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Alarmierendes Klimaszenario für die Zukunft

Ab ins kühle Nass: St. Albansquartier in Basel, 4.Juni 2003

(Keystone)

Schweizer Forscher prognostizieren für die Zukunft höhere Sommer-Temperaturen und extremere Wetterbedingungen.

Die aktuellen Temperaturen und der Sturm, der momentan über die Schweiz fegt, haben nichts mit Klimaänderung zu tun.

Der Sommer 2003 schlug alle Rekorde: Die Temperaturen lagen im Schnitt um fünf Grad über der mittleren Temperatur der letzten 140 Jahre. In Basel zählte man 41 Hitzetage, das heisst Tage mit über 30 Grad. In Europa brannten die Wälder: Menschen, Tiere und Pflanzen lechzten nach Wasser, und die Mineral- und Bierbrauereien erreichten traumhafte Umsatzzahlen.

Der Ausdruck "Jahrhundertsommer", für den Hitzesommer, der rund 30'000 Menschen in Europa das Leben kostete sowie der Landwirtschaft Dürre und schlechte Ernten einbrachte, könnte sich aber bald als falsch erweisen.

Dann nämlich, wenn das Szenario eintritt, das eine Forschungsgruppe der ETH Zürich und Meteo Schweiz skizzieren: Heisse und trockene Sommer werden die Regel und nicht mehr die Ausnahme sein.

"Der heutige Wintersturm hat nichts mit unserer Studie zu tun. Unsere Studie hat sich ausdrücklich mit dem Sommer 2003 beschäftigt, der ein absolut aussergewöhnlicher Sommer war. Der Sturm, der jetzt die Schweiz überquert, ist stark, aber ein 'normales' Winterereignis in Europa", erklärte Christof Appenzeller, Klimadynamiker von MeteoSchweiz und Mitverfasser der Studie, gegenüber swissinfo.

Im Jahre 2100?

Im Jahr 2100 werden die Schweizerinnen und Schweizer für Temperaturen wie die vom vergangenen Sommer wohl bloss noch ein müdes Lächeln übrig haben. Denn im Laufe des Jahrhunderts werden sie daran gewöhnt sein, das die Sonne scheint und scheint.

Etwa jeder zweite Sommer könnte mindestens so heiss und trocken sein wie der vergangene, heisst es in der Studie, die in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature" veröffentlicht ist.

"Bis jetzt sind wir davon ausgegangen, dass die Klimaänderung einigermassen gleichmässig von sich gehen wird. Und jetzt stellen wir fest, dass neben einer gleichmässigen Erwärmung auch eine Zunahme der Schwankungen von Jahr zu Jahr auftreten könnte. Das heisst, das ganze Sommerklima könnte viel wechselhafter werden, als wir es aus der Vergangenheit kennen", sagt Christoph Schär, Leiter der Forschungsgruppe ETH Zürich.

Für seine Studien hat sich das Forschungsteam laut Schär auf Europa beschränkt. Die grössten Auswirkungen werden in Mittel- und Osteuropa erwartet.

Berechnet wurden Szenarien für den Zeitraum von etwa 2070 bis 2100. Ihnen liegt die Annahme zugrunde, dass sich die Konzentration der Treibhausgase gegenüber heute verdoppelt. Für die Winter erwarten die Wissenschaftler ebenfalls eine deutliche Erwärmung, aber keine Zunahme der Schwankungen.

Was anpflanzen?

Die Sommerentwicklung gehe in Richtung mediterranes, "semi-arides" (also "halb-trockenes") Klima, sagt Schär. Die Erwärmung werde allerdings nicht gleichmässig erfolgen. "Zunehmende Variabilität" nennen das die Wissenschaftler.

Die Erwärmung dürfte vor allem den Landwirten zu schaffen machen: Sollen sie Pflanzen anbauen, die in heissem, trockenem Wetter gedeihen, oder solche, denen kühle, verregnete Sommer nicht schaden, wie sie immer wieder vorkommen werden?

Und nicht nur die Bauern - alle Bereiche, die vom Klima abhängen, könnten Schwierigkeiten bekommen: Dazu gehören unter anderen Wasserversorgung und Stromproduktion.

Nicht vergessen dürfe man auch, dass mit den neuen Problemen auch hohe Kosten verbunden seien, gibt Schär zu bedenken. Die Ernteverluste im vergangenen Sommer beliefen sich in der Schweiz auf eine halbe Milliarde Franken. "Schlussendlich muss das jemand bezahlen."

Sich anpassen oder etwas tun

Laut dem ETH-Professor gibt es zwei Möglichkeiten, auf die sich abzeichnende Entwicklung zu reagieren: "Man kann versuchen, sich an die Veränderungen anzupassen - oder etwas gegen die Klimaänderung tun."

Konkret hiesse das, den Ausstoss von Treibhausgasen reduzieren, wie dies das Kyoto-Protokoll vorsieht. Darin verpflichten sich die Industrieländer, bis 2012 ihre Treibhausgas-Emissionen um durchschnittlich 5,2% im Vergleich zu 1990 zu senken.

Damit die Übereinkunft in Kraft treten kann, müssen ihr allerdings zumindest die Länder zugestimmt haben, die für 55 Prozent des weltweiten Kohlendioxidausstosses (CO2) verantwortlich sind.

Bis heute haben schon 120 Länder - davon 29 Industriestaaten - das Protokoll ratifiziert. Sie repräsentieren zusammen aber erst 44,2% der globalen Treibhausgas-Emittenten. Bisher nicht zugestimmt haben die USA, Australien und Russland.

Grund zu Pessimismus?

Er sei "nicht so pessimistisch", sagt Schär: Das Thema werde zwar seit langem diskutiert - auf höchster Ebene aber erst seit etwa fünf Jahren.

Die Wissenschaftler machten mit ihren Arbeiten auf die Mechanismen aufmerksam. Dies seien auch Impulse für die weitere Diskussion. Immerhin gehe es um einen Zeithorizont von 70 bis 100 Jahren. Es bleibe also noch etwas Zeit zum Überlegen, was zu tun sei.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

MeteoSchweiz ist seit über 150 Jahren verantwortlich für Messungen und Prognosen.

Die Wettervorhersage und Wetteranalyse haben sich in den letzten fünfzehn Jahren weiterhin stark verbessert und professionalisiert.

Anhand von Modellen werden heute Szenarien berechnet, die in Zukunft von Bedeutung sein können.

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