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Bombenterror in ägyptischem Taucherparadies

Trauer und Wut nach den Anschlägen im Taucherparadies.

(Keystone)

Gegen 20 Personen, darunter auch ein Schweizer, sind bei einer Anschlagserie im ägyptischen Ferienort Dahab auf der Sinai-Halbinsel ums Leben gekommen.

Der Terrorakt, der auch über 80 Verletzte forderte, ist bereits der dritte in einer Feriendestination innerhalb von 18 Monaten.

"Die ägyptischen Behörden haben uns bestätigt, dass unter den Toten auch ein Schweizer Opfer zu beklagen ist", sagte Lars Knuchel, Sprecher des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), am Dienstagmorgen.

Zudem befinde sich eine Schweizer Touristin mit einer schweren Beinverletzungen in Spitalpflege. Die Zürcherin soll bereits am Dienstagabend in die Schweiz zurückkehren. Ein Rega-Ambulanzjet wird um die Mittagszeit in Richtung Kairo starten, um die 35-jährige Frau abzuholen.

Insgesamt sind nach offiziellen Angaben im Badeort auf der Sinai-Halbinsel mindestens 18 Menschen getötet und mehr als 80 weitere verletzt worden. Viele der Verletzten mussten in ein Spital ins rund 80 Kilometer entfernte Scharm el Scheich gebracht werden. Besonders schwere Fälle seien auch nach Kairo geflogen worden, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

Die drei Bomben explodierten am Montagabend binnen weniger Minuten auf einem Markt und vor zwei Restaurants. Ob die Explosionen gezündet oder von Selbstmordattentätern verursacht wurden, ist noch nicht klar. Bislang bekannte sich niemand zu dem Dreifach-Attentat.

Acht Verdächtige festgenommen

Augenzeugen sagten, auf den Strassen seien Körperteile und Trümmer verstreut gewesen. Es habe Chaos geherrscht und ausgesehen wie nach einem Massaker. Eine französische Augenzeugin berichtete, zum Zeitpunkt der Bombenexplosionen seien viele Touristen auf der Flaniermeile unterwegs gewesen. Anderen Augenzeugen zufolge riegelten die Sicherheitskräfte das Gebiet umgehend ab.

Bereits wenige Stunden nach der Anschlagsserie schloss Ägypten seine Grenze zu Israel. Damit solle die Flucht aller Verdächtigen verhindert werden, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits hunderte israelische Touristen auf den Heimweg gemacht.

Unterdessen hat die Polizei acht Verdächtige festgenommen. Die Männer seien beim Verlassen von Dahab gestellt worden, verlautete aus Sicherheitskreisen in Kairo.

Insider-Tip

Dahab ist ein vor allem bei Tauchern und Surfern beliebter kleiner Badeort nordöstlich des bekannten Urlaubszentrums Scharm el Scheich. Neben Hotels gibt es hier auch zahlreiche preiswerte Feriencamps direkt am Meer. Der Ort galt bisher als sicheres Reiseziel.

Mit seinen Strandcafes und exzellenten Tauchplätzen ist Dahab vor allem bei jungen Rucksack-Touristen aus Europa und Israel beliebt. Auch die Surfergemeinde zählt Dahab zu ihren Lieblings-Destinationen.

Schweizer Reisende wollen nach den Bombenanschlägen vom Montagabend zunächst nicht nach Hause. Dies ergaben erste Abklärungen der grossen Schweizer Reiseveranstalter. Gebuchte Reisen mit Abreisedatum in den kommenden Wochen können kostenlos annulliert werden, hiess es.

Care-Team unterwegs

Insgesamt befinden sich derzeit gemäss der Reiseversicherung Elvia zwischen 80 und 100 Schweizer Touristen in Dahab. Dies gab Elvia am Dienstagmorgen nach Kontakten zu den grossen Reiseveranstaltern bekannt.

Elvia entsandte am Dienstagmorgen ein Care-Team zur psychologischen Betreuung der Touristen. Dem Team gehören ein Logistik-Experte, ein Psychologe sowie eine dritte Person zur Unterstützung an, wie Elvia-Sprecher Simon Aeschlimann erklärte.

Experte erstaunt

"Niemand hat eine derart grosse Aktion in dieser Region erwartet", sagte Mohamed Abdessalam, Militärexperte im Zentrum Al Ahram für politische und strategische Studien in Kairo, gegenüber swissinfo. "Man dachte, die ägyptischen Sicherheitskräfte hätten die Situation im Griff."

Für Ägypten sei das "ein sehr schwerer Schlag", so Abdessalam weiter. "Auch wenn sich der touristische Sektor sehr schnell von den letzten Attentaten erholt hat."

Anschläge verurteilt

Der Bundesrat hat die Anschläge in Dahab "aufs Schärfste" verurteilt. Die Anschläge seien "feige" und durch nichts zu rechtfertigen, hiess es. UNO-Generalsekretär Kofi Annan verurteilte die Bombenanschläge ebenfalls. Das dreifache Attentat habe sich "gegen unschuldige Menschen gerichtet", erklärte dessen Sprecher in New York.

Auch der französische Staatschef Jacques Chirac sowie US-Präsident George W. Bush verurteilten "den abscheulichen Terrorakt" am Roten Meer auf das Schärfste. Chirac sei über die Anschläge bestürzt, teilte sein Büro in Paris mit. Bush bekräftigte, dass die USA im Kampf gegen den Terrorismus nicht nachgeben würden.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Die Anschläge von Dahab sind die jüngsten in einer Serie von Terrorakten, die das Reiseland Ägypten seit 1997 erschüttern.

Am 17. November 1997 töteten islamistische Attentäter bei den antiken Stätten von Luxor 62 Menschen, darunter 36 Schweizer Touristen. Die Polizei tötete sechs der Terroristen.

Am 7. Oktober 2004 forderte eine Serie von Attentaten in Taba und zwei kleineren Küstenorten auf der Sinai-Halbinsel 34 Tote, die meisten davon im Hilton Hotel Taba. Keine Schweizer Opfer.

Am 23. Juli 2005 forderten drei Anschläge im Badeort Scharm el Scheich auf dem Sinai 64 Todesopfer und 200 Verletzte. Von den rund 1000 Schweizern vor Ort war niemand direkt betroffen.

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Fakten

Das Aussenministerium rät auch nach den jüngsten Anschlägen nicht explizit von Reisen nach Ägypten ab.
Es weist aber darauf hin, dass das Risiko weiterer Anschläge bestehen bleibt.
Touristen sollten besondere Vorsicht walten lassen.

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