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Der Weltraum ist weit weg

Modell der Internationalen Raumstation ISS. ESA

Die Schweiz beteiligt sich an diversen Weltraumprojekten. Doch bei Politikern und in der Öffentlichkeit ist das Bewusstsein für die Schweiz im All eher klein.

Dieser Inhalt wurde am 02. August 2002 - 15:49 publiziert

"Die an der internationalen Raumstation ISS beteiligten Staaten sorgen sich um die Zukunft des Projektes. Grund dafür sind angekündigte Sparmassnahmen der US-Raumfahrtbehörde NASA," vermeldeten kürzlich die Nachrichtenagenturen.

Sorgen um ISS mache sich auch die Schweiz, konnte man erfahren. Warum die Schweiz? Weltraumfahrt, das verkörpern für viele in der Schweiz der Romand Claude Nicollier und seine drei Weltraumflüge aus den USA. Aber damit hat es sich.

Öffentlichkeit kaum informiert

"Wir haben schon etwas Mühe, der Öffentlichkeit klar zu machen, was wir tun und dass das der Schweiz viel bringt", sagt Daniel Neuenschwander vom Büro für Weltraumangelegenheiten (SSO) in Bern. Dementsprechend will eine der Regierungsparteien, die Schweizerische Volkspartei SVP, das Weltraumbüro kurzerhand abschaffen.

"Nicht abschaffen", sagt SVP-Sprecherin Sylvia Bär, "wir wollen lediglich die Weltraumangelegenheiten ins Bundesamt für Bildung und Wissenschaft integrieren". Dazu wolle die SVP das Schweizer ESA-Büro in Paris aufheben. "Dieses bringt ausser administrativen Kosten nichts", unterstreicht die SVP-Sprecherin. Gegen die Weltraumforschung an sich wende sich die SVP in keiner Weise.

Gut investierte Gelder

Daniel Neuenschwander gibt zu bedenken, dass praktisch jeder Schweizer Franken, der in die Raumfahrt investiert wird, in die Schweiz zurückfliesse. "Sei es als Kompensationsgeschäfte oder Aufträge für die Schweizer Industrie oder das Geld fliesst in die Schweizer Wissenschaft zurück."

Die Schweiz gibt in diesem Jahr für ihre gesamten Weltraum-Aktivitäten rund 125 Mio. Franken aus. Der Grossteil davon fliesst in Aktivitäten der ESA (Europäische Weltraum-Organisation). Zu deren Gründung 1960 hatte die Schweiz wesentlich beigetragen. Via die ESA ist die Schweiz denn auch an den diversen Raumfahrtprojekten beteiligt. So auch an der ISS-Raumstation.

Satelliten-Kommunikation

Die Hauptaktivitäten der ESA liegen in der satellitengestützten Kommunikation. Darunter die Kartographie aber auch die Übertragung von Fernsehbildern. Ein Zukunftsprojekt ist das europäische Navigationssystem Galileo.

In Zukunft wird man von der Schweiz wohl erwarten, dass sie sich auch ausserhalb der ESA - zum Beispiel im UNO-Komitee für die friedliche Nutzung des Weltraumes - beteiligt. Dort ist die Schweiz zur Zeit nur Beobachterin.

"Mit der Vollmitgliedschaft bei der UNO ist die Schweiz nicht automatisch auch Aktivmitglied bei diesem UNO-Komitee", sagt Peter Knopf, Berater für Wissenschaft und Weltraum im Aussenministerium gegenüber swissinfo.

Eine Teilnahme würde zusätzliche Finanzmittel benötigen, sagt Knopf und die habe man zur Zeit nicht. Der Regierung werde sein Büro bis kommenden Februar Details vorlegen über eine mögliche Teilnahme am UNO-Komitee. Doch entschieden werde erst viel später.

Kein Schweizer Forschungsprogramm

"Die Schweizerische Weltraumpolitk wird von der Regierung, vom Bundesrat, bestimmt", sagt SSO-Mitarbeiter Daniel Neuenschwander. Sie stützt sich auf Empfehlungen der Eidgenössischen Weltraumkommission CFAS. "Wir im Büro für Weltraumangelegenheiten setzten die Politik dann um und machen weitere Vorschläge."

Die Schweiz habe kein eigenes nationales Weltraumforschungs-Programm, wie etwa Frankreich, Deutschland oder Italien, die viel mehr Mittel für die Forschung im All aufwenden. Das wird bedauert. Eben hat der Schweizerische Nationalfonds (SNF) zusätzliche Bundesgelder für die wissenschaftliche Forschung gefordert. Mit der Begründung, man wolle nicht in die 2. Liga absteigen.

"Gerade im Bereich Hochtechnologie ist die Schweizer Industrie, aber auch die Wissenschaft Spitze", sagt Daniel Neuenschwander. "Es ist deshalb enorm wichtig, dass wir in der Raumfahrt bei den Leuten bleiben."

Urs Maurer

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