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Asyl Deshalb verzeichnet die Schweiz sinkende Asylzahlen

Zwei parallel verlaufende Stacheldrahtzäune in karger Landschaft.

Mehrere Balkanländer haben ihre Grenzen für Flüchtlinge fast vollständig geschlossen, manchmal mit echten Stacheldrahtmauern wie hier zwischen Mazedonien und Griechenland, nahe Gevgelija.

(EPA)

In der Schweiz nimmt die Anzahl Asylanträge ständig ab. Die Schliessung der Aussengrenzen der Europäischen Union zwingt die Migranten, andere, manchmal gefährlichere Wege zu gehen. Ein Überblick.

Grafik
(swissinfo.ch)

Weshalb ist die Zahl der Asylanträge in der Schweiz zwischen 2015 und 2016 gestiegen?

Syrien, Irak und Afghanistan werden seit mehreren Jahren von mehrere bewaffneten Konflikten heimgesucht. 2015 war die Situation in vielen Regionen – insbesondere im Nahen Osten – unhaltbar geworden. Teile der Bevölkerung verliessen ihre Heimat. Hunderttausende machten sich von der türkischen Küste aus über die griechischen Inseln und die Balkanroute auf den Weg nach Europa. Ein Teil der Asylbewerber kam auf diesem Weg in die Schweiz, andere reisten über das zentrale Mittelmeer. Zwischen 2015 und 2016 gelangten fast doppelt so viele Asylbewerber in die Schweiz wie in den Vorjahren. Dennoch waren es weniger Menschen, als während des Kosovo-Kriegs Ende der 1990er-Jahre.

Graphique évolution asile

Graphique sur l'évolution de l'effectif et des demandes d'asile en Suisse

Weshalb sinkt die Anzahl Asylanträge im Moment?

Seit 2016 sind die Asylanträge rückläufig. Im März 2016 beschlossen mehrere Balkanländer, ihre Grenzen vollständig zu schliessen. Dies führte zu einer Verschärfung der humanitären Krise in Griechenland, wo Zehntausende blockiert waren.

Mehr Tote im Mittelmeerraum

Die Schweizerische Flüchtlingshilfe weist darauf hin, dass der Rückgang der Asylanträge nicht bedeutet, dass die Zahl der Schutzbedürftigen abnimmt: "Dieses Phänomen ist vor allem das Ergebnis einer Politik der Auslagerung und der Schliessung Europas, zu der die Schweiz einen Teil beiträgt." Migranten finden sich an Orten wieder, die von NGOs als gefährlich eingestuft werden (insbesondere in Libyen) und suchen andere, oft gefährlichere Wege nach Europa.

Ein Bericht des UNHCRexterner Link zeigt, dass die Sterblichkeitsrate auf der Mittelmeerüberquerung zwischen Libyen und Italien von 1:29 (eine Person von 29) im ersten Quartal 2017 auf 1:14 im ersten Quartal 2018 und sogar auf 1:8 im September 2018 gestiegen ist. Das UNHCR fordert Europa dringend auf, den Zugang für Flüchtlinge zu sicheren und legalen Wegen zu verbessern.

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Anschliessend schloss die Europäische Union (EU) mit der türkischen Regierung ein Abkommen zur Rückführung irregulärer Migranten, die nach Griechenland einreisen, in die Türkei. Von Seiten humanitärer Organisationen sorgte dieser Ansatz für Kritik. Sie sind der Ansicht, dass die Türkei kein sicherer Staat für Asylbewerber ist. Nichtregierungsorganisationen (NGO) stellen fest, dass seit dem Abschluss dieses Abkommens viele Migranten in desolaten Lagern auf griechischen Inseln feststecken und dass die türkische Regierung eine grosse Anzahl der Asylsuchenden in Konfliktgebiete zurückschickt, ohne deren Anträge zu prüfen.

Zum Rückgang der Asylanträge in Europa und der Schweiz trägt aber auch die neue Politik Italiens bei. Die Regierung lässt Häfen für NGOs und Schiffe schliessen, die Migranten im Mittelmeer retten.

In der Folge entstehen neue Migrationsrouten, im Moment vor allem über Spanien.

Ist dieser Rückgang an Asylanträgen von Dauer?

Konflikte und Gewalt dauern unvermindert an, während für die Flüchtlinge die Möglichkeiten einer Rückkehr nach Hause oder eines Wiederaufbaus ihres Lebens in einem anderen Land geringer werden. Die bedrohten Bevölkerungsgruppen werden deshalb weiterhin migrieren. Die Schweizer Behörden können keine langfristigen Prognosen abgeben, da die Entwicklung in den Konfliktgebieten und auf den Migrationsrouten unsicher bleibt.

Wer ersucht in der Schweiz um Asyl?

Graphique nationalité des demandeurs d'asile

Grafik zur Nationalität der Asylsuchenden zwischen Januar und September 2018

Wer bekommt in der Schweiz Asyl?

Menschen aus Eritrea und Syrien erhalten in der Regel Asyl oder werden vorläufig aufgenommen. Die meisten Menschen aus Afghanistan werden vorläufig aufgenommen.

Welche Folgen hat der Rückgang der Asylanträge?

Die Kantone haben viele der 2015 eröffneten Notunterkünfte wieder geschlossen. Einige reduzierten sogar die Zahl der Aufnahmezentren auf ihrem Gebiet drastisch. Diese Massnahmen sind teils auch das Ergebnis einer laufenden Reform im Asylbereich, die ab dem nächsten Frühjahr mit der Umsetzung der beschleunigten Verfahren vollständig umgesetzt werden wird. Um den unterschiedlichen Migrationsströmen gerecht zu werden, wollen Bund, Kantone und Gemeinden flexibler werden und dafür sorgen, dass die Strukturen besser angepasst sind.

Wie viel kostet Asyl in der Schweiz?

Nach Angaben des Bundes gab das Staatssekretariat für Migration (SEM) 2017 insgesamt 1,6 Milliarden Franken für den Bereich Asyl aus. Dies entspricht 2,3% der Gesamtausgaben des Bundes.

Vorsicht vor Statistiken

Viele Vereine betonen in regelmässigen Abständen, dass Asylstatistiken irreführend sein können. Die Zahlen können unterschiedlich dargestellt und interpretiert werden. Die Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH) sagt, dass sich ihre Berechnungsmethode von der des Staatssekretariats für Migration (SEM) unterscheide. Das SEM zählt Nicht-Eintrittsentscheide und vorläufige Aufnahmen als negative Entscheide.

Die SFH hingegen schliesst Nicht-Eintrittsentscheide von ihren Berechnungen aus und betrachtet vorläufige Aufnahmen als positive Entscheide. Sie tut es dem UNO Hochkommissariat für Flüchtlinge, dem europäischen Statistikamt Eurosat und dem Verein Vivre Ensemble gleich. 

Für das erste Quartal 2018 betrug die Quote für positive Asylentscheide in der Schweiz gemäss SEM 56%, für die anderen Organisationen 73%.

Quellen: Staatssekretariat für Migration (SEMexterner Link), UNO Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCRexterner Link), Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFHexterner Link).


(Übertragung aus dem Französischen: Kathrin Ammann)

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