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Armeefeindliche Sprengstoffanschläge in Bern

In Bern sind in der Nacht zum Dienstag (25.04.) zwei politisch motivierte Sprengstoffanschläge verübt worden. Die Gruppierung, die die Anschläge laut Bekennerschreiben gegen die Armee richtete, ist aus dem linksextremen Milieu bekannt.

Dieser Inhalt wurde am 25. April 2000 - 16:07 publiziert

Zwei armeefeindliche Sprengstoffanschläge in Bern sind am frühen Dienstagmorgen (25.04.) glimpflich verlaufen. Verletzt wurde niemand; der Schaden ist gering. Zur Tat bekannte sich die Gruppe "Revolutionäre Perspektive", die der linksextremen Szene zugerechnet wird und schon früher durch Gewaltakte in Erscheinung trat.

Die beiden Sprengsätze detonierten nach Mitteilung der Stadtpolizei Bern im Abstand von 15 Minuten in der Altstadt und im Kirchenfeldquartier, das auch zahlreiche ausländische Botschaften beherbergt. Kurz vor 01.00 Uhr wurde der erste Sprengsatz vor einem Haus an der Gerechtigkeitsgasse gezündet, in dem der neue Nachrichtenkoordinator des Bundesrats, Jacques Pitteloud, wohnt.

Die zweite Sprengladung wurde bei der Eidgenössischen Münzstätte (Bild) im altstadtnahen Teil des Kirchenfeldquartiers zur Explosion gebracht. Hier sind auch Räume des Generalsekretariats des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS).

Die Wucht der Detonation war in beiden Fällen gering. Nach Auskunft von Polizeisprecher Franz Märki barsten bei der Münzstätte zwei Fensterscheiben. In Hauseingang an der Gerechtigkeitsgasse ging bloss eine Lampe in Brüche. Der Knall war aber so laut, dass Anwohner aus dem Schlaf gerissen wurden, die die Polizei alarmierten. In der Münzstätte wurde zudem der automatische Brandmelder ausgelöst. Deshalb rückte diestädtische Berufsfeuerwehr aus.

Die Polizei mass den beiden Ereignissen nach den Worten von Märki zunächst keine allzu grosse Bedeutung bei. Erst um 04.15 Uhr habe man vom Zürcher Privatradio "Radio 24" ein Bekennerschreiben übermittelt erhalten, das sich auf die Anschläge beziehe. Darin bezeichnet die Gruppe "für eine revolutionäre Perspektive" die Anschläge als "unseren Beitrag zur Militärausstellung in der Muba in Basel".

Die diesjährige Mustermesse (Muba) öffnet am kommenden Freitag ihre Tore; das VBS ist mit einer Sonderschau "Unsere Armee an der Muba 2000" beteiligt. Armeekritische Organisationen hatten einen Schiess-Simulator bemängelt, in dem erwachsene Besucher auf menschliche Zielscheiben schiessen können. Das VBS verurteilte die beiden politisch motivierten Anschläge. Sprengstoff sei kein Argument für oder gegen die Armee, teilte das Departement Ogi mit.

Die für die Klärung von Sprengstoffdelikten zuständige Bundesanwaltschaft (BA) eröffnete ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren. BA-Sprecher Jürg Blaser erinnerte daran, dass die "Revolutionäre Perspektive" als linksextreme Gruppierung schon früher durch Gewaltakte in Erscheinung getreten sei. Die Gruppe taucht in den Staatsschutzberichten seit 1995 auf und war demnach bisher vor allem in Zürich durch Farbanschläge, Verleimen von Türschlössern und das Entzünden von Feuerwerkskörpern in Erscheinung getreten. Ziele waren unter anderem ausländische Konsulate und Einrichtungen, die Nationalbank und die Grossbank UBS gewesen.

Armee kaum Ziel von Anschlägen in jüngerer Zeit

Zur Art und zur Menge des eingesetzten Sprengstoffs lagen zunächst keine Angaben vor. Die Ermittlungen der Sprengstoffspezialisten der Polizei seien noch im Gang, sagte Blaser. Die Armee und Einrichtungen des VBS waren in den vergangenen Jahren nur sehr selten das Ziel von Anschlägen gewesen. Ende März 1994 wurde in einer Panzerjäger-Rekrutenschule ein Sabotageakt an mehreren Fahrzeugen verübt. In Erinnerung ist ausserdem ein Vorfall vor dem Zeughaus in Zug: Am 27. April 1995 hatten Unbekannte vor dem Zeughaus eine Holzkiste mit Sprengstoff, Zündkapseln und Zündschnüren deponiert. Die Polizei kam aber zum Schluss, dass es sich um eine widerrechtliche Entsorgung und nicht um einen Attentatsversuch handelte.

swissinfo und Agenturen

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