Stopp-Aids-Kampagne für Einwanderer.

In einem Bericht der Vereinten Nationen (UNO) wird die Zahl der HIV-Infizierten auf 38 Millionen geschätzt, was einen Anstieg um 3 Millionen innerhalb eines einzigen Jahres bedeutet. 2003 starben weitere 3 Millionen Menschen an Aids.

UNAids schätzt, dass der Kampf gegen diese tödliche Krankheit jährlich rund 20 Mird. Dollar ( 25 Mrd. Franken) kosten würde. Das wäre das Vierfache der heutigen Ausgaben.

swissinfo, Morven McLean
(Aus dem Englischen übertragen von Katrin Holenstein)

Fakten

Die Internationale Aids-Konferenz in Bangkok dauert noch bis zum 16. Juli.

15'000 Fachleute aus 160 Ländern nehmen teil.

Die Schweiz ist vertreten durch das Bundesamt für Gesundheit (BAG), die Aids-Hilfe Schweiz und die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA).

Weltweit sind 38 Mio. Menschen mit dem HI-Virus angesteckt.

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In Kürze

Schweizer Forscher haben herausgefunden, dass die das männliche Körpergefühl ein wichtiger Faktor ist bei der Entscheidung, ob ein Kondom benutzt wird oder nicht.

Die Präventionskampagnen in der Schweiz müssten nach Meinung der Forscher überdacht und den unterschiedlichen Männer-Typen angepasst werden.

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