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Bekifft am Steuer

Kiffen am Steuer hat seine Risiken, besonders wenn man auch noch Alkoholkonsum damit kombiniert.

(swissinfo.ch)

Der Cannabiskonsum in der Schweiz wächst. Das Medizinische Institut Lausanne will den Einfluss aufs Fahrerverhalten im Strassenverkehr erforschen.

Die Schweiz praktiziert zusammen mit Holland eine im europäischen Vergleich liberale Cannabis-Politik. Der Hanf-Konsum ist zwar noch nicht legal, aber toleriert. Jetzt zeichnet sich ein ähnliches Problem wie beim Alkohol ab: Wie wirkt sich Haschisch beim Autofahren aus, und gibt es Indikationen zu Höchstwerten?

Wie effektvoll ist mein "Kraut"?

Juristischer Handlungsbedarf besteht aber europaweit, egal ob das Cannabis toleriert wird oder nicht. Konsumiert wird es ja ohnehin. Bereits 1999 wurde in Deutschland errechnet, dass knapp 12% der 18- bis 20jährigen in den letzten 30 Tagen Cannabis zu sich genommen hatten.

Der Effekt zwischen einem THC-schwachen und THC-starken "Kraut" entspricht etwa dem Unterschied zwischen einem Bier und einem Whisky, meint Marc Augsburger, Direktor der Analyseabteilung des Lausanner Instituts, gegenüber der Zeitung "24 heures". Nur weiss der Konsument beim Joint im Unterschied zum Alkohol nie genau, wieviel THC (THC: Tetrahydrocannabinol) sein Joint gerade enthält.

Denn heute werden in der Schweiz THC-starke Hanf-Pflanzen angebaut - deren Produkte es früher vor allem als Einfuhrware zu kaufen gab. Bis vor kurzem variierten die einheimischen THC-Werte noch zwischen 0 und 5%, heute erreichen sie oft 15 und 20%.

Crash nur nach Hasch?

Im Strassenverkehr wirkt sich diese Unsicherheit negativ aus. Bei Kontrollen und nach Unfällen wird vermehrt festgestellt, dass Cannabis nach Alkohol als Ursache Nummer 2 mit dabei ist - oft wird dazu noch ein Mix von Alkohol und Cannabis konstatiert. Jüngere männliche verunfallte Fahrzeugführer, die bei einem nur mittleren Blutalkoholgehalt schon erheblich alkoholisiert wirken, konsumierten in einem hohen Prozentsatz auch Cannabis, wie deutsche Untersuchungen ergaben (siehe Link).

Das Lausanner Institut möchte nun experimentell den Einfluss von Cannabis aufs Fahrerverhalten durchleuchten. Acht Personen werden dabei "kontrolliert bekifft", indem sie die klar bestimmte Dosis oral einnehmen. Doch der Versuchsfahrer selbst weiss nicht, ob und wieviel THC seine Dosis enthalten hat.

Versuche in anderen Ländern hätten ergeben, so "24 heures", dass sich das THC anscheinend nicht auf die Schnelligkeit der Reaktionsfähigkeit auswirkt. Die Joint-Raucher ihrerseits fühlen sich jedoch reduziert.

Polizeitests wie beim Alkohol existieren noch nicht

Rund 100 Versuche sind andernorts schon durchgeführt worden. Sie fanden eine reduzierte Fahrfähigkeit während durchschnittlich vier Stunden heraus, die aber teils bis 10 oder mehr Stunden anhalten kann. Bei möglichen Tests wäre vielleicht auf Speichelproben abzustützen. Doch eigentlich bräuchte es Blut- und/oder Urinproben.

So bleiben die medizinisch-rechtlichen Analysen noch limitiert. Die Lausanner Versuche sollen dem gesamtschweizerischen Projekt "Medralex" zugute kommen. Dieses zielt eine landesweit identische und standardisierte Methode an, um die Polizei- und Ärtzerapporte zu vereinheitlichen, was das Fahrverhalten unter Drogen oder Medikamenten betrifft.

swissinfo


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