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Der Preis der Wirtschaftskriminalität

Wirtschaftskriminalität kommt die Unternehmen teuer zu stehen. Keystone

In den letzten zwei Jahren waren weltweit 37% der Unternehmen von Wirtschaftskriminalität betroffen.

Dieser Inhalt wurde am 07. August 2003 - 16:03 publiziert

Gemäss einer Studie von PricewaterhouseCoopers beträgt der durchschnittliche Deliktbetrag jeweils mehrere Millionen Dollar.

Um 5% haben die Fälle von Wirtschaftskriminalität seit 2001 global zugenommen. Diese Zahlen fördert eine Studie von PricewaterhouseCoopers (PWC) zu Tage. Sie wurde zum zweiten Mal in Folge erhoben, diesmal auch ausserhalb Europas.

In den Bereich Wirtschaftskriminalität fallen Betrug, Cyber-Kriminalität, Korruption, Geldwäscherei, Piraterie von geistigem Eigentum, Kopien, Bilanzfälschungen und Wirtschafts-Spionage.

Überall Zunahme

Das Wirtschaftsprüfungs-Unternehmen befragte weltweit 3623 Betriebe aus über 50 Ländern. In Westeuropa fielen letztes Jahr über ein Drittel der Unternehmen einem Betrug zum Opfer. 2001 waren es noch 29%.

Am stärksten stieg die Wirtschaftskriminalität in Zentral- und Osteuropa – nämlich von 26% auf 37%.

Afrika an der Spitze

An der Spitze steht Afrika. Über die Hälfte aller Unternehmen gaben an, betroffen zu sein. Es folgen die USA (41%), Asien/Pazifik (39%), Lateinamerika (38%), Mittel- und Osteuropa (37%). Westeuropa steht mit 34% am besten da.

Auch die Schweiz betroffen

Auch 90 Schweizer Firmen beteiligten sich an der Befragung. Mit 24% schnitt die Schweiz leicht besser ab als vor zwei Jahren mit 28%. Sie liegt damit weit unter dem weltweiten Durchschnitt von 37%.

"Eine mögliche Erklärung ist vielleicht der hohe Lebensstandard in der Schweiz, der mögliche Täter abhalten könnte, da sie mehr zu verlieren als zu gewinnen hätten", sagt John Wilkinson, einer der zwei Autoren der Studie.

PwC kommt jedoch zum Schluss, "Wirtschaftskriminalität bleibt eine reale Gefahr für Unternehmen in der Schweiz." PwC fordert die Schweizer Unternehmen zudem auf, die jetzigen Präventionsmechanismen an den potentiellen Risiken zu überprüfen.

"Die Unternehmen müssen solche Risiken meiden und sich wirkungsvoll dagegen schützen", meint Wilkinson. Dies sei eine Herausforderung für die Zukunft.

Geldwäscherei

Die Befragung von 3623 Konzernleitern, davon 89 in der Schweiz, ergab, dass Veruntreuung von Vermögenswerten mit 60% die häufigste Deliktart ist. Mit 18% kommen Korruption und Bestechung in der Schweiz aber weitaus häufiger vor als bei andern westeuropäischen (11%) und weltweiten (14%) Firmen.

Mit 20% überdurchschnittlich hoch ist der Anteil der Geldwäscherei in der Schweiz. Weltweit beträgt er lediglich 3%. Wilkinson sieht in diesem Befund auch positive Aspekte: "Verbesserte Überwachung und Aufmerksamkeit bezüglich Geldwäscherei führen zu höheren Aufdeckungsraten."

Entsprechend kämen Delikte in Branchen, die wie die Finanzbranche einer Aufsicht unterworfen sind, häufiger vor.

Grosse einfacher zu knacken

Wirtschaftskriminalität sei in grossen Firmen viel einfacher zu realisieren als in kleinen. Bei komplexen Finanztransaktionen seien die Kontrollsysteme viel aufwändiger zu überwachen, meint Wilkinson.

Bei Finanzdienstleistern, Versicherungen, Telekommunikations-Uunternehmen und Medien sei Wirtschaftskriminalität weit häufiger anzutreffen als zum Beispiel bei Baufirmen.

In den letzten beiden Jahren hat eine von sechs Banken einen Fall von Geldwäscherei aufgedeckt, zeigt der Report auf.

Finanzielle und immaterielle Schäden

Ein Wirtschaftdelikt verursacht im Durchschnitt einen Schaden von 2,2 Mio. Dollar. Schäden an Arbeitsmoral und Image gelten jedoch mindestens so gravierend wie finanzielle Verluste.

Bei der Aufdeckung von Delikten zeigten sich widersprüchliche Resultate. Die generell hohe Selbsteinschätzung der Firmen, dass ihr Kontrollsystem funktioniere, deckt sich nicht mit der Realität. Bei 51% aller Fälle war die Aufdeckung einem Risikomanagement-System zu verdanken. Bei 43% zeichnete jedoch Kommissar Zufall für die Aufdeckung verantwortlich.

Mehr Prävention gefordert

Co-Studienleiter Gianfranco Mautone leitet daraus eine hohe Zahl unentdeckter Fälle ab. Angesichts der Bedrohung durch Wirtschaftskriminalität fordert er stärkere Präventionsmassnahmen. Die Cyberkriminalität hob er dabei als besonders bedrohlich eingeschätzte Form hervor.

Freiwillige Kontrollmechanismen haben sich laut PwC effektiver als solche auf Gesetzesebene erwiesen. Bei den befragten Unternehmen handelte es sich jeweils um die Top 1000 jeden Landes.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

37% der Unternehmen weltweit und 24% der Schweizer Unternehmen sind betroffen von Wirtschaftskriminalität.
An erster Stelle steht die Veruntreuung (60%).
Dann folgt in der Schweiz die Cyberkriminalität (20%), Korruption (18%),Geldwäscherei (15%), Piraterie von geistigem Eigentum und Kopien (13%),Bilanzfälschungen (10%) und Wirtschafts-Spionage (8%).
Finanzdienstleister sind am meisten gefährdet.
In den letzten 2 Jahren wurde eine von sechs Banken mit Geldwäscherei konfrontiert.
Ein Fall von Wirtschaftskriminalität kostet eine Firma im Schnitt 2,2 Mio. Dollar.
Die Studie basiert auf 3623 Interviews in 50 Ländern. In der Schweiz beteiligten sich 89 Unternehmungen.

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