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Bildungswesen vor neuen Herausforderungen

Das Schweizer Bildungswesen braucht mehr Profil.

(swissinfo.ch)

Das Bildungsmodell in der Schweiz sollte vermehrt allgemeine Kompetenzen fördern und die berufliche Flexibilität garantieren. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Schweizerischen Nationalfonds.

Das jetzige System sei zu berufsabhängig und nicht mehr arbeitsmarkttauglich.

Die heutige duale Berufslehre gebe zu reden, weil das Lehrstellenangebot mit der Nachfrage nicht mehr mithalte, hiess es an der Abschlusstagung des Forschungsprogramms am Mittwoch. Arbeitslosigkeit und Lehrstellenkrise seien nicht nur konjunkturelle Probleme, sondern hingen mit dem strukturellen Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft zusammen.

Das heutige an Berufsbildern orientierte Modell des schweizerischen Bildungswesens sei zwar bis vor kurzem ein Erfolg gewesen. Dessen Zukunft sei aber nicht gesichert, sagte Karl Weber, Direktor der Koordinationsstelle für Weiterbildung (KWB) an der Universität Bern.

Nicht nur traditionelle Berufsleute

Das Nationale Forschungsprogramm "Bildung und Beschäftigung" (NFP43) kommt zum Schluss, dass der moderne Arbeitsplatz vor allem im Dienstleistungsbereich nicht nur nach traditionellen Berufsleuten verlange. Die Ausbildungen sollten deshalb vermehrt das selbstständige Lösen von neuen Problemen, das Projektmanagement oder die Nutzung neuer Technologien trainieren.

Zudem müssten sich die Bildungsinstitutionen ein unverwechselbares Profil geben. Dabei gelte es unter anderem, die Aufgabenverteilung zwischen Universitäten, Fachhochschulen und Höheren Fachhochschulen zu überprüfen.

Staatlicher Handlungsbedarf gefragt

George Sheldon von der Universität Basel ortete vor allem bei den Ungelernten staatlichen Handlungsbedarf. Zwar reagiere heute die Arbeitslosenversicherung mit Weiterbildungs-Massnahmen. Der Staat müsste aber eine präventive Strategie entwickeln.

Es gelte zu verhindern, dass weiterhin 10 bis 15 Prozent aller Jugendlichen das Bildungssystem ohne einen nachobligatorischen Abschluss verlassen.

Gerechtigkeitsproblem

Fritz Osterwalder von der Universität Bern kritisierte, dass sich das Bildungssystem im Übergang von der obligatorischen Schule in weiterführende Ausbildungen verästle und die traditionellen Kriterien nicht mehr genügten. Betriebe, die Lehrlinge auswählten, griffen deshalb zu Eignungstests.

Die unklaren Übergänge stellten auch ein Gerechtigkeitsproblem dar. Besonders schwächere Schüler, Jugendliche mit Migrations-Hintergrund und Mädchen gerieten in eine Risikosituation. Sie seien über die eigenen Fähigkeiten, die Anforderungen und die Angebote ungenügend informiert.

Osterwalder forderte, dass die Anschluss- und Zuweisungskriterien für die Sekundarstufe II klarer definiert und kommuniziert werden.

Unterschiedliche Perspektiven bei Männern und Frauen

Martine Chaponnière aus Genf stellte fest, dass die unterschiedlichen Bildungs- und Beschäftigungs-Biografien von Frauen und Männern weiter fortbestünden. Die Arbeitswelt schiebe die Verantwortung für die Privatsphäre weiterhin den Frauen zu. Nur die Gratisarbeit der Frauen erhalte die heute Arbeitsorganisation aufrecht.

Es brauche hier ein Umdenken. Vor allem sei Teilzeitarbeit endlich gleich wie Vollzeitarbeit zu behandeln. Gleichzeitig sei die Weiterbildung von Personen, die eine Familienpause einlegen, zu fördern.

Mehr Innovation durch Integration

Für die Durchsetzung von Innovationen brauche es mehr als nur Technik, Wissenschaft und Bildung. Auch soziokulturelle Aspekte spielen laut Beat Hotz-Hart von der Universität Zürich eine Rolle. Wenn diese mehr berücksichtigt würden, liesse sich das intellektuelle Potential der Bevölkerung besser nutzen.

Eine wirkungsvolle innovationspolitische Massnahme besteht aus der Sicht von Hotz-Hart darin, die fremdsprachigen Jugendlichen besser zu integrieren.

swissinfo und Agenturen

Fakten

NFP43 umfasst 31 Projekte verschiedener Disziplinen

Kosten: 8 Mio. Franken

Das Forschungs-Programm dauerte vier Jahre

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In Kürze

Laut dem Nationalen Forschungsprogramm "Bildung und Beschäftigung (NFP43) ist das Schweizer Bildungswesen zu berufsabhängig.

Die Ausbildungen sollten künftig vermehrt berufsunabhängige Fähigkeiten wie zum Beispiel Projektmanagement trainieren.

Eine zukunftsweisende Ausbildung muss gemäss NFP43 mit einheitlichen Leistungstests in Schlüsselbereichen eine landesweit vergleichbare Minimal-Qualifikation garantieren.

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