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Blatter lässt sich FIFA-Jubiläum nicht verderben

Fifa-Boss Sepp Blatter vermisst in seiner Fussball-Familie Respekt und Disziplin.

(Keystone)

Im Jahr seines 100. Geburtstages befindet sich der Weltfussball-Verband FIFA in einem juristischen Clinch mit den europäischen Spitzenvereinen.

Im Interview mit swissinfo äussert sich der Schweizer FIFA-Boss Sepp Blatter zu diesem Streit, aber auch über Doping und den Fussball in der Schweiz.

Anfang April hat die Schweizer Wettbewerbs-Kommission (Weko) eine Vorabklärung gegen die FIFA eröffnet. Dies auf Klage der G-14 hin, dem Zusammenschluss von 18 mächtigen Fussball-Vereinen aus allen Top-Ligen Europas. Sie warfen dem Weltverband nichts weniger als Machtmissbrauch vor.

Konkret fordern die 18 involvierten von der FIFA direkte Zahlungen für alle Klubs, welche Spieler für Nationalmannschaften zur Verfügung stellen müssen, die an Weltmeisterschaften teilnehmen. Dabei beriefen sich die Clubs auf das Schweizer Kartellrecht.

Die FIFA sieht dem möglichen Rechtsstreit vor der Weko gelassen entgegen. Gegenüber den Medien nahm FIFA-Boss Blatter am Donnerstag zur Klage Stellung und beschuldigte Klubs wie Real Madrid und Manchester United des "mangelnden Respekts".

Der Zeitpunkt dieses Streits hätte nicht ungünstiger sein können, feiert doch die FIFA in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag. Der Weltverband begeht das Jubiläum mit einer Serie von Aktivitäten rund um den Erdball. Ausserdem schenkt sich die FIFAin Zürich für 180 Mio. Franken einen neuen Hauptsitz, der im April 2006 bezugsbereit sein soll.

swissinfo: Was ist Ihre Antwort auf die Klage der G-14-Gruppe?

Sepp Blatter: Wir werden gegen diese Klage ankämpfen. Ich bin darüber sehr traurig, weil in unserer grossen Fussball-Familie kein Respekt und keine Disziplin mehr herrscht.

Wir unterstützen die Nationalmannschaften finanziell für die Teilnahme an FIFA-Anlässen. Mit ihrem Begehren sollen sich die Klubs an die nationalen Verbände wenden, nicht an die FIFA. Mit der Klage stellen sie Bestimmungen in Frage, die im Einklang stehen mit dem geltenden EU-Recht. Deshalb glaube ich kaum, dass wir falsch liegen.

swissinfo: Vor zwei Jahren wurden Ihnen und der FIFA Korruption und Misswirtschaft vorgeworfen, was sich aber später als haltlos erwies. Haben diese Beschuldigungen der Fifa geschadet? Und wie schwer hatten diese Vorwürfe Ihnen zu schaffen gemacht?

S.B.: Den Schaden, den die FIFA und das Büro des Präsidenten dadurch genommen hat, kann ich nicht abschätzen. Aber im Fussball herrscht eine spezielle Dynamik: Wenn ein Spiel aus ist, beginnt das Nächste.

Bei den Wahlen, die auf die Anschuldigungen folgten, unterstützen 70% der nationalen Verbände meine Kandidatur. Und beim FIFA-Weltkongress im vergangenen Jahr erhielt ich stehende Ovationen. Wir konnten zudem beweisen, dass unsere Finanzen absolut in Ordnung sind und dass wir sehr positive Perspektiven für die Zukunft haben.

swissinfo: Zum Doping: Viele waren schockiert über die Härte der Strafe, welche gegen den englischen Fussball-Profi Rio Ferdinand ausgesprochen wurde, weil er einen Doping-Test verpasst hatte.

S.B.: Wir nehmen das Thema Doping sehr ernst. Die achtmonatige Sperre wurde aber vom britischen Fussball-Verband (FA) ausgesprochen und ich kann den Verband dafür nur beglückwünschen. Die FA hat aber zu spät reagiert. Sie hätte den Spieler unmittelbar nach dem verpassten Test suspendieren sollen.

Es gab starke Kritik an FIFA und FA, aber der Spieler hat die Sperre schlussendlich akzeptiert. Für dieses sportliche Verhalten muss ich Rio Ferdinand gratulieren.

swissinfo: Wie verbreitet ist Doping im Fussball?

S.B.: Das Problem existiert besonders in den Klubs. Es gibt zu viele Spiele, dadurch geraten die Spieler physisch und psychisch an Grenzen. Ihnen bleibt keine Zeit für Erholung. Das erhöht die Gefahr, dass ihnen etwas zur Verbesserung ihrer Leistung gegeben wird. Sie wissen oft selber nicht genau, was sie nehmen. Gerade deshalb müssen wir sehr aufmerksam sein.

swissinfo: Vom Hauptsitz in Zürich aus können Sie den Schweizer Fussball quasi aus der ersten Reihe verfolgen. Die Nationalmannschaft und auch das U-21-Team haben sich für die Europameisterschaften von diesem Sommer qualifiziert. Wie entwickelt sich der Schweizer Fussball?

S.B.: Der Schweizer Verband tut vor allem für die Nachwuchsspieler und den Frauen-Fussball sehr viel. Es wurden technische Zentren eröffnet, und die Resultate sprechen für sich. In der Super League dagegen vermisse ich eine solche Entwicklung.

swissinfo-Interview: Adam Beaumont
(Übersetzung aus dem Englischen: Renat Künzi)

Fakten

Die FIFA feiert in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag.
Im Jubiläumsjahr ist der Weltverband in einen Rechtsstreit verwickelt.
18 grosse Klubs aus Europa haben bei der Schweizer Wettbewerbs-Kommission Klage gegen die FIFA eingereicht.
Sie verlangen Entschädigungen für Vereine, die Spieler für diejenigen Nationalteams zur Verfügung stellen müssen, die an Weltmeisterschaften teilnehmen.
Laut Boss Sepp Blatter entspricht die FIFA-Praxis der geltenden EU-Rechtssprechung.

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