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Charles Raedersdorf: Der Mann vom SKH geht

Charles Raedersdorf.....

(Keystone)

Zwölf Jahre leitete Charles Raedersdorf das Schweizerische Katastrophen-Hilfekorps. An der Jahrestagung der Humanitären Hilfe und des SKH vom Freitag (30.03.) trat der Delegierte für Humanitäre Hilfe zurück. swissinfo traf ihn zu einem Gespräch.

Das SKH ist der operationelle Teil der Humanitären Hilfe des Bundes. Es ist in den Bereichen Prävention, Rettung, Überleben und Wiederaufbau tätig und kommt ausschliesslich im Ausland zum Einsatz. Geleitet wurde es in den letzten zwölf Jahren von Charles Raedersdorf. "Das SKH ist in der schweizerischen Bevölkerung sowohl ideell wie finanziell sehr gut verankert. Dafür sind wir sehr dankbar."

Unterstützung ist nötig, denn Katastrophen nehmen zu. "Die Anzahl der Naturkatastrophen hat sich in den letzten Jahren verdoppelt", sagt Raedersdorf. "Diejenigen, die der Mensch verursacht, vervielfacht." Die finanziellen Mittel hingegen, die die Geberländer zur Verfügung stellen, steigen nicht im selben Masse. "Es ist deshalb äusserst wichtig, dass die Koordination zwischen den verschiedenen Organisationen funktioniert. Gerade innerhalb der UNO muss die Zusammenarbeit noch stark verbessert werden", sagt Raedersdorf.

Die Schweiz, ein Geberland, stellt für humanitäre Hilfe rund 260 Mio. Franken zur Verfügung. Verteilt wird das Geld auf Direkteinsätze sowie zur Unterstützung nationaler und internationaler Partnerorganisationen. Das SKH umfasst rund 1'700 Angehörige als Freiwillige, davon etwa 500 Aktive. Zehn Prozent der aktiven Korpsangehörigen sind Frauen. "Das Milizsystem ist auch heute noch richtig", meint der ehemalige SKH-Chef. "Ein Berufskorps wäre nicht zahlbar."

Hilfeleistung ist komplexer geworden

Die Arbeit in den Katastrophen-Gebieten hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Hilfe muss eben nicht mehr nur bei Naturkatastrophen (z.B. Erdbeben) geleistet werden, sondern zunehmend auch bei Zivilkatastrophen (z.B. Ruanda, Bosnien).

Die Aufgaben werden stets komplexer. Anstelle des "Bauarbeiters", der selbst Hand anlegt, ist der Experte getreten. Er koordiniert, organisiert und arbeitet intensiv mit einheimischen Hilfskräften zusammen. Er muss nicht mehr nur Fachwissen mitbringen, sondern auch Sozial- und Sprachkompetenz vorweisen. Momentan sind laut Raedersdorf gut 130 Männer und Frauen des SKH in 35 Ländern tätig.

Es wird auch nicht mehr nur punktuell interveniert, sondern vermehrt mittelfristige Wiederaufbau-Arbeit geleistet und Prävention. "Wir versuchen, Vulkanausbrüche vorherzusehen, so dass die Bevölkerung rechtzeitig evakuiert werden kann", erklärt Raedersdorf. In Ruanda habe man mit den Spitälern ein Frühwarnnetz aufgebaut, um Epidemien rascher feststellen und damit ihre Verbreitung verhindern zu können.

Nur einmal ist das SKH an politische Barrieren gestossen und wurde am Einsatz gehindert. 1997 wehrte sich der Rote Halbmond gegen die Schweizer Hilfe nach einem Erdbeben in Teheran. "Wir sind zum Spielball geworden. Es war gerade die Phase, als europäische Botschafter ausgewiesen wurden." Gewöhnlich sind die Männer und Frauen des SKH aber willkommen. Doch sie müssen Sitten und Kulturen des entsprechenden Landes beachten. "Ich sage immer, auch als Helfer ist man Gast im Land und muss sich entsprechend benehmen."

Immer wieder Wunder trotz grossen Leid

"Die Bilder des Leids vergisst man nicht", beschreibt Raedersdorf die vielen Einsätze, die er selbst mitgemacht hat. Etwas vom Schwierigsten sei es, sagt er, sich für den Abbruch eines Einsatzes zu entschliessen. "Man hat immer das ungute Gefühl, da lebt noch einer unter den Trümmern." 48 Stunden nach einem Erdbeben wird die Suche nach Überlebenden normalerweise abgebrochen. "Aber Wunder gibt es immer wieder", betont Raedersdorf.

An diese Wunder muss man sich halten, um das viele Leid, das man sieht, verabeiten zu können, sagt der einstige SKH-Chef. "Wenn Kinder gerettet werden können oder Kinder wieder innerhalb der Trümmer zu spielen beginnen, dann erlebt man die schönsten Momente."

Carole Gürtler

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