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Arafats "Schweizer Bankier" bestreitet Fehler

Auch nach seinem Tod sorgt Arafat für einen Krieg der Worte. Keystone

Eine Top-Privatbank bestreitet Unregelmässigkeiten bei der Betreuung eines Millionen-Kontos des ehemaligen Palästinenserchefs Yassir Arafat.

Dieser Inhalt wurde am 09. Februar 2005 - 16:23 publiziert

Vorwürfe, dass die Genfer Bank Lombard Odier Darier Hentsch (LODH) Geldtransfers ohne Kontrolle zugelassen habe, seien "absolut unhaltbar".

Yassir Arafat, während über 40 Jahren die führende Figur der Palästinenser, ist im letzten November in einem Spital in Paris gestorben.

1997 hatte die Palästinensische Autonomiebehörde ein Konto über 243 Millionen Franken bei LODH eröffnet. Deren Kommunikationschef Jérôme Koechlin bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Financial Times".

Gegenüber swissinfo ergänzte er jedoch, dass die Bank Lombard Odier, die 2002 mit ihrem Rivalen Darier Hentsch fusionierte, jederzeit unter Einhaltung internationaler Gesetze und Standards gehandelt habe.

Eine offizielle Stellungnahme der Bank bezeichnet kürzlich gemachte Aussagen eines israelischen "Vermittlers" als völlig falsch. Uzrad Lew hatte Lombard Odier vorgeworfen, im Jahr 2001 über 65 Mio. Dollar an unbekannte Empfänger transferiert zu haben.

Israelischer Vermittler

Lew ist dem Anschein nach ein ehemaliger israelischer Geheimagent, der den Palästinensern den "Zugang" zu Schweizer Bankkreisen erleichtern helfen sollte.

Die Bank bestätigt, dass der fragliche Betrag auf ein Londoner Konto transferiert worden war. Das Geld sei jedoch für eine Investition in eine Tochtergesellschaft der Ägyptischen Telefongesellschaft Orascom benutzt worden.

Das Konto der Palästinenser war drei Jahre nach Arafats Rückkehr nach Gaza als Chef der Autonomiebehörde eröffnet worden. Die Behörde war im Zug der Osloer Friedens-Abkommen geschaffen worden.

Drei Konten in der Schweiz

Laut der "Financial Times" war das Konto bei LODH das grösste von mindestens drei Bankkonten in der Schweiz, welche die Palästinensische Autonomiebehörde für ihre Finanzen eröffnet hatte, um die Kontrolle Israels zu vermindern.

Die beiden anderen Konten waren bei den Genfer Niederlassungen der libanesischen Bank Audi und der Londoner Atlas Capital Management, die in der Zwischenzeit mit der Schweizer Soditic Investments fusioniert hat.

Das Konto bei LODH war von der Bank im Dezember 2001, ein Jahr nach Beginn der zweiten Intifada, aufgelöst worden.

Obwohl Finanzinstitute wie der Internationale Währungsfonds (IWF) die palästinensische Investitions-Strategie kritisch betrachteten, gibt es keine Hinweise darauf, dass die Eröffnung oder Bewirtschaftung der Schweizer Konten in irgendeiner Weise unsauber gewesen wäre.

Haltlose Anschuldigungen

Doch laut den Vorwürfen von Uzrad Lew könnten Gelder aus einer Überweisung von LODH im Jahr 2001 an die Chase Manhattan Bank in London zur Finanzierung von "terroristischen" Aktivitäten eingesetzt worden sein.

Laut seinen Informationen wurde die Vereinbarung über die Geschäftsbeziehungen (Letter of Engagement) mit LODH im Jahr 2000 abgeändert, um die Gruppe der Banken zu erweitern, die Zahlungen von dem Konto erhalten konnten.

LODH weist "die absolut haltlosen und ungerechtfertigten Behauptungen von Uzrad Lew" kategorisch zurück.

Weiter dementiert die Bank, dass ihr Entscheid zur Aufgabe der Zusammenarbeit mit der Autonomiebehörde Ende 2001 unter Druck der USA erfolgt sei.

Washington hatte zwei Monate zuvor - als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September - die Gesetzgebung betreffend Terrorismus-Finanzierung verschärft.

Vielmehr habe der Entscheid mit der Verschlechterung der politischen Situation im Nahen Osten nach dem Beginn der zweiten Intifada zu tun, so die Bank.

IWF: Gelder zurückbezahlt



Der IWF erklärte 2003 in einem Bericht, dass das gesamte von Arafats "Reserve-Fonds" im Ausland investierte Geld der Palästinensischen Autonomiebehörde zurückbezahlt worden sei – mit beträchtlichen Verlusten (Börsencrash 2002).

Der Währungsfonds vermutet, dass insgesamt über 900 Mio. Dollar vom Budget der Autonomiebehörde abgezweigt worden waren, wovon 100 Mio. durch schlechte Anlagen verloren gingen.

Die Investition in Orascom, insgesamt 285 Mio. Dollar, die durch eine palästinensische Firma getätigt wurden, war am Schluss das lohnendste Unternehmen.

swissinfo, Chris Lewis
(Übertragen aus dem Englischen: Christian Raaflaub)

Fakten

Yassir Arafat starb im November 2004 und wurde von Mahmoud Abbas als Präsident der Palästinensischen Autonomie-Behörde abgelöst.
Die Autonomiebehörde hat die Investitions-Politik Arafats durchleuchtet. Bei den Investitionen seien rund 100 Mio. Dollar Verluste entstanden.
Der Rest des "Reserve-Fonds", rund 800 Mio. Dollar, seien zurückbezahlt worden.

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In Kürze

Ein israelischer "Vermittler" hat behauptet, dass Geld aus einem Palästinenser- Konto in Genf missbräuchlich an "unbekannte Destinationen" transferiert worden sei.

Die betroffene Bank, Lombard Odier Darier Hentsch, weist die Anschuldigungen als absolut unhaltbar zurück.

Das unterdessen aufgelöste Konto sei unter Einhaltung internationaler Gesetze und Standards verwaltet worden.

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