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Der Chefplaner der Flüchtlingsstadt Dadaab

Hans Keller als Attraktion in Dadaab.

Weil in Somalia Krieg herrscht, läuft die humanitäre Hilfe der Schweiz über multilaterale Organisationen wie das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) und das IKRK.

Dies geschieht nicht nur finanziell: Der Ingenieur Hans Keller unterstützt mit seinem Fachwissen das UNHCR im ostkenianischen Lager Dadaab.

Die Regenzeit im letzten November in Ostkenia machte ihrem Namen alle Ehre. Auch im Lager Dadaab, 80 Kilometer von der somalischen Grenze entfernt, wo das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) 168'000 somalische Vertriebene betreut.

"Die Hütten von 30'000 Menschen standen unter Wasser", schildert Hans Keller gegenüber swissinfo.

Der 51-jährige Toggenburger Bau- und Kulturingenieur, der auch noch die Ausbildung zum Geometer besitzt, plant und leitet in Dadaab die Verlegung der Betroffenen an zwei neue und sichere Standorte.

Nach dem Hochwasser hatten die kenianische Regierung und das UNHCR bei der Schweizer Regierung um die Entsendung eines Experten gebeten. Das Schweizerische Korps für Humanitäre Hilfe der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) schickte darauf Keller für einen Unterstützungs-Einsatz ins Lager der UNO-Organisation.

Vielfältige Herausforderungen

"Es wird eine ziemliche organisatorische und logistische Herausforderung", sagt Keller. Die Umsiedelung hat Mitte Februar begonnen und dauert bis Ende Juni. Besonderes Augenmerk des Schweizers gilt der Wasserversorgung. "Auch wenn jede Person nur 20 Liter oder noch weniger pro Tag braucht, ergibt das grosse Mengen, die wir aus dem Grundwasser hochpumpen und verteilen müssen."

Keller plant auch die Erweiterung des Lagers, sollte es zu einer neuen Flüchtlingswelle kommen. Dabei sind insbesondere auch Überzeugungsarbeit und Verhandlungsgeschick gefragt, denn die lokalen Nomaden mit ihren Kamel- oder Ziegenherden treten nicht gern gutes Land ab.

Leben und Sterben in der Flüchtlingsstadt

Die Versorgungslage im Lager hat sich seit der Flut wieder normalisiert, wie Keller erklärt. "Weil die Zufahrt unterbrochen war, hatten wir die Flüchtlinge während rund zwei Monaten nicht auf dem Landweg mit Lebensmittel beliefern können."

Einen Engpass gabs aber auch beim Trinkwasser, weil Generatoren und Pumpen infolge ausbleibenden Treibstoff-Nachschubs stillstanden. Das Welternährungs-Programm (WFP) musste deshalb den Nachschub für die Flüchtlinge vorübergehend mit Helikoptern und Flugzeugen sicherstellen.

Präsent dagegen ist nach wie vor die Gefahr durch das Rift Valley Fieber, das nach dem Hochwasser in der Region ausbrach. Zwar wurden im Lager Moskitonetze verteilt und offene Wasserflächen und Latrinen besprayt, um die Larven der Mücken abzutöten, welche das Virus verbreiten. "Wegen der ansteckenden Viruskrankheit hatten wir auch schon Tote zu beklagen", sagt Hans Keller.

Zu unsicher

Somalia gehört zusammen mit Darfur im Westen Sudans zu den schlimmsten Krisenregionen auf dem afrikanischen Kontinent. Beidenorts leistet die Schweiz humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung.

"Weil der Zugang zu den Bedürftigen aus Sicherheitsgründen erschwert ist, unterstützt die DEZA spezialisierte Organisationen, die vor Ort mit den kämpfenden Gruppen um sicherere Zugänge verhandeln", sagt Hansjürg Ambühl, Leiter der Sektion Afrika bei der DEZA. Weil in beiden Konfliktgebieten "schwerste Verletzungen des humanitären Völkerrechts" verübt würden, sei auch die Sicherheit für Mitarbeiter humanitärer Organisationen gefährdet.

Dabei arbeitet die Schweiz ausser mit dem angesprochenen UNHCR und dem Welternährungs-Programm auch mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) zusammen. Beiträge gehen laut Ambühl aber auch an die Nichtregierungs-Organisationen (NGO) Caritas, Terre des hommes, Medair, Ärzte ohne Grenzen und Tierärzte ohne Grenzen.

Deza

Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) ist die Agentur für internationale Zusammenarbeit im Eidgenössischen Departement für ...

Friedensförderung?

In den vergangenen Jahren hat sich die Schweiz auf dem afrikanischen Kontinent vermehrt im Bereich Friedensförderung engagiert. "Die Volatilität der Situation in Somalia erlaubt dies aber momentan nicht", sagt Johann Aeschlimann, Sprecher des Schweizer Ausseministeriums. Es sei "verfrüht", Aktivitäten in den Bereichen Mediation, Konflikttransformation oder Friedensförderung ins Auge zu fassen.

In der Hölle von Darfur sind die Menschen den Übergriffen der regierungstreuen Reitermilizen (Djandjawid) schutzlos ausgesetzt. In Dadaab zeigen Menschen wie Hans Keller den vertriebenen Somalis, dass sie nicht vergessen worden sind. Sie danken es ihm "mit einem natürlichen und zufriedenen Lachen, das beeindruckt mich immer wieder", sagt der Schweizer.

swissinfo, Renat Künzi

Fakten

Schweizer Hilfe 2006 im Somalia-Konflikt: 3 Mio. Fr.
Sie stellt internationalen Organisationen drei Experten zur Verfügung (Secondments).
Schweizer Hilfe 2006 für Darfur: 10 Mio. Fr.
Ebenfalls drei Experten in Secondments im Einsatz.
Bisherige Bilanz Darfur-Konflikt: 2 Mio. Vertriebene, 230'000 sudanesische und 46'000 Flüchtlinge aus der Zentralafrikanischen Republik im Süden Tschads. (Quelle: UNHCR). Geschätzte Todesopfer: 300'000.

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Friedensförderung

Afrika ist ein Schwerpunkt des Schweizer Engagements für Entwicklung und humanitäre Hilfe.

In den letzten Jahren wurde die Schweiz auch in der Friedensförderung aktiv. Sie war beteiligt am:

Friedensvertrag für den Süd-Sudan (2005)

Waffenstillstand Nuba-Berge (Sudan, 2002)

Abkommen von Arusha (Frieden in Burundi)

Abkommen von Eldoret und Mbagathi (Friedensprozess Somalia)

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Konfliktreiches Afrika

Afrika ist ein konfliktreicher Kontinent. Gründe sind meist Kämpfe um Bodenschätzen.

Der schlimmste Konflikt herrscht in Darfur. Der Krieg von Sudan auf die Nachbarn Tschad und Zentralafrikanische Republik übergegriffen.

Weitere Krisengebiete: Somalia, Ostkongo und Guinea.

Spannungsgebiete: Äthiopien, Eritrea, Elfenbeinküste.

Lichtblicke: Südsudan, Liberia, Sierra Leone, Angola, Burundi und Uganda.

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