Die Anschläge - erste Fahndungserfolge

Das Ausmass der verheerenden Anschlags-Serie in den USA bleibt unklar. Die Suche nach Überlebenden und die Jagd auf die Drahtzieher der Terror-Aktionen laufen auf Hochtouren. Das FBI scheint die Urheber der Attentate zu kennen. Mindestens eine Schweizerin kam bei den Anschlägen ums Leben.

Dieser Inhalt wurde am 13. September 2001 - 00:32 publiziert

Das FBI meldete am Mittwochabend (MESZ), dass es gelungen sei, viele der Flugzeug-Entführer zu identifizieren. Auch mutmassliche Helfer konnten demnach ermittelt werden. Das US-Justizministerium teilte mit, dass einige Entführer in den USA zu Piloten ausgebildet worden seien.

Verdacht gegen bin Laden verdichtet sich

Nach der beispiellosen Anschlagsserie haben die USA den Terroristen Osama bin Laden im Visier. Die Hinweise auf den saudiarabischen Millionär als Drahtzieher der Attentate verdichteten sich. Das ergaben nach Angaben von Regierungs-Beamten erste Fahndungs-Ergebnisse.

Nach Angaben von Senator Orrin Hatch hörte der Geheimdienst ein Gespräch zwischen zwei Anhängern bin Ladens ab, in dem von gelungenen Angriffen auf zwei Ziele gesprochen worden sei. Alles deute in Richtung des von den Taliban in Afghanistan versteckt gehaltenen bin Laden, sagte Hatch. Bin Laden selbst beglückwünschte die Attentäter, bestritt aber jede Beteiligung.

Das Taliban-Regime bot den USA Gespräche über eine mögliche Auslieferung des in Afghanistan lebenden mutmasslichen Terror-Drahtziehers Osama bin Laden an. "Wir sind bereit, mit den Vereinigten Staaten über das Schicksal von Osama bin Laden zu verhandeln, aber die USA müssen uns zuerst genügend Beweise gegen ihn übergeben", sagte der Taliban-Botschafter in Pakistan, Mullah Abdul Salam Saif.

Die NATO betrachtet die Anschläge gegen die USA als Angriff gegen das ganze Bündnis, falls sie von Attentätern ausserhalb der USA eingeleitet worden sein sollten. In diesem Fall könnten die USA auf das Prinzip "einer für alle" und "alle für einen" und damit auf die Unterstützung der Allierten bei einem allfälligen Militäreinsatz zählen, wie NATO-Generalsekretär George Robertson erklärte. Noch seien aber keine Einsätze geplant.

Der Terror aus der Luft

Am Dienstagmorgen (Ortszeit) hatten terroristische Selbstmörder vier Flugzeuge mit insgesamt 266 Insassen auf Inlandflügen in ihre Gewalt gebracht und davon auf die beiden mehr als 400 Meter hohen Türme des World Trade Center in New York und das Verteidigungs-Ministerium, das Pentagon in Washington, gelenkt.

Die 110 Stockwerke hohen Bürotürme und ein dritter, 47 Stockwerke hoher Wolkenkratzer, stürzten ein. Auch ein Teil des Pentagons fiel brennend in sich zusammen. Die vierte Maschine war in der Nähe von Pittsburgh auf freiem Feld abgestürzt.

Das Weisse Haus und das Präsidenten-Flugzeug "Air Force One" hätten ebenfalls Angriffziele sein sollen, wie das amerikanische Aussenministerium unterdessen bekannt gab.

Erste Anhaltspunkte für den Ablauf der Anschläge geben die Handy-Gespräche von zwei Passagieren und einer Flugbegleiterin kurz vor den Abstürzen. Sie berichteten übereinstimmend von drei bis sechs Entführern, die mit messerartigen Waffen die Gewalt über die Maschinen erzwungen hätten. Einige der Flugzeug-Entführer wurden nach Angaben des Justizministeriums in den USA als Piloten ausgebildet.

Fahnder sprachen von Hinweisen, wonach die Terroristen sich bewusst Langstreckenflüge ausgesucht hätten, um mit der grossen Treibstoffmenge an Bord ein maximales Mass an Zerstörung zu erzielen. Nach derzeitigem Stand der Erkenntnisse muss es sich bei den Entführern um ausgebildete Piloten gehandelt haben.

Unzählige Menschen starben

Auch mehr als 24 Stunden nach der Katastrophe ist unklar, wie viele Menschen ums Leben kamen, doch wird mit Tausenden von Opfern gerechnet. In den Trümmern des eingestürzten World Trade Center gehen die Bergungs-Arbeiten weiter. Zurzeit wird davon ausgegangen, dass sich während des Unglücks 10'000 bis 20'000 Menschen in den Gebäuden aufhielten.

Die Bergungs- und Rettungsarbeiten gestalten sich schwierig: Überall verstreut liegen Leichenteile, Einstürze drohen, zum Teil brennen die Trümmer noch. Retter hoffen noch auf Überlebende in den Nebengebäuden des riesigen Handelskomplexes in Süd-Manhattan. Ein paar konnten bereits geborgen werden.

Dutzende von Spitälern richteten Notfallstationen ein. Die ganze Nacht hindurch brachten Fähren Leichen über den Fluss Hudson. Taxiunternehmen entfernten die Sitze aus ihren Fahrzeugen, um beim Transport der Toten zu helfen.

Über dem Pentagon in Washington stand am Mittwoch immer noch eine Rauchwolke. Es wird befürchtet, dass allein an dieser Anschlagsstelle bis zu 800 Menschen getötet wurden.

Schweizerin getötet

An Bord der Flugzeuge, die abgestürzt sind, befanden sich 266 Menschen. Unter den Opfern befindet sich auch eine Schweizerin, wie Botschafter Walter Thurnherr vom Schweizerischen Aussenministerium (EDA) erklärte. Zudem gibt es Hinweise auf weitere Schweizer Opfer: 700 Schweizer hatten sich laut EDA bis Mittwochabend nicht bei ihren Angehörigen gemeldet. Bis genaue Zahlen über Opfer vorliegen könne es noch Tage oder Wochen dauern.

Weltweite Trauer

Tief erschüttert über die verheerenden Terroranschläge in den USA haben die Regierungen vieler Länder, so auch der Schweiz, am Mittwoch Trauerbeflaggung angeordnet und Sportveranstaltungen und Konzerte abgesagt.

Die EU-Aussenminister erklärten den kommenden Freitag zum Trauertag. Sie fordern alle Bürgerinnen und Bürger zu einer dreiminütigen Schweigezeit um 12.00 Uhr auf.

Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte, die Bürger seines Landes wollten am Donnerstag in einer Schweigeminute der Opfer in New York und Washington gedenken. Die russische Luftwaffe sagte ein geplantes Manöver auf Bitten der USA ab. Der Europäische Fussballverband UEFA strich alle europäischen Pokalspiele für Mittwoch und Donnerstag.

swissinfo und Agenturen

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