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Das Geschäft mit dem gezähmten Edelweiss

Ein Symbol verliert seinen Zauber: Nach Anfangsschwierigkeiten ist es gelungen, das Edelweiss zu kultivieren.

(swissinfo.ch)

Das Edelweiss wird in der Schweiz seit ein paar Jahren mit grossem Erfolg als Grundstoff für Antifalten- und Sonnenschutz-Cremen vermarktet.

Kultiviert wird die rare Pflanze, das Symbol der Schweizer Alpen schlechthin, von einer Bauerngenossenschaft im Kanton Wallis.

Seit 1962 steht die kleine weisse Bergblume in den meisten Regionen der Schweiz unter Schutz. Wegen ihrer heilenden und kosmetischen Wirkstoffe wird die Wildpflanze seit rund zehn Jahren für den Markt kultiviert.

Einer der grössten Edelweiss-Produzenten ist die Valplantes-Genossenschaft, eine Vereinigung von rund 150 Bauern, die jährlich rund 10 Tonnen Edelweisse produzieren. Sitz der Genossenschaft ist das Dorf Sembrancher in der Nähe von Martigny im Kanton Wallis.

Ein Jungbrunnen für die Haut

"Die Kosmetikindustrie ist unsere Hauptabnehmerin. Sie verwendet unsere Extrakte hauptsächlich für Cremen", sagt Fabien Fournier, Leiter der Produktion bei Valplantes, gegenüber swissinfo.

Edelweiss-Extrakte werden unter anderem für die Sonnenschutzmittel der Schweizer Arzneimittel- und Naturkosmetik-Produzentin Weleda verwendet. Das Basler Pharmaunternehmen Pentapharm setzt die Blume für ihre Antifalten-Creme ein.

Das Edelweiss wächst in Höhen von 2000 Meter über Meer. Weil es dort starker Ultraviolett-Strahlung ausgesetzt ist, hat es einen hohen Gehalt an Antioxidanzien. Damit kann es freie Radikale neutralisieren, die den Alterungsprozess im menschlichen Körper beschleunigen.

Das Edelweiss gilt auch als bewährtes Mittel gegen Verdauungs-Störungen. Im Wallis wird es schon seit Jahrhunderten zur Heilung von Durchfall eingesetzt.

Die Zähmung der Widerspenstigen

Trotz der erfolgreichen Kultivierung der Wildpflanze, war es laut Fournier nicht immer einfach, das Edelweiss an den Alpen-Hängen anzusiedeln.

"Probleme tauchen auf, wenn du eine Wildpflanze, die sonst in Extremhöhen wächst, auf Geländehöhe kultivieren willst. Dort haben wir oft Krankheiten und Schädlinge. Deshalb bauen wir das Edelweiss in einer Mindesthöhe von 1000 Meter über Meer an", erklärt er.

Die nach biologischen Kriterien gezogenen Setzlinge werden in akkuraten Reihen in Felder gepflanzt. Dort dürfen sie ein Jahr lang wachsen, weil sie, wie Fournier weiter sagt, im ersten Jahr keine Blüten tragen. Die üppigen weissen Felder hätten bereits erste Edelweiss-Liebhaber ins Wallis gelockt.

Nach vier Jahren ausgebrannt

Nach dem ersten Jahr werden die Blüten jährlich zwischen Mitte und Ende Juni geerntet. Die durchschnittliche Lebensdauer eines kultivierten Edelweisses beträgt vier Jahre.

"Es ist tatsächlich so, dass das Edelweiss in der Wildnis länger lebt. Die kultivierten Pflanzen sind wegen der jährlichen Blüten-Ernte schneller ausgebrannt", sagt Fournier. Auch könne man den Zyklus nicht verlängern, weil sonst die Ernte nicht mehr wirtschaftlich wäre.

Die geernteten Blüten werden zum Trocknen und Abpacken an die Genossenschaft geliefert. 100 kg frische ergeben rund 15 kg getrocknete Edelweiss-Blüten.

Ein lohnendes Geschäft

Der Handel mit Edelweiss ist lukrativ. Laut Fournier kostet die Blume rund fünf bis sechs Mal mehr als andere Pflanzen, wie beispielsweise Minze und Thymian, die ebenfalls von der Genossenschaft angebaut werden.

Zurzeit werden in Sembrancher über 40 Pflanzenarten angebaut und unter anderem an Produzenten von Bonbons und Tees geliefert.

Die Kultivierung des Edelweisses hat sich für einige Bauern der Region als echte Alternative erwiesen. Sie erwirtschaften heute rund 40% und mehr ihres Einkommens mit dem Anbau von Edelweissen und anderen Pflanzen.

"Wir sind glücklich, dass es uns gelungen ist, das Edelweiss zu kultivieren. Es ist nicht nur ein für Symbol für die Alpen, sondern auch für die Schweiz", schliesst Fournier.

swissinfo
(Übertragung aus dem Englischen: Nicole Aeby)

In Kürze

Das Edelweiss, eine der bekanntesten Alpen-Blumen, stammt ursprünglich aus Asien. Es gibt rund 41 Edelweiss-Arten.

Heute ist das Edelweiss in den Alpen, den Pyrenäen, in Sibirien, Afghanistan, Japan, China und im Himalaya verbreitet. Die Wildpflanze wächst auf Höhen von 1800 bis 3000 Meter über Meer.

Der Edelweiss-Stern ist eine Scheinblüte. Die wirklichen Blüten sitzen in der Mitte des Sterns. Sie sind winzig klein und blass-gelb.

Das Edelweiss blüht zwischen Juli und September. Es ist ungiftig und steht unter Naturschutz.

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