Navigation

Biographie: Weltweiser mit wirren Haaren

Albert Einstein zertrümmerte als bescheidener Beamter im Patentamt zu Bern mit einem physikalischen Geniestreich das bis dahin gültige Bild der Welt.

Dieser Inhalt wurde am 21. April 2005 - 11:35 publiziert

Der erste Popstar der Wissenschaft, Weltweiser und Pazifist mit wirren Haaren und verträumtem Blick, war schon zu Lebzeiten mystisch verklärt und persönlich angefeindet.

Der am 14. März 1879 in Ulm geborene Einstein war als Kind und Gelehrter ein Spätstarter - vielleicht das Geheimnis seines Erfolgs. "Ich habe mich geistig derart langsam entwickelt, dass ich erst als Erwachsener anfing, mich über Raum und Zeit zu wundern."

Neben seinem kindlichen Staunen und seiner genialen Intuition war es auch die Abgeschiedenheit seiner wissenschaftlichen Existenz fernab des Universitätsbetriebs, die ihn in seinem "Wunderjahr" 1905 die Widersprüche im physikalischen Weltbild seiner Zeit auflösen und durch Türen schreiten liess, vor denen die Koryphäen seiner Zunft betriebsblind verharrten.

"Jeder Piepser ein Trompetensolo"

Schon der Franzose Henri Poincaré wusste: "Es gibt keine absolute Zeit" - doch erst Einstein zog die richtigen Schlüsse und definierte mit seiner speziellen Relativitätstheorie Zeit und Raum neu. Im gleichen Jahr legte der Beamte III. Klasse im eidgenössischen Patentamt in Bern die Grundlagen der Quantenmechanik vor, was ihm 1921 den Nobelpreis brachte.

Zu der Zeit war Einstein bereits weltweit bekannt. 1919 bestätigten astronomische Beobachtungen sein Modell des gekrümmten Raums. "Bei mir wird jetzt jeder Piepser zum Trompetensolo", staunte er über den Ruhm.

In die Schweiz war der Schwabe eher zufällig geraten. Er kam mit dem Drill in seiner Schule in München nicht zurecht, wohin seine Familie gezogen war. An der Kantonsschule Aarau holte er die Matura nach, am Polytechnikum in Zürich studierte er. 1902 verschaffte ihm die Stelle im Patentamt Bern eine Existenzgrundlage.

Die Kehrseite des Genies

Im gleichen Jahr heiratete er seine Kommilitonin Mileva Maric. Seine Beziehung zu Frauen und seinen Kindern zeigt die Kehrseite des bisweilen fast zum "Heiligen" verklärten Genies. Die Ehe mit der sicherlich nicht einfachen Mileva, der "verlogenen Kreatur" (Einstein), endete im Fiasko. Seine Söhne zerbrachen fast am berühmten und genialen Vater, der kaum Zeit für sie hatte und zwischen Zurückstossung und Zuneigung schwankte.

Mileva brachte vor der Hochzeit in ihrer serbischen Heimat eine Tochter zur Welt, die vermutlich zur Adoption frei gegeben wurde. Einstein hat sie nie gesehen. Seine zweite Frau Elsa betrog er rücksichtslos.

Einstein hatte Angst vor Nähe. Er beschrieb sich selbst als "Einspänner, der dem Staat, der Heimat, dem Freundeskreis, ja selbst der engeren Familie nie mit ganzem Herzen angehört hat, sondern all diesen Bindungen gegenüber ein nie sich legendes Gefühl der Fremdheit und des Bedürfnisses nach Einsamkeit empfunden hat".

Krieg nicht besser als gewöhnlicher Mord

Nach seinen bahnbrechenden Arbeiten von 1905, die er einem Freund als "wenig bedeutsames Gepappel" ankündigte, begann seine steile Gelehrtenkarriere, die ihn 1914 an die Preussische Akademie der Wissenschaften nach Berlin führte.

Der sympathische, humorvolle und oft höchst nachlässig gekleidete Professor wurde auf seinen Auslandsreisen umjubelt. Doch in Deutschland wurde er zur Zielscheibe von Antisemiten, was ihn nach eigener Aussage erst bewusst zum Juden machte.

Einstein war der "Archetypus des Naturwissenschaftlers mit moralischer Verantwortung", schreibt sein Biograph Thomas Bührke. Er stellte seine beispiellose Popularität in den Dienst der gerechten Sache, trommelte für Kriegsdienstverweigerung, plädierte für eine Weltregierung, rief Gewerkschaften, SPD und KPD 1932 zur Bildung einer antifaschistischen Einheitsfront auf und polemisierte: "Töten im Krieg ist nach meiner Auffassung um nichts besser als gewöhnlicher Mord."

Der Bruch mit Deutschland

Für so einen war bald kein Platz mehr in Deutschland, das wusste keiner besser als Einstein selbst. "Solange mir eine Möglichkeit offen steht, werde ich mich nur in einem Lande aufhalten, in dem politische Freiheit, Toleranz und Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz herrschen. Diese Bedingungen sind gegenwärtig in Deutschland nicht erfüllt", schrieb er kurz nach der Machtübernahme Hitlers im März 1933.

Einstein brach völlig mit Deutschland, nach 1932 setzte er nie wieder einen Fuss auf deutschen Boden. Seine letzten beiden Lebensjahrzehnte verbrachte er in den USA. Die begeisterungsfähigen Amerikaner hatten wesentlich zu seiner weltweiten Popularität beigetragen, doch richtig heimisch wurde Einstein in Princeton nie.

Für das FBI ein Sicherheitsrisiko

Finanziell vom Institut for Advanced Study abgesichert, setzte er starrsinnig seine Suche nach einer einheitlichen Feldtheorie, der "Weltformel" fort. Doch diesmal scheiterte das Genie, das den Anschluss an die moderne Physik verloren hatte. 1935 veröffentlichte er seine letzte wissenschaftlich bedeutende Arbeit.

Aus Angst, Nazi-Deutschland könnte die Atombombe entwickeln, forderte der Pazifist 1939 US-Präsident Franklin D. Franklin D. Roosevelt auf, den Bau von Nuklearwaffen voranzutreiben. Am "Manhattan Projekt" wurde Einstein aber nicht beteiligt - das FBI stufte den Exilanten als Sicherheitsrisiko ein.

Die Nachtschwester verstand kein Deutsch

Während des Kriegs setzte er sich für die Einwanderung von Verfolgten des Nazi-Regimes ein. Damit habe er Hunderten das Leben gerettet, schreibt sein Biograph Jürgen Neffe. Nach dem Krieg galt sein Engagement in den USA den Opfern des Kommunistenjägers McCarthy.

1955 trat Einstein letztmals an die Weltöffentlichkeit und warnte gemeinsam mit dem Philosophen Bertrand Russell vor dem Wahnwitz eines atomaren Krieges.

Am 15. April wurde er mit Unterleibsschmerzen ins Spital von Princeton gebracht. Albert Einstein starb in der Nacht zum 18. April 1955 an einer geplatzten Aorta. Seine letzten Worte sind der Nachwelt nicht überliefert - die Nachtschwester verstand kein Deutsch.

swissinfo und Uwe Gepp, AP

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen

Diskutieren Sie mit!

Mit einem SWI-Account erhalten Sie die Möglichkeit, Kommentare auf unserer Webseite sowie in der SWI plus App zu erfassen.

Login oder registrieren Sie sich hier.