Die Argentinier kommen

Warteschlange vor dem spanischen Konsulat in Buenos Aires: Viele Argentinier sehen in ihrer Heimat keine Zukunft mehr. Keystone Archive

Wegen der Wirtschaftskrise wollen junge Argentinier europäischer Herkunft das Land verlassen - es zieht sie auch in die Schweiz.

Dieser Inhalt wurde am 29. Januar 2002 - 19:28 publiziert

"An manchen Tagen erhalten wir bis zu 40 Beratungsgesuche. Bei den meisten Ratsuchenden handelt es sich um Bürger mit doppelter Nationalität oder Nachfahren von Schweizer Auswanderern. Vor allem junge Leute wollen das Land verlassen", sagt der Schweizer Botschafter in Buenos Aires, Armin Ritz.

Sich erst informieren

"Den Ratsuchenden, die einen Schweizer Pass haben, empfehlen wir erst über die Stelleninserate Schweizer Zeitungen im Internet eine Arbeit zu suchen, bevor sie die Reise in die Schweiz antreten. Wir raten ihnen auch, Kontakt mit Verwandten in der Schweiz aufzunehmen."

Die Zurückhaltung hat ihren Grund: "Viele der Auswanderungswilligen sind noch nie in der Schweiz gewesen", erklärt Ritz. "Wir machen sie ausserdem darauf aufmerksam, dass es sinnvoll ist, eine der Schweizer Nationalsprachen zu sprechen."

Die Zahl der Ratsuchenden, die bei der Schweizer Botschaft vorsprechen, sei jedoch nicht vergleichbar mit den Anträgen, die bei der italienischen oder der spanischen Botschaft eingehen, so Ritz. Vor den Konsulaten dieser beiden Länder bilden sich täglich lange Schlangen.

Ältere Auswanderung

Die Kinder von Spaniern oder Italienern, die vor 1970 nach Argentinien ausgewandert sind, können noch einen Antrag auf die Erteilung der jeweiligen Staatsbürgerschaft stellen. Die Schweizer Emigranten sind in der Regel schon lange vorher nach Argentinien gekommen, so dass viele diese Möglichkeit nicht mehr haben.

Nachfahren von Schweizern müssen einen Antrag auf die Schweizer Staatsbürgerschaft stellen, bevor sie 20 Jahre alt sind, erklärt Ritz. Juan Carlos Martinez vom argentinischen Verein der Deutschschweizer bestätigt das grosse Interesse der Doppelbürger an einer Auswanderung in die Schweiz.

"Sehr schwierig"

Auch bei seinem Verein gehen täglich Anfragen von Auswanderungswilligen oder von deren Verwandten in der Schweiz ein. "Für Argentinier ohne Schweizer Pass ist es jedoch schwierig, eine der kontingentierten Aufenthaltsbewilligung zu erhalten", berichtet René Schwery von der argentinischen Vereinigung der Walliser.

Geschichte der Emigration

Im Jahr 1872 wurden in Argentinien mehr als 10'000 Einwanderer aus der Schweiz gezählt. Im Jahr 1890 waren es bereits 30'000. Von den Schweizern, die aufgrund der Wirtschaftskrise Ende des 19. Jahrhunderts nach Argentinien ausgewandert sind, stammen besonders viele aus dem Wallis. Die Verbindungen zwischen dem Wallis und dem Land der Gauchos bestehen bis heute fort.

Im 20. Jahrhundert wanderten während der Wirtschaftskrise in den 30er Jahre 6000 Schweizer nach Argentinien aus. Ein Drittel von ihnen kehrte jedoch in den darauffolgenden Jahren in die Schweiz zurück.

Zur schweizerischen Kolonie in Argentinien gehören heute rund 15'000 Personen. Nach Angaben der Schweizer Botschaft besitzen rund 14'000 von ihnen neben dem argentinischen auch einen Schweizer Pass. Ritz geht davon aus, dass rund 150'000 Argentinier schweizerische Vorfahren haben.

swissinfo und Pierre-Alain Eltschinger (sda)

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